Peter Schröder

Kommentar

Peter Schröder

Kriegsende ohne Frieden

Politik / 18.04.2021 • 16:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Ein Krieg geht zu Ende. Zumindest halbwegs oder so. Denn auf den Tag genau 20 Jahre nach dem ruchlosen Terroranschlag auf das Word Trade Center in New York mit mehr als 3000 Opfern will die US-Regierung ihre Kampftruppen aus Afghanistan zurückziehen und wird ein verwüstetes Land mit mehr als 70.000 Kriegstoten und fünf Millionen entwurzelten Menschen auf der Flucht zurücklassen.

Frieden sieht anders aus und die afghanische Tragödie hat die sehr viel größere Dimension eines Krieges, der nicht 20, sondern schon mehr als 40 Jahre wütet. 1979 waren sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschiert, die das pro-kommunistische und das eigene Volk unterdrückende Regime in Kabul vor Aufständischen “retten” wollten. Worauf Washington die “Rebellen” in ihrem Kampf gegen die sowjetischen Invasoren massiv militärisch unterstützte. Im Namen der “Begrenzung des kommunistischen Machtbereichs” wurde der Krieg damit noch blutiger gemacht.

Der amerikanische Phantom-Krieg wurde auch nach dem sowjetischen Truppenabzug von 1989 fortgesetzt. Nun gegen “Rebellen” exklusiv. Und dann kam es zum Terroranschlag am 11. September 2001, als dessen Urheber Washington schnell Rebellen-Chef Osama bin Laden identifizierte. Keine vier Wochen später starteten die USA ihren offiziellen Krieg gegen Afghanistan, um bin Laden zur Rechenschaft ziehen zu können, den die Regierung in Kabul nicht ausliefern wollte.

Als US-Soldaten bin Laden im benachbarten Pakistan ausfindig machten und am 2. Mai 2011 töteten, setzte Washington den Krieg gegen die als “Taliban” agierende und große Teile Afghanistans kontrollierende “bin Laden Terrorgruppe” fort. Unterstützt von Truppenkontingenten diverser Nato-Staaten. Sie werden das weiterhin im Chaos versinkende Land ebenfalls verlassen.

Damit gibt es keinen Grund, das Ende eines Krieges oder gar eines dräuenden Friedens zu bejubeln. Aber Grund zur Klage. Über die Unmenschlichkeit einer blindwütigen Machtpolitik und die Barbarei einer angeblich “humanitären Aktion”. Der 20-jährige Kriegseinsatz des US-Militärs im geschundenen Afghanistan hat schließlich nichts zum Besseren gewendet und allein die USA mehr als zweitausend Milliarden Dollar gekostet. Und dabei einige wenige US-Reiche noch reicher und das Heer der US-Armen noch ärmer gemacht.

Tatsächlich geht der Krieg in Afghanistan auch ohne US- und Nato-Soldaten als reiner Bürgerkrieg jetzt weiter. Auch seine künftigen Toten und Leidenden werden Alarmzeichen für das Versagen von Diplomatie und Politik sein.