Machtkampf ist entschieden

Politik / 20.04.2021 • 22:59 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
CDU-Vorsitzender Laschet dankte seinem einstigen Kontrahenten. Dieser werde eine wichtige Rolle spielen.  APA/DPA
CDU-Vorsitzender Laschet dankte seinem einstigen Kontrahenten. Dieser werde eine wichtige Rolle spielen. APA/DPA

Söder gibt auf. Laschet wird Kanzlerkandidat der deutschen Unionsparteien.

berlin, münchen Nach dem Ende des erbitterten Machtkampfs um die Kanzlerkandidatur sind die deutschen Schwesternparteien CDU und CSU mit Blick auf den bald beginnenden Wahlkampf demonstrativ um neue Geschlossenheit bemüht. CSU-Chef Markus Söder rief am Dienstag den CDU-Vorsitzenden Armin Laschet zum gemeinsamen Kanzlerkandidaten aus, nachdem dieser in der Nacht zuvor in seinem Bundesvorstand klare Unterstützung erhalten hatte. „Die Würfel sind gefallen, Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union“, sagte der bayerische Ministerpräsident in München. Laschet dankte ihm und der CSU „für den guten, fairen Umgang in einer sehr weitreichenden Entscheidung, auch in einer sehr persönlichen Entscheidung“. Die deutsche Bundestagswahl findet im September statt.

Klares Votum

In einer digitalen Sondersitzung des CDU-Vorstands hatten in der Nacht zum Dienstag 31 von 46 stimmberechtigten Vorstandsmitgliedern in geheimer Wahl für den eigenen Parteivorsitzenden plädiert (77,5 Prozent), nur neun stimmten für Söder (22,5 Prozent), sechs enthielten sich (nach CDU-Regeln prozentual nicht gewertet). Vorausgegangen war eine gut sechsstündige Debatte, in der Befürworter für Laschet und Söder aufeinanderprallten. Söder hatte angekündigt, dass er jede Entscheidung des Bundesvorstands akzeptieren werde.

„Ich danke Markus Söder dafür, dass er der CDU und auch mir persönlich die Unterstützung der CSU und auch des Parteivorsitzenden der CSU zugesagt hat“, sagte Laschet in Berlin. Die CSU habe durch ihr Vorgehen am Montag die Entscheidung der CDU ermöglicht. „Das ist ein großer Vertrauensbeweis.“ Söder werde eine zentrale Rolle für die Union und die Zukunft Deutschlands spielen. Söder betonte in München, er werde, wie angekündigt, das klare Vorstandsvotum der CDU für ihren Parteichef akzeptieren und Laschet ohne Groll und mit voller Kraft unterstützen. Nun gehe es darum zusammenzustehen. „Nur eine geschlossene Union kann am Ende erfolgreich sein.“

CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt merkte allerdings an, das gewählte Verfahren zur Aufstellung Laschets sei eines, das „durchaus einige Fragezeichen hinterlässt“. Es habe aber ein Ergebnis gebracht, mit dem man nun umgehen müsse. „Das Verfahren kann man – konziliant formuliert – als interessant bezeichnen.“ Unions-Fraktionschef Ralph Brinkhaus verlangte für die Zukunft ein klares Verfahren für diese Entscheidung.

Laschet bekam für die Nominierung unter anderem Glückwünsche von Kanzlerin Angela Merkel. „Herzlichen Glückwunsch, lieber Armin Laschet, zur neuen Aufgabe als Kanzlerkandidat der Union. Ich freue mich auf die kommenden Monate unserer Zusammenarbeit“, ließ die Kanzlerin über ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten. Auch der Laschet bei der Wahl zum CDU-Chef unterlegene Friedrich Merz gratulierte zum klaren Votum.

Die erst am Vortag zur Kanzlerkandidatin der deutschen Grünen ausgerufene Annalena Baerbock schrieb auf Twitter: „Ich setze auf einen fairen Wahlkampf um die Führung dieses Landes.“ SPD-Fraktionschef Rolf Mützenich sprach von „Chaostagen“ in der Union. „Ich bin mir auch sicher, dass das Chaos nicht aufhört.“ Die Konkurrenz ende ja nicht mit dem heutigen Tag. FDP-Chef Christian Lindner betonte, es gebe viele inhaltliche Fragen, in denen seine Partei mit Laschet übereinstimme. Zugleich gebe es genug Unterschiede, die einen spannenden Wahlkampf versprächen.

„Die Würfel sind gefallen, Armin Laschet wird Kanzlerkandidat der Union.“

CSU-Chef Söder akzeptierte das Vorstandsvotum der CDU für Laschet und verzichtete auf die Kandidatur. AFP
CSU-Chef Söder akzeptierte das Vorstandsvotum der CDU für Laschet und verzichtete auf die Kandidatur. AFP