Sterben lassen statt retten?

Politik / 25.04.2021 • 22:42 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Schon mal folgenden Satz gehört? „Wenn du arm bist, musst du früher sterben?“. Jeden Tag passiert es. Zehntausendfach und vermutlich noch viel öfter. Und warum? Aus reiner Geldgier und aus nationalen Egoismen. Es bringt den Übeltätern unzählige Milliarden auf die Konten und sichert Politikern Ruhm, Ehren und fette Pfründe. Und dafür lassen sie Heerscharen von Sterbenskranken qualvoll sterben, statt sie zu retten?

Reden wir doch mal Klartext in der gegenwärtigen Pandemie. Nicht Verschwörungstheoretiker betreffend, die ein real existierendes Virus namens SARS-CoV-2 für Mumpitz halten. Nicht von Impfabstinenzlern, von denen etliche ihre Mitmenschen infizieren und damit mehr als nur gelegentlich ins Grab bringen. Und auch nicht von hilflos agierenden, sich oft im Tagesrhythmus widersprechenden und mit immer neuen Vorschlägen daherkommenden „Was kümmert mich mein Reden von gestern“-Politikern.

Reden wir doch einfach mal von der schlichten, belegten Tatsache, dass in Rekord-Tempo entwickelte Anti-Covid-Impfstoffe Infektionen und ein daraus resultierendes Massensterben verhindern können. Großer Gott, wir loben Dich, aber da kommt die Sache mit dem vermeidbaren Sterben der Armen dazwischen: In den sogenannten „reichen“ Ländern der Erde wird in der Pandemie verhältnismäßig sehr, sehr viel seltener gestorben als in den „armen“ Landstrichen.

Warum? Ganz einfach weil sich die Politiker der Überflussgesellschaften mit der Kraft des Geldes gigantische Mengen an Impfstoffen „fürs eigene Volk“ unter den Nagel gerissen haben. Und sie, wie der größte Impfstoff-Hoarder USA, vielfach auf größeren Vorräten sitzen als sie jemals an Mann, Frau und Kind bringen können. Und weil sie, was moralisch und mitmenschlich handelnd zwingend geboten wäre, ihren Impfüberfluss nicht Leben rettend mit den „armen“ Verwandten teilen. Allenfalls verteilen sie, wie etwa Frankreich und Neuseeland, über das „Covax“-Programm der Vereinten Nationen ein paar Impf-Brosamen nach Afrika. China wie Russland erkaufen sich daneben etwas Sympathie mit Impfstoffspenden aus heimischer Produktion.

Den bittere Impfnot leidenden Staaten könnte auch die derzeit Unmengen von Geld scheffelnde Internationale der Pharma-Giganten helfen: Mit einer zeitlich beschränkten Freigabe ihrer lukrativen Impfstoffpatente, mit der die armen Länder eine eigene Vakzin-Produktion ankurbeln könnten. Denn wir alle müssen einen ausreichenden Impfschutz haben. Um das Massensterben der „Armen“ in den Griff zu bekommen, das Entstehen weiterer Mutationen des Virus und seine Verbreitung in „armen“ wie in „reichen“ Ländern zu verhindern. Noch Fragen?

„China wie Russland erkaufen sich daneben etwas Sympathie mit Impfstoffspenden aus heimischer Produktion.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at