In diesen Ländern ist Delta auf dem Vormarsch

Politik / 29.06.2021 • 19:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In diesen Ländern ist Delta auf dem Vormarsch
In Lissabon sind die Einschränkungen wieder verschärft worden. REUTERS

Während Österreich lockert, verschärfen andere Staaten ihre Maßnahmen wieder.

Schwarzach Am 1. Juli treten in Österreich viele Lockerungen in Kraft. Die FFP2-Maske wird in vielen Bereichen durch den herkömmlichen Mund-Nasen-Schutz ersetzt. Wo die 3G-Regel gilt, können getestete, genesene und geimpfte Gäste und Mitarbeiter überhaupt auf die Maske verzichten. Zudem öffnet die Nachtgastronomie. Die günstige epidemiologische Lage macht die Erleichterungen möglich: Die Sieben-Tages-Inzidenz, also die Ansteckungen pro 100.000 Einwohner und Woche, liegt etwa bei sieben. Wie schnell sich die Lage ändern kann, zeigt der Blick in andere Länder. Dort ist die infektiösere Delta-Variante auf dem Vormarsch. Restriktionen wurden wiedereingeführt.

Handelt Österreich mit den Lockerungen vor dem Hintergrund des Urlaubssommers also fahrlässig? „Es ist wichtig, die epidemiologische Situation im Auge zu behalten und auf Sicht zu fahren“, sagt der Gesundheitsexperte Armin Fidler. Dass Delta auch in Österreich die vorherrschende Variante wird, sei nur eine Frage der Zeit. Zuletzt waren 28 Prozent aller Neuinfizierten davon betroffen. „Länder, in denen noch kein ausreichender Teil der Bevölkerung vollständig geimpft ist, können diese Entwicklung mit Maßnahmen hinauszögern.“ Damit ließe sich Zeit gewinnen, um Infektionen zu verhindern und Menschenleben zu retten.

Es ist wichtig, die epidemiologische Situation im Auge zu behalten und auf Sicht zu fahren.

Armin Fidler, Gesundheitsexperte

Die vollständige Impfung schütze gut vor Delta, sagt Fidler – daran ändere auch das Beispiel Israel nichts. Dort gab es zuletzt Meldungen über vollständig Geimpfte, die sich angesteckt haben. „Entscheidend ist die Antikörperbildung. Manche Menschen bilden wenig und unzureichend Antikörper. Der Schutz ist zudem niemals hundertprozentig. Wir müssen im Blick behalten, um wie viele Fälle es sich in Israel überhaupt handelt, und ob die Betroffenen überhaupt Symptome entwickeln.“ Der Mediziner verweist auf eine Aussage des deutschen Virologen Christian Drosten, wonach mittelfristig ohnehin jeder den Prozess einer Immunisierung durchlaufen wird – wer auf die Impfung verzichte, entscheide sich zwangsläufig für die Infektion. „Das sei allen Verweigerern und jenen, die auf den zweiten Impftermin verzichten, ins Stammbuch geschrieben.“

Es folgt ein Überblick über Länder, in denen Delta zu seinem Anstieg der Infektionen geführt hat.

Portugal:

Die geplanten Lockerungen der Corona-Einschränkungen wurden in Portugal ausgesetzt und die Maßnahmen in den manchen Regionen sogar noch verschärft. In Lissabon kam es zum Teil-Lockdown. Das Land hat aktuell eine Sieben-Tages-Inzidenz von 94,6. Deutschland hat Portugal bereits als Virusvariantengebiet eingestuft. Zurückkehrende Urlauber müssen in Quarantäne – selbst wenn sie geimpft oder genesen sind. Österreich hat noch keinen ähnlichen Schritt unternommen.

Demonstranten fordern in London die Öffnung der Clubs. <span class="copyright">Reuters</span>
Demonstranten fordern in London die Öffnung der Clubs. Reuters

Großbritannien:

Auch in Großbritannien, das sehr früh einen hohen Prozentsatz seiner Bevölkerung gegen Corona geimpft hat, ist Delta auf dem Vormarsch. Einem Bericht der britischen „Sunday Times“ zufolge breitet sich die Variante insbesondere unter Schülern aus. Die Regierung hat die eigentlich am 21. Juni geplante Aufhebung aller Corona-Maßnahmen in England bereits um vier Wochen verschoben. Geschäfte und Gastronomie sind schon seit Wochen geöffnet. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei 169,2. Österreich stuft Großbritannien als Virusvariantengebiet ein. Die Einreise ist nur sehr eingeschränkt möglich.

Israel:

Israel gilt als Impf-Weltmeister. Trotzdem kämpft das Land zunehmend mit Delta. Die Zahl der positiv getesteten Personen ist zuletzt wieder angestiegen, besonders unter Kindern. Auch vollständig Geimpfte scheinen sich zu infizieren. Die gute Nachricht: Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt immer noch bei sehr niedrigen 13,9. Die Zahl der Schwerkranken bleibt konstant, seit Tagen gibt es keine Todesfälle. Die Gesundheitslage gilt demzufolge weiterhin als stabil. Die Regierung hat trotzdem reagiert. In geschlossenen Räumen gilt wieder eine Maskenpflicht.

Eine Frau lässt sich in einem Einkaufszentrum im russischen Omsk impfen. Impfskepsis ist in dem Land weit verbreitet. <span class="copyright">Reuters</span>
Eine Frau lässt sich in einem Einkaufszentrum im russischen Omsk impfen. Impfskepsis ist in dem Land weit verbreitet. Reuters

Russland:

Russland meldete am Dienstag so viele Todesfälle innerhalb von 24 Stunden wie noch nie zuvor seit Beginn der Pandemie. Die Situation spitzt sich wieder zu, und das ausgerechnet vor dem Viertelfinalspiel der Fußball-Europameisterschaft in St. Petersburg. Es soll aber nicht abgesagt werden. Die Hauptstadt Moskau erließ erst kürzlich neue Restriktionen: Unternehmen müssen etwa 30 Prozent aller nicht-geimpften Arbeitnehmer nach Hause schicken. Restaurants dürfen ihre Innenräume nur noch für Geimpfte oder PCR-Getestete öffnen. Obwohl schon früh ein eigener Impfstoff entwickelt wurde, ist die Impfskepsis in Russland sehr weit verbreitet. Die Sieben-Tages-Inzidenz liegt bei 93,5.

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