Delta rückt immer näher

Politik / 08.07.2021 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Delta rückt immer näher
Eine große Masse ist noch nicht geimpft. Das bedeutet laut Experten, dass relativ viele Menschen schwer erkranken könnten. AFP

Die Schweiz verzeichnet wieder mehr Infektionen: Impfungen entscheiden über Folgen.

Schwarzach Die nächste Infektionswelle trifft immer mehr Länder: Nach Großbritannien, Portugal und Griechenland verzeichnet nun etwa auch die Schweiz wieder steigende Zahlen. In Österreich wird das vorerst nur für Wien erwartet. In Vorarlberg könnte es in den nächsten Tagen noch eine weitere Entspannung geben.

Ausschlaggebend für die Welle ist die Delta-Variante, die hochansteckend ist. Allerdings: Mit einem Lockdown rechnen Experten wie Thomas Czypionka vom Institut für Höhere Studien (IHS) nicht mehr. Es werde wohl auch weniger Todesfälle geben als in der Vergangenheit. Langzeitfolgen von Erkrankungen („Long Covid“) sollten jedoch nicht unterschätzt werden.

Die Schweiz kam am Mittwoch bei steigender Tendenz auf 16 bestätigte Infektionen pro 100.000 Einwohner und Woche. Anfang Juli war dieser Wert noch einstellig. Neben der Delta-Variante haben laut Virginie Masserey vom Bundesamt für Gesundheit die jüngsten Lockerungen zum Anstieg geführt: Es gibt mehr Kontakte. Betroffen sind überwiegend Jüngere.

Ähnlich wie in der gesamten Schweiz entwickelt sich die Lage im Kanton St. Gallen. Auf ein höheres Niveau beziehungsweise eine Inzidenz von 24 geklettert ist dieser Wert in Graubünden. In Liechtenstein bewegt er sich seit Tagen bei rund 30. Laut Martin Halser von der Regierung in Vaduz sieht man jedoch keinen Handlungsbedarf.

Sorgen vor Krankheitslast

Entscheidend wird der Impffortschritt, ist der Schweizer Regierungsberater Martin Ackermann überzeugt. Der beste Zeitpunkt, sich schützen zu lassen, sei jetzt. Noch seien nicht genug Menschen geschützt: Sollte man in Relation zur Bevölkerung ähnlich viele Infektionen erreichen wie Großbritannien, wäre mit „einer großen Krankheitslast“ zu rechnen. Das macht auch Thomas Czypionka für Österreich Sorgen: „Eine große Masse ist noch nicht geimpft. Das bedeutet, dass relativ viele Menschen schwer erkranken könnten.“ Bei etwa einem Zehntel der Infizierten komme es zu längerfristigen Folgen. Im besten Fall lässt die Genesung mehrere Monate auf sich warten, im schlimmsten Fall bleiben laut Czypionka etwa Schädigungen von Herz und Lunge. Das sei nicht nur ein individuelles Problem: „Wenn viele Menschen davon betroffen sind, kann das auch die Wirtschaftsleistung und staatliche Budgets erheblich belasten.“

Österreichweit beträgt die Inzidenz bestätigter Neuinfektionen acht, in Vorarlberg vier und in Wien 18. Laut Prognosekonsortium des Gesundheitsressorts dürfte sie vorerst insgesamt gleichbleiben, in Vorarlberg geringfügig weiter sinken und in Wien bis Mitte Juli auf mehr als 20 steigen. Durchwachsen sind die Entwicklungen im deutschen Bodenseeraum: In Lindau und Ravensburg bewegt sich die Inzidenz gegen null, im Oberallgäu und im Bodenseekreis mit Friedrichshafen ist die Tendenz auf niedrigem Niveau steigend – auf sechs bzw. neun.