Trotz Impfung infiziert

Jahresrückblick 2021 / 13.07.2021 • 17:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Trotz Impfung infiziert
Auch wer vollständig geimpft ist, kann sich infizieren. Es kommt aber sehr selten vor. APA

49 Impfdurchbrüche in Vorarlberg. Delta aber unterrepräsentiert.

bregenz Delta ist auf dem Vormarsch. Eines jener Länder, die das derzeit besonders stark spüren, ist Israel. Das Neun-Millionen-Einwohner-Land meldete am Dienstag mit 730 Neuinfektionen binnen 24 Stunden den höchsten Stand seit März. Die meisten der neuen Fälle stehen nach offiziellen Angaben in Verbindung mit der Delta-Variante. Unter den Neu-Infizierten sind neben vielen jüngeren Menschen auch vollständig geimpfte Personen. Das sorgt international für Aufsehen. Denn noch ist nicht ganz klar, wie stark sich der Impfschutz durch Delta verringern könnte.

In Österreich erfasst das Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen (BASG) die sogenannten Impfdurchbrüche, das heißt, alle symptomatischen Covid19-Erkrankungen trotz vollständiger Impfung. Der vollständige Impfschutz tritt laut BASG sieben Tage nach der zweiten Dosis ein, beziehungsweise 28 Tage nach der ersten, wenn nur eine Dosis erforderlich ist. Als Impfdurchbruch wird nur gerechnet, wenn zusätzlich zur Infektion auch Symptome wie Fieber, Kurzatmigkeit, Husten oder Geruchs- und Geschmacksverlust auftreten. „Eine Infektion ohne erkennbare Erkrankung mit Symptomen wird derzeit nicht als Impfdurchbruch eingestuft, da die aktuell zugelassenen Covid19-Impfstoffe zur Verhinderung von Erkrankungen entwickelt wurden“, heißt es im jüngsten Bericht des BASG.

Leichte Symptome

Für Vorarlberg hat Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher aktuelle Zahlen. Er berichtet von 155 vollständig geimpften Menschen, bei denen das Virus mit PCR-Tests nachgewiesen werden konnte. Grabher liegen allerdings keine Daten vor, um welche Impfstoffe es sich handelt. Dreimal wurde die Delta-Variante nachgewiesen. Nur bei 49 Fällen kam es zu eigentlichen Impfdurchbrüchen nach der vom BASG genannten Definition: Diese Personen hätten eher leichte Symptome wie Kopfschmerzen und Husten gehabt. Einmal konnte dabei die Delta-Variante festgestellt werden.

Österreichweite Zahlen gibt es derzeit nur bis 25. Juni. Demnach wurden dem BASG 258 Fälle von Impfdurchbrüchen gemeldet. 223 von ihnen sind mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer geimpft worden, zehn mit dem Mittel von Moderna und 25 mit jenem von AstraZeneca. Rund 2,3 Millionen Menschen galten in Österreich zum Zeitpunkt der Meldungen als vollimmunisiert. Der Anteil der deutlich ansteckenderen Delta-Variante, die mittlerweile österreichweit überhandgenommen hat, lag damals bei rund einem Drittel, in den Wochen zuvor war er noch deutlich geringer. Für heute, Mittwoch, kündigt das BASG neue Zahlen zu Impfreaktionen und Impfdurchbrüchen an.

Doch wird Delta in Zukunft auch in Vorarlberg zu einer Zunahme der Fälle unter den vollständig Geimpften führen? „Wir hoffen es nicht. Derzeit stellen wir es jedenfalls nicht fest“, sagt der Landessanitätsdirektor. Erhebe man den Impfstatus jener Personen, die sich in den letzten Tagen infiziert haben, zeige sich, dass sie entweder nur einmal oder gar nicht geimpft seien. Ob sich die Frischinfizierten mit der Delta-Variante angesteckt haben, sei indes noch unklar, da die Sequenzierungen ausstünden.

Inwieweit die Delta-Variante den Impfschutz einschränke – dazu gebe es derzeit verschiedene Studien, berichtet Grabher. Optimisten gingen von einem gleichbleibenden Schutz aus, Pessimisten zehn bis zwanzig Prozent weniger. Für klare Aussagen lägen aber noch nicht genug Daten vor.

Nicht dramatisch

Die Zahl der Impfdurchbrüche sorgt Grabher zufolge derzeit nicht für Beunruhigung. „Keine Impfung schützt zu hundert Prozent.“ Das sei zu erwarten gewesen und 49 Durchbrüche bei aktuell rund 186.000 vollständig geimpften Personen in Vorarlberg ein wenig dramatischer Wert. Der Landessanitätsdirektor appelliert vielmehr an die Impfmoral: „Die Delta-Variante ist ein weiterer Hinweis darauf, dass sich die Menschen impfen lassen sollten. Sie stellt bei einer vollständigen Impfung keine allzu große Gefahr dar.“

Magdalena Raos, Birgit Entner-Gerhold