Gülen ohne Frömmlermaske

Politik / 18.07.2021 • 22:37 Uhr / 2 Minuten Lesezeit
Vor fünf Jahren versuchten abtrünnige Teile des Militärs, gegen den türkischen Präsidenten Erdogan zu putschen. Der Versuch misslang. AFP
Vor fünf Jahren versuchten abtrünnige Teile des Militärs, gegen den türkischen Präsidenten Erdogan zu putschen. Der Versuch misslang. AFP

Rivale Erdogans wagte durchtriebenes Spiel.

Ankara Fünf Jahre sind in der Türkei seit dem versuchten Putsch gegen Präsident Recep Tayyip Erdogan vergangen. In der Nacht vom 15. auf den 16. Juli 2016 fuhren in Istanbul und Ankara Panzer auf, Kampfflugzeuge flogen über die Städte. Der Putsch scheiterte. Noch immer werden Hintermänner ausgeforscht, Tausende sind bereits abgeurteilt. Zehntausende Militärs, Polizisten und Staatsangestellte wurden entlassen. Ihr Verbrechen: die Zugehörigkeit zur Hizmet-Bewegung des Koranpredigers Fethullah Gülen, genannt Hodscha Effendi. Mit ihm hatte Erdogan durch Jahre eng kooperiert, bis er ihn für den Staatsstreich verantwortlich machte. Zuverlässige Erkenntnisse haben auf sich warten lassen. Jetzt beweisen neue Unterlagen, dass Gülen die von Atatürk europäisierte Türkei durch ein äußerlich modernes, doch zutiefst islamisches Regime ersetzen wollte. Sein erster Griff galt dem Bildungswesen, um anstelle der Kemalisten eine „goldene“ Muslimgeneration heranzuziehen. Zunächst schien er damit ein Verbündeter für den Osmanen-Nostalgiker Erdogan zu sein. Dann wurden seine „Gülenciler“ zu mächtig. Sie zettelten Schauprozesse gegen säkular gesinnte Generäle an, ersetzten sie durch Vertraute. Als im Sommer 2016 mit dem jährlichen Wechsel im Oberkommando eine Entmachtung der Kader Gülens bevorstand, holte dieser zum Schlag gegen Erdogan aus. Das misslang, doch ist es Gülen gelungen, die Rolle seiner Anhänger zu verschleiern: Im Ausland gelten sie weiter als kulturell und sozial beflissene, friedliche Muslim-Gruppierung. Nun fällt die Maske. GSTRE