Fidler: “Niemand weiß, was das Virus noch in petto hat”

Politik / 29.07.2021 • 05:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Fidler: "Niemand weiß, was das Virus noch in petto hat"
„Wir hatten Glück, dass die Impfung bisher gut auf die Varianten angesprochen hat”, sagt Armin Fidler.

Experte sieht Prinzip der Eigenverantwortung falsch strapaziert.

Schwarzach Eine generelle Impfpflicht wird es nicht geben. Das empfiehlt weder die Landes- noch die Bundespolitik, ebenso nicht Experten wie Armin Fidler. Im Krankenhaus, im Pflegebereich, aber auch für Pädagogen in Schulen und Kindergarten wäre sie hingegen sinnvoll, meint der Mediziner. Die Erfahrungen im Leiblachtal hätten gezeigt, was das Virus auslösen könne, wenn es durch eine erwachsene Person in den Kindergarten getragen werde. Der Aussage von Kanzler Sebastian Kurz (ÖVP), wonach die Coronakrise langsam zur Privatangelegenheit mutiere, widerspricht der Experte im Studio von Vorarlberg Live. Die Pandemie bleibe beides, eine individuelle und gesellschaftliche Herausforderung. Das Prinzip der Eigenverantwortung werde in gewissen Bereichen, etwa bei der Impfpflicht für Lehrer, falsch strapaziert. Es brauche gewisse Regeln zum Schutz der Gesellschaft. Fidler nennt als Beispiel den Straßenverkehr: Dort toleriere man auch nicht, wenn jemand nach fünf Bier mit dem Auto fahre. 

Länder entscheiden

Der Bund schiebt die Entscheidung über eine Impfpflicht aktuell den Ländern zu. So bestätigte die Krankenhausbetriebsgesellschaft erst vergangene Woche, dass ab 1. September in den Landeskrankenhäusern und im Krankenhaus Dornbirn nur neu eingestellt werde, wer gegen das Coronavirus geimpft worden ist. Bei bestehendem Personal seien Versetzungen in andere Abteilungen möglich, sollten Ungeimpfte noch in hochsensiblen Bereichen tätig sein. Im Bereich der KHBG liegt die Impfquote derzeit bei 85 Prozent.

Wie die VN berichteten, gibt es auch für den Pflege- und Sozialbereich eine ausdrückliche Empfehlung des Landes und des Gemeindeverbandes, nur noch Geimpfte neu einzustellen. Bei Pädagogen ist die Landesregierung zurückhaltender. Im Bildungsressort schätzt man, dass bereits 75 Prozent der Lehrerinnen und Lehrer geimpft sind. Der oberste Lehrergewerkschafter Paul Kimberger will anstelle einer Impfpflicht auf Überzeugung und Motivation setzen.

Mehrheit für Impfpflicht

Laut einer Gallup-Umfrage ist die Mehrheit der Österreicher für eine Impfpflicht im Gesundheits- und Pflegebereich. 59 Prozent befürworten sie, 38 Prozent lehnen sie ab. Für eine generelle Impfpflicht sind nur 24 Prozent, 70 Prozent klar dagegen. Die Impfbereitschaft stagniert laut Gallup bei 74 Prozent.

Das wäre laut Fidler zu wenig für eine Herdenimmunität. Aufgrund der Deltavariante bräuchte es eine Quote jenseits der 80 Prozent. “Das werden wir auf die herkömmliche Art und Weise nicht mehr schaffen”, erklärt der Experte. “Wir hatten Glück, dass die Impfung bisher gut auf die Varianten angesprochen hat. Aber niemand weiß, was das Virus noch in petto hat.”

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