Lehrermangel: Förderstunden blieben liegen

Politik / 30.07.2021 • 05:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lehrermangel: Förderstunden blieben liegen
Für die Zusatzförderstunden plante Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) 117 Millionen Euro ein, 41 Millionen sind liegengeblieben. APA

Bildungsressort bot Extrastunden an: In manchen Schulen fehlten dafür aber die Lehrer.

Wien Überlastung, Personalmangel und Überstunden gehören für Lehrerinnen und Lehrer mittlerweile zum Alltag. Eine Pensionswelle rollt an, es gibt Schwierigkeiten, Pädagogen für die Sommerschule zu finden, und auch bei den Extraförderstunden fehlte es an Personal.

Das Bildungsministerium stellte im vergangenen Semester pro Klasse zwei zusätzliche Stunden zur Verfügung, um mit den Schülern Rückstände aufzuarbeiten, die aufgrund der Pandemie entstanden sind. Während die Abschlussklassen fast alle Förderstunden nutzten, waren es in den anderen Schulstufen zwei Drittel, wie das Bildungsministerium bestätigt. „In Vorarlberg waren es weniger“, sagt Andreas Kappaurer, pädagogischer Leiter in der Bildungsdirektion. Hier liege man zwischen 50 und 60 Prozent.

Mehr Stunden pro Klasse

Die Coronapandemie zwang die Schüler zweitweise in den Fernunterricht oder in den Schichtbetrieb. Viele forderte dies besonders. Das Bildungsministerium bot daher besagte Wochenstunden an, ab Jänner für Matura- und Abschlussklassen, ab März für alle Klassen.

In Vorarlberg wurde dieses Angebot nicht vollständig genutzt, da manche Schulen keinen Bedarf angemeldet haben. „Dort hieß es, dass im Distance Learning gut gearbeitet wurde und die Schüler auf einem guten Stand sind“, sagt Kappaurer. Auch der Schichtbetrieb habe mitgespielt, heißt es im Bildungsressort. In der Bildungsdirektion wird hingegen vor allem von der Überlastung der Lehrer berichtet. Es sei auch nicht möglich gewesen, neue Pädagogen anzustellen, „weil es sie einfach nicht gibt“, sagt Kappaurer. In vielen Fällen hätte man dem bestehenden Personal mitten im Jahr nicht weitere Überstunden aufbürden können. Sie leisteten bereits viele.

Das zeigt die Statistik des Schuljahres 2019/20. Lehrerinnen und Lehrer in Österreich machten 4,8 Millionen bezahlte Überstunden, für die Kosten von 279 Millionen Euro entstanden. Davon entfielen fast 417.000 Stunden um 21,8 Millionen Euro auf Vorarlberg.

41 Millionen blieben liegen

Für die Zusatzförderstunden plante Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) 117 Millionen Euro ein, 41 Millionen sind liegengeblieben. Abseits der Abschlussklassen hätten die höheren Schulstufen eher weniger Bedarf gezeigt, berichtet Kappaurer. Nutzten Schulen die Förderstunden, hätten sie diese vorwiegend in zusätzlichen Unterricht investiert, in dem Schüler Verpasstes aufholen konnten. „Einige haben spezielle Förderprogramme für Schüler mit Defiziten im Deutschunterricht eingerichtet.“ Das Bildungsministerium überließ den Schulen, wie sie die Stunden einsetzen.

Programm läuft weiter

Im kommenden Schuljahr läuft das Programm weiter, allerdings in leicht abgespeckter Form, wie Faßmann erklärt. Für die Volksschulen wird es weiterhin zwei Extrastunden geben, für alle anderen senkt das Ministerium das Angebot auf 1,5 Wochenstunden. „Ich hoffe, dass die Abrufquote höher wird“, sagt Kappaurer. Der große Vorteil sei, dass die Stunden nicht mehr mitten im Schuljahr kämen, sondern die Direktoren von Beginn an planen und verteilen können.

Überstunden in Vorarlberg

Im Schuljahr 2019/20 leisteten die Vorarlberger Pflichtschullehrerinnen und -lehrer 312.254 Überstunden. In absoluten Zahlen schafften nur die Niederösterreicher mehr. Der Vorarlberger Anteil aller an österreichischen Pflichtschulen geleisteten Überstunden liegt somit bei 15 Prozent. In den Volksschulen alleine liegt er sogar bei 22 Prozent – das sind 87.888 Stunden. An den höheren Schulen ist der Vorarlberger Anteil mit vier Prozent (105.000 Überstunden) geringer. Bei den Mehrdienstleistungen für die Sommerschule entfielen rund zehn Prozent auf das Land. Im Zuge dessen verrichteten die Lehrer über 3800 weitere Stunden, österreichweit waren es 40.000.