Der Staat schwimmt in Lohnsteuer

Politik / 22.08.2021 • 14:05 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Der Staat schwimmt in Lohnsteuer
APAWird es eine spürbare Entlastung für die Österreicher geben?

Im ersten Halbjahr war das Aufkommen mit 14,3 Milliarden Euro so groß wie noch nie.

WIEN Bei der Lohnsteuerentwicklung macht sich die Coronakrise kaum bemerkbar. Im ersten Halbjahr 2020 war das Aufkommen mit 13,5 Milliarden Euro gleich groß wie 2019. Heuer ist es mit 14,3 Milliarden Euro nicht nur viel größer gewesen als damals, sondern überhaupt so groß wie noch nie in den ersten sechs Monaten eines Jahres. Das sollte Folgen haben, meint Franz Schellhorn, Chef der wirtschaftsliberalen Denkfabrik „Agenda Austria“, und fordert eine spürbare Entlastung im kommenden Jahr.

„Man sollte aufhören, mit Einnahmen, die man nicht haben sollte, Löcher zu stopfen.“

Franz Schellhorn, Agenda Austria

Das üppige Aufkommen überrascht im Finanzministerium niemanden. In einem Vollzugsbericht heißt es, die „starke Entwicklung“ sei „insbesondere auf die bessere ökonomische Situation im Zuge der Öffnungsschritte und die damit in Verbindung stehende bessere Beschäftigungslage zurückzuführen“. Sie werde zudem durch Nachzahlungen verstärkt.

Was tun mit dem vielen Geld? Möglichkeit eins: Verwenden, um Schulden abzubauen, die zuletzt entstanden sind. Möglichkeit zwei: Steuerzahlern zurückgeben. Franz Schellhorn spricht sich für Möglichkeit zwei aus: „Man sollte aufhören, mit Einnahmen, die man nicht haben sollte, Löcher zu stopfen“, spielt er auf einen wesentlichen Grund für die Zunahme des Steueraufkommens an, der verschwiegen wird: die kalte Progression.

Der Staat schwimmt in Lohnsteuer

Weil Tarifstufen und Absetzbeträge nicht regelmäßig an die Inflation angepasst werden, kommt schon dann mehr Steuer zusammen, wenn die Löhne auch nur brutto wertgesichert werden. „Jeder Prozentpunkt Inflation bringt 250 Millionen Euro. Seit der Steuerreform 2016 sind so schon 2,5 Milliarden Euro zusammengekommen“, erklärt Schellhorn.

Schweden als Vorbild

Im Hinblick auf die Steuerreform 2022, die zu einer Ökologisierung führen soll, drängt er die Regierung zu einer ambitionierteren Entlastung sowie in weiterer Folge auch zu einer „Ausgabenbremse“, um nötige Spielräume zu schaffen: Eine Lohnsteuerreduktion um 2,5 Milliarden Euro wäre zu wenig. Damit würde den Österreichern nur das zurückgegeben werden, was ihnen über die kalte Progression genommen worden sei. Es müsse viel mehr geben, wobei Schellhorn empfiehlt, sich am „Hochsteuerland Schweden“ zu orientieren: Bei Arbeitskosten müsste der Anteil der Steuern und Abgaben demnach von 47,3 auf 42,7 Prozent gesenkt werden. Beim Durchschnittsverdiener würde das netto immerhin 240 Euro pro Monat bringen.

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