Mehr Intensivpatienten: Debatte über weitere Verschärfungen

Politik / 11.09.2021 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
 "Wir brauchen Geimpfte und nicht Getestete", sagt Mückstein. <span class="copyright">APA</span>
"Wir brauchen Geimpfte und nicht Getestete", sagt Mückstein. APA

Mückstein schließt Ende für Gratistests und 2G-Regel für die Gastronomie nicht aus.

Wien Noch bevor die angekündigten Verschärfungen in Kraft sind, wird bereits über weitere Maßnahmen diskutiert. So erklärt Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Freitag, ein Aus von Gratis-Tests für möglich zu halten. Dies könnte ein Anreiz für Ungeimpfte sein, sich doch noch immunisieren zu lassen, erklärte er bei ATV Aktuell: „Wir brauchen Geimpfte und nicht Getestete.” Sollte sich die Lage weiter zuspitzen will Mückstein außerdem nicht ausschließen, Ungeimpften den Zutritt zur regulären Gastronomie zu verwehren, wie er in einem Interview mit der „Kleinen Zeitung“ sagt.

Strengere Regeln ab Mittwoch

Erst am Mittwoch präsentierte die Bundesregierung einen Stufenplan, der sich nach den vorhandenen Intensivkapazitäten richten wird. Sind mehr als zehn Prozent der Intensivbetten mit Covid19-Patienten belegt, treten die Vorschriften der Stufe 1 in Kraft. Dies wird bereits kommende Woche der Fall sein. So kehrt ab Mittwoch die FFP2-Maskenpflicht in Supermärkten, Banken und Co. zurück. Im Handel (Mode, Sport, etc.) müssen lediglich Ungeimpfte eine Maske tragen. Die Gültigkeit von Antigentests wird ab 15. September von 48 auf 24 Stunden reduziert. Verschärft sich die Lage weiter, werden Wohnzimmertests abgeschafft. Das geschieht, wenn mehr als 15 Prozent der Intensivbetten mit Covid-Patienten belegt sind. Dann hätten auch lediglich Geimpfte und Genesene Zutritt zur Nachtgastronomie und zu Veranstaltungen ohne zugewiesene Sitzplätze. Sind die Intensivstationen zu mehr als 20 Prozent mit Covid19-Patienten ausgelastet, gelten nur noch PCR-Tests.

Experten gehen weiter von einer deutlichen Zunahme der Covid19-Intensivpatienten aus. Von aktuell knapp neun Prozent würde die Belegung bis 22. September auf knapp 14 Prozent steigen. In Wien und Oberösterreich könnte sie sogar die systemkritische Grenze von über einem Drittel erreichen. Die Zahl der Patienten auf der Normalstation steigt laut Prognosen von aktuell 456 auf 724. In Vorarlberg befinden sich aktuell 20 Coronapatienten im Spital, acht davon auf der Intensivstation.

„Falscher Bremszeitpunkt“

Komplexitätsforscher erklären, dass der der Blick auf die Intensivstationen zwar richtig gedacht sei. Die Bundesregierung habe allerdings den falschen Bremszeitpunkt gewählt. Die Maßnahmen kämen nie zeitgerecht, meint Stefan Thurner, Leiter des Complexity Science Hub Vienna und zieht den Vergleich mit einem Auto, das auf eine Wand zufährt. Dass die Verschärfungen in Stufe zwei und drei erst sieben Tage nach dem Überschreiten der Intensivbettenbelegung von 15 oder 20 Prozent gelten sollen, sei zu langsam. In einer Woche könnten sich die Zahlen so stark erhöhen, “dass wir an der Wand dran sind“. Peter Klimek fühlt sich an eine Sturmwarnung erinnert: “Wenn ich bei 200 Stundenkilometern sage: ‘Fahrt ins Landeinnere dem Hurrikan davon’, ist das zu spät.”

Weniger reisebezogene Infektionen

Die meisten Neuinfektionen sind laut Daten der AGES auf den privaten Haushalt zurückzuführen. Der Anteil der reiseassoziierten Fälle ging deutlich zurück – von rund einem Drittel in den vergangenen Wochen auf aktuell 15 Prozent. 13,3 Prozent der Neuinfektionen sind auf Freizeitaktivitäten, fünf Prozent auf den Arbeitsplatz und rund drei Prozent auf die Hotellerie/Gastronomie zurückzuführen. Das Durchschnittsalter der Neuinfizierten liegt bei 33,4 Jahren, wie die Ampelkommission in ihrem aktuellen Bericht erklärt. Die Gruppe der 15- bis 24-Jährigen verzeichnet mit 250 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner derzeit die höchste Inzidenz. Österreichweit liegt sie aktuell bei 151. Vorarlberg steht bei einem Wert von 112, Wien bereits bei über 200. Die Tendenz ist weiter steigend, wie die Coronakomission erklärt. „Die epidemiologischen Phänomene durch Durchmischung der Kontaktnetzwerke nach den Sommermonaten (Schule, Arbeitsplatz, Reiserückkehrer, etc.) werden sich erst in den nächsten Wochen verstärkend auf das Fallgeschehen auswirken.“

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.