AK liefert Zündstoff für Debatte um Wahlärzte

Politik / 05.11.2021 • 19:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
AK liefert Zündstoff für Debatte um Wahlärzte
Honorare von Wahlärzten sind Schwerpunktthema einer von der AK-Vorarlberg in Auftrag gegebenen Umfrage. VN


In repräsentativer AK-Umfrage spricht sich große Mehrheit für Honorarobergrenze bei Wahlärzten aus.

Schwarzach Das heimische Gesundheitswesen fußt im Bereich der niedergelassenen Ärzte auf Verträgen zwischen Krankenkassen und Medizinern. Diese stehen den Patienten dann für Leistungen kostenlos zur Verfügung und erhalten ihr Honorar direkt von den Kassen. Das gilt jedoch nicht für Wahl- oder Privatärzte. Ohne Kassenvertrag können sie bei ihren Patienten nach freiem Ermessen ihre erbrachten Leistungen in Rechnung stellen. Dass ihr Einkommen damit deutlich über jenem der immer noch gutverdienenden Kassenärzte liegt, führt dazu, dass es landesweit immer schwerer wird, offene Kassenstellen zu besetzen.

"Wahlärzte können bei ihrem Honorar derzeit von ihren Patienten verlangen, was sie wollen", betont AK-Direktor Rainer Keckeis.
"Wahlärzte können bei ihrem Honorar derzeit von ihren Patienten verlangen, was sie wollen", betont AK-Direktor Rainer Keckeis.

Steuerzahler finanzieren Ärzteausbildung

Dieser ungleiche Wettbewerb führt inzwischen auch in der der Bevölkerung zu heftigem Unmut, wie eine aktuelle und repräsentative Umfrage der Arbeiterkammer Vorarlberg zeigt. Laut AK-Direktor Rainer Keckeis sind 77 Prozent der befragten Arbeitnehmer der Meinung, dass es auch bei Wahlärzten eine gesetzliche Obergrenze bei der Kostenerstattung geben soll, ähnlich wie bei Notaren oder Rechtsanwälten. „Den überwiegenden Teil der insgesamt 403 Befragten (71 Prozent) stößt überdies sauer auf, dass Wahlärzte keine Verpflichtung für Wochenend- und Bereitschaftsdienste eingehen müssen“, sagt Keckeis. Nachdem so gut wie alle Wahlärzte eine vom Steuerzahler finanzierte Ausbildung erhalten haben, wäre es nach der Ansicht von 72 Prozent der Befragten auch angebracht, dass diese verpflichtet werden können, eine gewisse Zeit im öffentlichen Gesundheitswesen für die Patienten in Österreich tätig zu werden.

Aushöhlung des Gesundheitswesens?

Angesichts dieses eindeutigen Meinungsbildes fordert die AK von der Gesundheitskasse Gespräche über eine stärkere Einbindung der Wahlärzte ins öffentliche Gesundheitssystem. Vor allem in Bereichen, in denen Kassenstellen nicht besetzt werden können, sollten Wahlärzte zu einer Mitarbeit im Kassensystem bewegt werden können. Sollten Verhandlungen ergebnislos bleiben, ist der Gesetzgeber am Zug. Keckeis: „Wahlärzte erbringen wertvolle medizinische Leistungen. Wenn das allerdings dazu führt, dass das bewährte öffentliche Gesundheitswesen ausgehöhlt wird, muss reagiert werden. Wir wollen jedenfalls nicht, dass der Trend zur Zwei-Klassen-Medizin in Österreich noch weiter geht.“

"Mit den in der AK-Studie aufgezeigten Privilegien kann ein öffentliches Gesundheitssystem niemals mithalten", sagt Manfred Brunner als ÖGK-Landesvorsitzender.
"Mit den in der AK-Studie aufgezeigten Privilegien kann ein öffentliches Gesundheitssystem niemals mithalten", sagt Manfred Brunner als ÖGK-Landesvorsitzender.

Gesetzlich verwurzelte Bevorzugung

Manfred Brunner, ÖGK-Landesvorsitzender schlägt in dieselbe Kerbe: „Die im System verwurzelte Bevorzugung der Wahlärzte ist durch nichts zu rechtfertigen. Die derzeitige Situation führt dazu, dass sich angehende Mediziner immer für den Wahlarztstatus statt für das öffentliche Gesundheitssystem als Kassen- oder Spitalsarzt entscheiden. Für die Meschen ist das ungünstig, weil Vertragsärzte auf Aufgaben sitzen bleiben, die für ein gut funktionierendes Gesundheitssystem unabdingbar sind.“ Mit den in der AK-Umfrage aufgezeigten Privilegien von Wahlärzten kann ein öffentliches Gesundheitssystem aber niemals mithalten, das wäre einerseits unfinanzierbar und andererseits schlecht für die Versorgung der Menschen. Deshalb braucht eine Chancengleichheit, die nur der Gesetzgeber herstellen kann.“

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