Rätselraten um Omikron: Deshalb gibt es viele Sorgen und etwas Zuversicht

Politik / 06.12.2021 • 11:45 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
In Orange Farm, Südafrika, wird eine Frau gegen Corona geimpft. Noch gibt es viel Ungewissheit rund um die neue, dort grassierende, Virusvariante. <span class="copyright">AP</span>
In Orange Farm, Südafrika, wird eine Frau gegen Corona geimpft. Noch gibt es viel Ungewissheit rund um die neue, dort grassierende, Virusvariante. AP

Was über die neue Coronavirus-Variante bisher bekannt ist.

BREGENZ Es war eine Hiobsbotschaft mitten in der vierten Corona-Welle. Nachdem Südafrika von der neu entdeckten Virusvariante B.1.1.529 berichtete, dauerte es nicht lange, bis sie von der Weltgesundheitsorganisation WHO als „besorgniserregend“ eingestuft wurde. Fortan hieß sie Omikron. Mehrere Staaten verhängten Reisebeschränkungen gegen die Länder des südlichen Afrikas, darunter Österreich. Andere schotteten sich komplett ab. Noch ergeben sich mit Blick auf die neue Variante aber viele Fragezeichen.

Noch nicht viele Erkenntnisse zur tatsächlichen Gefahr

Welche genauen Auswirkungen die Mutante hat, steht noch nicht fest. Im Vergleich zum bisher gängigen Coronavirus weist Omikron aber 32 Mutationen aus, so dass eine höhere Übertragbarkeit befürchtet wird. Unklar ist auch, wie gut die Impfung gegen die neue Variante schützt. Nach Einschätzungen des US-Experten Anthony Fauci deuten erste Erkenntnisse nicht auf schwere Krankheitsverläufe hin. „Bis jetzt sind die Signale etwas ermutigend“, sagte Fauci zuletzt zu CNN. Omikron habe aber einen Übertragungsvorteil und breite sich in Südafrika schnell aus. Nach Einschätzung des Vorarlberger Gesundheitsexperte Armin Fidler gibt es noch zu wenige Fälle für eine verlässliche Prognose. Er verweist aber auf eine wissenschaftliche Publikation, in der argumentiert wird, dass die Basisreproduktionszahl von derzeit sieben mit Delta möglicherweise auf 15 bei Omikron steigen könnte. „Das würde heißen, dass wir eine Immunität in der Bevölkerung, entweder durch Impfung oder Genesung, von 93 Prozent, brauchen. Bei der derzeit dominierenden Delta-Variante sind es 85 Prozent. Das hat noch kein Land erreicht.“ Selbst wenn es nicht mehr schwere Fälle gebe, würde der Druck auf die Krankenhäuser steigen – einfach weil sich viel mehr Menschen infizieren.

Der US-Experte Anthony Fauci erklärte, dass erste Erkenntnisse nicht auf schwere Verläufe hinweisen. <span class="copyright">Reuters</span>
Der US-Experte Anthony Fauci erklärte, dass erste Erkenntnisse nicht auf schwere Verläufe hinweisen. Reuters

Kritik an Reiseverboten

Die WHO steht allgemeinen Reiseverboten kritisch gegenüber. Diese könnten die Ausbreitung von Omikron nicht verhindern, sondern vielmehr dazu beitragen, dass Staaten künftig nicht mehr bereit sein könnten, Gesundheitsdaten zu neu auftretenden Varianten zu übermitteln, argumentiert sie. Tatsächlich ist auch noch nicht geklärt, wo der eigentliche Ursprung von Omikron liegt. In immer mehr Ländern werden Fälle gemeldet, neben Österreich unter anderem auch in Deutschland, der Schweiz, Belgien, Niederlanden, Portugal, Israel, Saudi-Arabien, USA, Brasilien und vielen weiteren. In Vorarlberg ist noch kein Omikron-Fall bekannt. Der Berner Virologin Emma Hodcroft zufolge dürfte Omikron schon um die Welt gereist sein, bevor es entdeckt worden ist.

Der Vorarlberger Mediziner Armin Fidler betont: "Wir fangen nicht bei null an."
Der Vorarlberger Mediziner Armin Fidler betont: "Wir fangen nicht bei null an."

Anpassungen der Vakzine

Es ist nicht endgültig geklärt, inwieweit Omikron den Impfschutz mindert. Biontech-Chef Ugur Sahin zeigte sich zuletzt aber zuversichtlich, dass die Impfstoffe auch bei Omikron vor schweren Krankheitsverläufen schützen werden. Der Mainzer Impfstoffhersteller arbeitet neben laufenden Labortests zur Untersuchung der neuen Variante auch an der Entwicklung eines angepassten Vakzins – vorbeugend, falls dies notwendig sein werde. Auch wenn Anpassungen nötig sind, warnt Gesundheitsexperte Fidler vor übertriebenem Pessimismus. „Wir fangen nicht bei null an.“ Zudem sei es auch nicht gesagt, dass sich Omikron gegen Delta durchsetzen kann. In diesem Zusammenhang erinnert er an die Beta-Variante, die auch in Tirol zirkulierte, nun aber kein Thema mehr ist. „Es kommt immer darauf an, wie groß der Selektionsvorteil ist.“ Was neue gefährliche Varianten angeht, spricht der Mediziner von einem globalen Problem. „Je schneller wir weltweit impfen, desto eher können wir einen hohen Schutz aufbauen.“

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