Dutzende Tote nach ­Unruhen in Kasachstan

Politik / 09.01.2022 • 22:32 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Ein Fahrzeug des Militärs brannte während der Zusammenstöße in Kasachstan aus. 164 Menschen wurden laut offiziellen Angaben getötet.AP
Ein Fahrzeug des Militärs brannte während der Zusammenstöße in Kasachstan aus. 164 Menschen wurden laut offiziellen Angaben getötet.AP

Unzufriedenheit befeuerte Proteste. Präsident erteilte Schießbefehl.

Nur-Sultan Bei den Unruhen in Kasachstan wurden laut Gesundheitsministerium 164 Menschen getötet. Aus den am Sonntag vom staatlichen Sender Chabar 24 verbreiteten Zahlen ging nicht hervor, ob es sich dabei ausschließlich um Zivilisten oder auch um Einsatzkräfte handelt. Die meisten Toten, nämlich 103, gab es laut Ministerium in der größten Stadt Almaty. Die kasachische Ombudsfrau für Kinderrechte erklärte, unter den Toten seien drei Minderjährige, darunter ein vierjähriges Mädchen, gewesen.

„Ordnung wiederhergestellt“

Nach der Erhöhung von Treibstoffpreisen kam es in der ehemaligen Sowjetrepublik Kasachstan seit Anfang Januar zu teils gewalttätigen Ausschreitungen. Die Proteste begannen im Westen des Landes, griffen aber bald auf Almaty über, wo Demonstranten Regierungsgebäude stürmten und anzündeten. Eine von Russland geführte Militärallianz schickte auf Bitte von Präsident Kassym-Schomart Tokajew Truppen in das zentralasiatische Land.

Das Büro von Tokajew gab die Zahl der Festgenommenen mit etwa 5800 an. Die Ordnung im Land sei wiederhergestellt. Die Behörden hätten auch die Kontrolle über Verwaltungsgebäude wiedererlangt, die Demonstranten besetzt hatten. Der gestürmte Flughafen von Almaty war noch geschlossen, sollte am Montag wieder öffnen.

Tokajew sieht „Terroristen“ mit ausländischer Unterstützung hinter den Demonstrationen. Es sei eine beträchtliche Zahl ausländischer Staatsbürger unter den Festgenommenen. Eine klare Führungs- oder Organisationsstruktur weisen die Proteste aber nicht auf. Beobachter sehen vielmehr Hinweise auf eine tiefere Unzufriedenheit mit den politischen Verhältnissen, die die Proteste befeuert haben dürfte. Oppositionelle Stimmen wurden unterdrückt, ausgegrenzt oder von der Machtelite vereinnahmt. Es herrscht finanzielle Not trotz der enormen Öl-, Erdgas- und Uranreserven.

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