“Versuch eines Staatsstreichs”

Politik / 10.01.2022 • 22:28 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Präsident Kassym-Schomart Tokajew.
Präsident Kassym-Schomart Tokajew.

Schwere Unruhen in Kasachstan: Präsident spricht von Machtergreifung.

Nur-Sultan Die schweren Ausschreitungen mit vielen Toten in Kasachstan sind nach Darstellung des Präsidenten Kassym-Schomart Tokajew weitgehend beendet. “In Kasachstan ist die vollständige Ordnung wiederhergestellt”, sagte der Staatschef am Montag. Ziel der Ausschreitungen in der Ex-Sowjetrepublik sei eine Machtergreifung gewesen. “Dies ist der Versuch eines Staatsstreichs”, erläuterte Tokajew, ohne zunächst zu sagen, wen er dafür verantwortlich hält. Er sprach von der schwersten Krise seit der Unabhängigkeit des Landes vor 30 Jahren. Nach Angaben des Innenministeriums des autoritär geführten Landes wurden seit Beginn der Unruhen vor mehr als einer Woche mindestens 7939 Menschen in Gewahrsam genommen. Allein in der von den Unruhen besonders betroffenen Millionenstadt Almaty im Südosten des Landes seien auf zwei Märkten 207 Personen festgenommen worden. Jüngsten Angaben zufolge gab es mehr als 2000 Verletzte. Der sogenannte Anti-Terror-Einsatz werde bald abgeschlossen, so Tokajew.

Das öl- und gasreiche Kasachstan grenzt etwa an Russland und China. Tagelang war die Lage in dem Land unklar, auch weil kaum unabhängige Informationen ins Ausland drangen. Der Unmut über gestiegene Preise an den Tankstellen war in Proteste gegen die Staatsführung umgeschlagen. Tokajew hatte daraufhin die Regierung entlassen. Neben friedlichen Demonstrationen kam es auch zu gewaltsamen Ausschreitungen. Noch völlig unklar ist, wer dahinter steckt. Russlands Präsident Wladimir Putin meinte bei einer Sitzung des von Moskau dominierten Militärbündnisses OVKS, die Lage sei nicht durch spontane Protestaktionen wegen der Treibstoffpreise verursacht worden, “sondern dadurch, dass zerstörerische Kräfte von außen die Situation ausgenutzt haben”. Das Nachbarland sei Ziel einer “Aggression des internationalen Terrorismus”. Tokajew hatte die Organisation des Vertrags über kollektive Sicherheit (OVKS) um Hilfe gebeten, die laut kasachischen Angaben mehr als 2000 Soldaten nach Kasachstan geschickt hat.

Nach den Unruhen das große Aufräumen.

Nach den Unruhen das große Aufräumen.

Das Verwaltungsgebäude in Kasachstans größter Stadt Almaty stand in Flammen.  AFP
Das Verwaltungsgebäude in Kasachstans größter Stadt Almaty stand in Flammen.  AFP

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