Personalmangel: So viele Menschen warten derzeit auf einen Pflegeheimplatz

Politik / 12.01.2022 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Personalmangel: So viele Menschen warten derzeit auf einen Pflegeheimplatz
Die Sozialdienste Götzis betreiben in Koblach und Götzis Häuser der Generationen, ihnen fehlt aber Personal. Daher reduzieren sie ihre Bettenzahl von 69 auf 54. Sozialdienste Götzis GmbH

In Götzis gibt es künftig 15 Pflegeheimplätze weniger. In Vorarlberg sind 100 Betten wegen Personalmangel leer. Bis zu 120 Pflegekräfte fehlen im Land.

Götzis, Schwarzach Götzis verliert 15 Pflegeheimbetten. Das Personal fehlt, teilt Achim Steinhauser, Geschäftsführer der Häuser der Generationen, am Mittwoch mit. Ein Wohnbereich muss daher geschlossen werden. Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker kann die Entscheidung nachvollziehen. Die Situation sei landesweit sehr angespannt, berichtet sie den VN.

Derzeit könnten 100 der insgesamt 2400 Betten in Vorarlberg aufgrund fehlenden Personals nicht belegt werden. Das sind um rund zehn Prozent mehr als noch im Herbst. Auch der Personalbedarf steigt, wie die Landesrätin berichtet. Meldeten die Pflegeheime Ende Oktober, dass rund 60 Pflegekräfte fehlen würden, ist diese Zahl mittlerweile deutlich gestiegen. Eine Studie der Gesundheit Österreich GmbH habe ergeben, dass im stationären Bereich 120 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fehlen. „Es wird irgendwo dazwischen liegen“, meint Wiesflecker.

Der Personalmangel ziehe sich über alle Berufsgruppen in der stationären Pflege hinweg. Hauptsächlich beträfe es aber die diplomierten Pflegekräfte, aber auch die Pflege- und Fachassistenz. Einen leichten Überhang verzeichnet die Soziallandesrätin bei den Sozialbetreuungsberufen. Die Situation habe sich in den vergangenen 2,5 Monaten deutlich verschärft, wie auch die Entscheidung in Götzis zeige.

Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker spricht von einer schwierigen Situation. <span class="copyright">VOL</span>
Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker spricht von einer schwierigen Situation. VOL

„Die Maßnahme bringt die dringend erforderliche Entlastung für das Personal und sichert die Pflege- und Betreuungsqualität für die Bewohnerinnen und Bewohner“, heißt es in der Aussendung zur Schließung eines Wohnbereichs im Haus der Generationen. Mit den bisher 69 Pflegebetten wären allein in Götzis rund ein Dutzend Vollzeit-MitarbeiterInnen zusätzlich nötig gewesen. Nun reduziert sich deren Zahl auf 54. Laut dem Götzner Bürgermeister Christian Loacker war das ein notwendiger Schritt. Achim Steinhauser, Geschäftsführer der Häuser der Generationen, ergänzt: „Angesichts der Situation am Arbeitsmarkt ist es praktisch aussichtslos, so viele neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden.”

Wiesflecker betont, dass es sich Götzis sicher nicht leicht gemacht habe. Sie spricht von einer verantwortungsvollen Entscheidung, um das bestehende Personal zu schützen und die Pflegequalität hochzuhalten. „Wir wissen aber auch, dass viele auf einen Pflegeheimplatz warten.“ Ende Oktober waren es rund 180, mittlerweile sind es 200 Menschen. „Sie brauchen jetzt Geduld.“ Im Herbst des vergangenen Jahres betrug die Wartedauer durchschnittlich sieben Wochen. „Das hat sich sicher deutlich verlängert. Die Situation ist sehr schwierig“, hält die Soziallandesrätin fest.

Personalmangel: So viele Menschen warten derzeit auf einen Pflegeheimplatz
„Angesichts der Situation am Arbeitsmarkt ist es praktisch aussichtslos, so viele neue Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu finden“, sagt Geschäftsführer Achim Steinhauser.

„Wir müssen mit entsprechenden Maßnahmen die Situation in den Heimen stabilisieren. Da sind wir intensiv dran“, sagt sie. Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter müssten Rahmenbedingungen vorfinden, damit sie bleiben. Es habe schon immer eine gewisse Personalfluktuation gegeben, besonders während der Pandemie sei diese aber gestiegen. „Das tägliche Arbeiten mit Maske, die vielen Tests, die große Vorsicht, die angespannte Situation, viele Ausfälle, Diensträder, die daher nicht gehalten werden konnten: Das alles hat schon sehr belastet.“

Neben entsprechenden Rahmbedingungen sei es wichtig, möglichst viele Pflegekräfte auszubilden und auch weiter zu qualifizieren, sodass sich etwa Heimhelferinnen zur Pflegeassistenz weiterbilden oder Pflegefachassistenten auch noch einen Bachelor machen können. „Wir müssen möglichst alle Ressourcen nutzen.“ Ein Masterplan, der auf Rekrutierung, Qualifizierung und Personalerhalt abziele, solle dabei helfen. „Wir sind dran, die verschiedenen Maßnahmen nochmals zu schärfen.“

Warteliste

Im Jänner 2020 warteten 125 Personen auf einen Pflegeheimplatz, im Juni 2020 waren es 112. Im Jänner 2021 standen 140 Personen auf der Warteliste, ein halbes Jahr später 157. Nun sind es insgesamt 200. Die durchschnittliche Wartedauer betrug im Herbst sieben Wochen. Derzeit ist sie laut Landesrätin Katharina Wiesflecker um einiges höher.

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