Kinder- und Jugendanwalt: “Es braucht Impfangebot und möglichst wenig Maßnahmen”

Politik / 17.01.2022 • 21:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Kinder- und Jugendanwalt: "Es braucht Impfangebot und möglichst wenig Maßnahmen"
Eine Impfpflicht hätte Kinder und Jugendliche einem deutlich höheren gesellschaftlichen Druck ausgesetzt, sind die Kinder- und Jugendanwaltschaften überzeugt. APA

Michael Rauch fordert, Beschränkungen zu evaluieren und bei erster Gelegenheit zurückzufahren.

Schwarzach Kinder und Jugendliche müssen sich nicht impfen lassen, können es aber tun. Das lässt den Vorarlberger Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch aufatmen. Er hatte sich gemeinsam mit seinen Amtskollegen in ganz Österreich gegen eine Impfpflicht ab 14 Jahren ausgesprochen. Die Bedenken: Ein Zwang hätte die Kinder und Jugendlichen einem deutlich höheren sozialen, familiären, schulischen und gesellschaftlichen Druck ausgesetzt. Die ohnehin schon bestehende psychische Belastung wäre deutlich gestiegen. Die Bundesregierung erhörte die Kritik. Anders als ursprünglich vorgesehen, sind unter 18-Jährige nun gänzlich von der Impfpflicht ausgenommen.

“Impfangebot wichtig”

„Mir ist aber wichtig, dass wir ein Impfangebot für Kinder und Jugendliche ausdrücklich begrüßen“, erklärt deren Vorarlberger Vertreter Rauch. Denn sie hätten das Recht auf ein höchstmögliches Maß an Gesundheit. Eine Impfpflicht hätte die Lage aber nur verschärft. Rauch erinnert an Familien, in denen sich Eltern und Kinder zur Impfung nicht einig werden. Gleichzeitig wäre es außerordentlich schwierig gewesen, die unter 18-Jährigen zu bestrafen. Viele würden über kein Einkommen verfügen. Die Bußen hätten überwiegend von den Erziehungsberechtigten bezahlt werden müssen. 14- bis 18-Jährige aus sozial benachteiligten Familien wären mit zusätzlichem finanziellen Druck konfrontiert gewesen.

In der Kinder- und Jugendanwaltschaft ist das Impfen derzeit das größte Thema. „Es hat die Covid-Maßnahmen wie Maskentragen in den Schulen abgelöst, auch wenn sie noch Gegenstand einzelner Anrufe besorgter Eltern sind.“

Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch ist erleichtert, dass keine Impfpflicht für unter 18-Jährige kommt. <span class="copyright">VN</span>
Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch ist erleichtert, dass keine Impfpflicht für unter 18-Jährige kommt. VN

Die Folgen der Maßnahmen dürften nicht vernachlässigt werden, betont Rauch. „Kinder und Jugendliche leiden massiv darunter.“ Die Schulen müssten unbedingt offen bleiben. „Da bin ich zu vielen Zugeständnissen bereit, vom Masketragen bis zum Testen. Ich appelliere aber, die Maßnahmen jederzeit zu evaluieren und bei erster Möglichkeit zurückzufahren. Gleichermaßen gilt meine Forderung auch für den Sport-, Freizeit- und Kulturbereich.“ Hier sei vieles gar nicht möglich.

Personalmangel bei Therapieplätzen

Was fehlende Therapieplätze für Kinder und Jugendliche anbelangt, ortet Rauch weniger ein budgetäres, sondern vielmehr ein personelles Problem.  „Im ambulanten Bereich haben wir teilweise das Geld, aber es fehlen uns die Fachkräfte.“ Im stationären Bereich sei ein Ausbau im Landeskrankhaus Rankweil auf Schiene, den man nicht einfach beliebig beschleunigen könne. Da gebe es wenig Spielraum. Die große Hoffnung sei daher, dass die Maßnahmen früher oder später weniger werden. „Ich merke, dass die psychosozialen Folgen zunehmend in die politischen Entscheidungsprozesse einbezogen werden.“ Das solle auch so bleiben.  Damit könnten sich womöglich auch wieder Erholungseffekte Richtung Sommer einstellen.