Stilles Gedenken, hallende Worte

Politik / 27.01.2022 • 22:38 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
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Im “Raum der Namen” sind über 80.000 Opfer verzeichnet.

Israels Außenminister Yair Lapid besuchte mit Österreichs Regierungsspitze Mauthausen.

MAUTHAUSEN Der Wind pfeift unaufhaltsam, als ein israelischer Sicherheitsmann um die Ecke tritt. Es ist der internationale Gedenktag für die Opfer des Holocaust und das Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen gleicht einer Hochsicherheitszone. Das liegt vor allem an der Delegation, die in diesen Augenblicken den ehemaligen Appellplatz betritt. Neben Österreichs Regierungsspitze rund um Bundeskanzler Karl Nehammer (ÖVP) ist der israelische Außenminister und alternierende Premierminister Yair Lapid vor Ort.

Sie legen vor dem Sarkophag in der Mitte des Platzes – begleitet von Tönen einer Klarinette – ein stilles Gedenken ein, Nehammer und Lapid richten die Schleife an in den jeweiligen Landesfarben geschmückten Kränzen, der Tross zieht weiter in eine der Baracken und in den „Raum der Namen“. Also in den Raum, in welchem der Großteil der rund 90.000 Opfer von Mauthausen und seinen Außenlagern namentlich verzeichnet ist. Einer von ihnen ist für Außenminister Yair Lapid ein besonderer Name: Bela Lampel. Es ist der Name seines Großvaters. Bela Lampel starb am 5. April 1945 in Ebensee. „Im Namen der Republik Österreich“ entschuldigt sich Bundeskanzler Karl Nehammer „für die hier begangenen Verbrechen und für die Ermordung seines Großvaters“ bei Yair Lapid, so steht es nun im Gästebuch der Gedenkstätte.

Yair Lapid ist zum zweiten Mal in Mauthausen, 2013 war er mit seiner Schwester zu Gast. Er erzählt von seinem Großvater, er berichtet von der Nacht auf den 18. März 1944, als Bela Lampel von einem SS-Soldaten aus dem Schlaf gerissen wurde: „Als er hier in Mauthausen ankam, war er kein Vater mehr, er war nicht mehr dick, er war kein Mensch mehr. Er war eine Nummer.“ Sein Großvater sei kein wichtiger Mann gewesen, aber: „Er hat nie jemandem Unrecht getan. Er hasste niemanden. Er war einfach Jude.“

Alexander Schallenberg verdrückt einige Tränen, der Bundeskanzler und die Außenminister umarmen sich, es kehrt Stille ein. Doch der Wind pfeift weiter. Wie wohl auch vor 76 Jahren, als Bela Lampel starb. Wie in der Zeit, die niemals vergessen werden soll. MAX

Israels Außenminister berichtete von seinem Großvater.

Israels Außenminister berichtete von seinem Großvater.

Österreichs Regierungsspitze mit Bundeskanzler Karl Nehammer (l.) betonte die Solidarität mit Israel, es war ein Tag vieler Emotionen. APA/2, WERNER
Österreichs Regierungsspitze mit Bundeskanzler Karl Nehammer (l.) betonte die Solidarität mit Israel, es war ein Tag vieler Emotionen. APA/2, WERNER

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