Heuer schon über 30 Corona-Todesfälle: Das sind die Gründe

Politik / 04.02.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Heuer schon über 30 Corona-Todesfälle: Das sind die Gründe
Aktuell geht es auf den Intensivstationen ruhiger zu als in der Vergangenheit – und das bei Rekordinzidenzen. APA

Viele Nachmeldungen, aber wohl auch Delta-Nachwirkungen.

Bregenz Omikron ist die dominante Coronavirusvariante im Land. Die Infektionszahlen erreichen regelmäßig neue Höchstwerte. Der Infektionsverlauf gilt aber als milder. Die Politik plant bereits Lockerungsschritte. Umso erstaunlicher ist es, dass allein im neuen Jahr mehr als 30 Todesfälle in Vorarlberg gemeldet wurden. Wie passt das zusammen? Landessanitätsdirektor Wolfgang Grabher erklärt: Ein großer Teil der Fälle geht auf Nachmeldungen zurück. Einige jener Personen, die im Jänner verstarben, könnten sich noch mit der Delta-Variante angesteckt haben. Das vermutet auch Gesundheitsexperte Armin Fidler. Er gibt zu bedenken, dass Omikron in erster Linie für dreifach Geimpfte mit einem milderen Krankheitsverlauf einhergeht. Ungeimpfte trügen immer noch ein hohes Risiko.

Ein Fall von 2020

Mit Stand Donnerstagmittag lag die Zahl der Menschen, die seit 1. Jänner an oder mit Corona gestorben sind, bei 33. „Den Jahresbeginn haben wir zum Anlass genommen, Daten anzugleichen“, erklärt der Landessanitätsdirektor. Er spricht von 15 Nachmeldungen von Todesfällen, der Großteil aus dem vergangenen Dezember, aber auch vom November und einer sogar aus dem Jahr 2020. Es handelt sich also vor allem um einen statistischen Effekt. Ob bei den übrigen im Jänner gemeldeten Fällen vor allem die Delta-Variante ausschlaggebend war, ist denkbar, aber noch nicht geklärt. „Es könnte sich um Nachwehen der viertenWelle handeln. Man weiß es aber nicht genau.“

Gesundheitsexperte Fidler hält das jedenfalls für vorstellbar und verweist auf die lange Verweildauer von Corona-Patienten auf den Intensivstationen. Betroffen seien fast nur Ungeimpfte. „Die Mortalität liegt dort zwischen 30 und 50 Prozent.“ Mit Blick auf die vierte Welle beziffert Grabher die durchschnittliche Verweildauer auf Intensivstationen mit 20, 21 Tagen. Zuvor wären die Patienten im Regelfall noch einige Zeit auf Normalstationen behandelt worden. In der Omikron-Welle habe sich die Situation etwas entspannt. „Die Belagsdauer ist derzeit nicht sehr lang.“ Fünf Coronapatienten werden derzeit auf den Intensivstationen der Vorarlberger Krankenhäuser behandelt. Das sind vergleichsweise wenige. „Das ist schon ein Parameter für die Anzahl der schweren Verläufe“, erläutert der Landessanitätsdirektor.

Fidler nennt auch die steigende Zahl geboosterter Personen als Faktor. Immer mehr seien geschützt. Zwar gehe eine Omikron-Ansteckung auch bei Ungeimpften mitunter mit einem etwas leichteren Verlauf einher. „Es besteht aber weiterhin ein hohes Risiko für sie, gerade bei einem hohen Alter oder Begleiterkrankungen, darunter Adipositas oder Bluthochdruck. Dann haben sie schlechte Karten.“ Prinzipiell hält der Mediziner Lockerungen für gerechtfertigt. „Das Impfangebot ist da. Wir können nicht die gesamte Gesellschaft einsperren.“ Eine Überlastung des Gesundheitssystems durch zu viele Corona-Patienten sei aktuell auch nicht zu erwarten. Sorge bereitet ihm in der Omikron-Welle viel mehr die kritische Infrastruktur. „Viele Menschen sind wegen einer Quarantäne nicht arbeitsfähig. Diese Zahl sollte nicht weiter nach oben gehen.“