Zu wenig Platz für junge Flüchtlinge in Vorarlberg

Politik / 13.02.2022 • 18:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Zu wenig Platz für junge Flüchtlinge in Vorarlberg
Unbegleitete, minderjährige Flüchtlinge benötigen ein besonderes Ausmaß an Betreuung. Allerdings fehlt es dafür an Platz und Personal. APA

Im Land fehlt ein Quartier für unbegleitete Minderjährige. Auch beim Personal wird es knapp.

Schwarzach Sie sind noch keine 18 Jahre alt und oft von weit her ohne ihre Eltern nach Österreich geflüchtet. Hier fehlt es für die unbegleiteten, minderjährigen Flüchtlinge aber an Platz und auch an Personal, das sich um sie kümmern könnte.

In Dornbirn musste das Institut für Sozialdienste soeben eine Wohngemeinschaft schließen. 42 der 69 unbegleiteten Flüchtlingskinder und -Jugendlichen in Vorarlberg sind derzeit in Erwachsenenquartieren untergebracht, berichtet Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker (Grüne).

Eine neue WG der Caritas in Bregenz soll die Lage ein wenig entschärfen. Wie Wiesflecker erklärt, sind fünf junge Flüchtlinge mittlerweile eingezogen. Insgesamt hätten 16 Jugendliche Platz. 13 kommen derzeit in einer Wohnform mit regelmäßiger Betreuung unter, vier leben in Patenfamilien. Sechs Kinder und Jugendliche befinden sich im Regelsystem der Kinder- und Jugendhilfe, drei haben sich für eine private Unterbringung entschieden. Zu den 69 unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen zählt ein Unter-14-Jähriger, alle anderen sind älter.

„Zu lange in großen Quartieren“

Kinder- und Jugendanwalt Michael Rauch kritisiert, dass es in den Bundesländern zu wenige Einrichtungen für die jungen Asylsuchenden gibt. „Die Kinder und Jugendlichen bleiben zu lange in wenig geeigneten Einrichtungen“, spricht er die Bundesquartiere in Niederösterreich, Kärnten und der Steiermark an. Aktuell würden über 600 junge Asylwerber auf eine Zuteilung in die Bundesländer – und somit in kleinere Quartiere – warten.

Vorarlberg erfüllt bei der Aufnahme unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge die Quote nicht einmal zu 50 Prozent, erklärt Soziallandesrätin Wiesflecker. Auch vier weitere Bundesländer tun das nicht. Den größten Teil tragen Kärnten, Niederösterreich, Steiermark und Burgenland. <span class="copyright">VN</span>
Vorarlberg erfüllt bei der Aufnahme unbegleiteter, minderjähriger Flüchtlinge die Quote nicht einmal zu 50 Prozent, erklärt Soziallandesrätin Wiesflecker. Auch vier weitere Bundesländer tun das nicht. Den größten Teil tragen Kärnten, Niederösterreich, Steiermark und Burgenland. VN

Vorarlberg müsste derzeit zusätzlich 32 Kinder und Jugendliche aufnehmen, um seinem Anteil gerecht zu werden, berichtet Wiesflecker. Derzeit erfülle das Land die unter den Bundesländern vereinbarte Quote nur zu 43 Prozent. Das liege daran, dass sich die Quote nur auf jene Flüchtlinge beziehe, die sich noch im Asylverfahren befinden. 45 der 69 hier lebenden unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge hätten bereits einen Asylstatus erhalten.

Tagessatz von 2016

Solange das Asylverfahren der jungen Flüchtlinge noch läuft, steuert der Bund 95 Euro pro Tag und Kopf bei. „Der Tageshöchstsatz wurde seit 2016 nicht erhöht“, kritisiert Rauch. Er reicht auch nicht aus. Das Land stellt daher weiteres Geld zur Verfügung. In einer Wohngemeinschaft mit 16 Flüchtlingen legt es 45 Euro pro Kopf und Tag drauf, in der 12er-WG waren es zusätzlich 122 Euro, sagt Wiesflecker. Hier sei die Betreuung intensiver und der Personalstand ein anderer. „Mit den 95 Euro des Bundes kämen wir bei Einrichtungen ab 30 jungen Flüchtlingen zurecht.“ Von derart großen Quartieren für unbegleitete Minderjährige sei man aber abgerückt.

Suche nach neuem Quartier

Damit es dabei bleibt, braucht es aber mehr Personal und ein neues Quartier: „Die Suche nach neuen Räumlichkeiten ist schon im Erwachsenenbereich sehr schwierig, für eine Wohngemeinschaft für Jugendliche aber noch einmal schwieriger“, sagt Wiesflecker. Sie ist überzeugt, dass sich bei einem geeigneten Quartier auch wieder Betreuerinnen und Betreuer finden lassen. „Es ist oft eine Wechselwirkung.“ Die Personalproblematik entstehe auch, wenn die Rahmenbedingungen im Quartier nicht passten.

Der Personalmangel sei das Hauptproblem, hält Rauch fest. <span class="copyright">VN</span>
Der Personalmangel sei das Hauptproblem, hält Rauch fest. VN

Laut Kinder- und Jugendanwalt Rauch ist das fehlende Personal das Hauptproblem. „Nicht nur in Schulen, Kindergärten und der Pflege sondern auch in Fachdiensten und stationären Einrichtungen ist es immer schwieriger, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu finden, insbesondere für Aufgaben, bei denen Nacht- und Wochenenddienste zu leisten sind.“  Wiesflecker sieht erste Schritte mit dem aktuellen Abschluss der Kollektivvertragsverhandlungen getan. Die Wochenendzulage sei etwa verbessert worden. „Wir müssen aber noch schauen, wie wir die Arbeit weiter attraktivieren.“

Rauch beklagt, dass sich der Personalmangel immer deutlicher in Kinder- und Jugendhilfeeinrichtungen niederschlage, etwa das Vorarlberger Kinderdorf oder die Stiftung Jupident seien damit konfrontiert. Am stärksten sei der Mangel im Bereich der unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zu spüren: „Ich bin ratlos, wie man das kurzfristig beheben kann.“