Angriffe in der Ostukraine gehen weiter

Politik / 20.02.2022 • 11:42 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein Soldat an der innerukrainischen Front. <span class="copyright">AP/Evgeniy Maloletka</span>
Ein Soldat an der innerukrainischen Front. AP/Evgeniy Maloletka

Im Konfliktgebiet in der Ostukraine ist es auch am Sonntag zu mehreren neuen Gefechten gekommen.

Kiew Die Aufständischen in den Gebieten Luhansk und Donezk teilten in der Früh mit, seit Mitternacht seien mehrfach Dörfer beschossen worden. Sonntagvormittag waren mehrere Explosionen in Donezk zu hören. Die Bewohner werden über einen Lautsprecher zur Vorsicht aufgerufen. Auch die ukrainische Armee listete in der Früh mehrere Verstöße gegen den geltenden Waffenstillstand auf.

Die Separatisten haben eine Generalmobilmachung gestartet. Ein Plakat bei einer Schule, die zur Musterungsstation umfunktioniert wurde. "Die Volksrepublik Donetsk ist unsere Heimat und wir müssen sie verteidigen." <span class="copyright">ReuterS/Alexander Ermochenko</span>
Die Separatisten haben eine Generalmobilmachung gestartet. Ein Plakat bei einer Schule, die zur Musterungsstation umfunktioniert wurde. "Die Volksrepublik Donetsk ist unsere Heimat und wir müssen sie verteidigen." ReuterS/Alexander Ermochenko

Unterdessen wollen Russland und Belarus ihr gemeinsames Manöver fortsetzen. Das kündigt das belarussische Verteidigungsminister an. Die Militärübungen sollten eigentlich am Sonntag enden. Begründet wurde die Verlängerung mit zunehmenden militärischen Aktivitäten an den Grenzen zu Belarus und Russland und mit der Eskalation der Lage in der Ost-Ukraine. Nach NATO-Schätzungen befinden sich derzeit rund 30.000 russische Soldaten auf belarussischem Gebiet.

Beide Seiten berichten von Artilleriebeschuss

Auf ukrainischem Boden soll es zudem erneut zu Opfern gekommen sein. Die jeweiligen Angaben ließen sich aber nicht unabhängig überprüfen. Bei dem Beschuss eines Dorfes im Konfliktgebiet sind nach Angaben der von Russland unterstützten Separatisten zwei Zivilisten getötet worden. Der Zwischenfall habe sich in Pionorskoje im Gebiet Luhansk ereignet, sagte ein Sprecher am Sonntag der russischen Nachrichtenagentur Interfax. Die Leichen sollten demnach zu Mittag aus den Trümmern geborgen werden. Die Separatisten beschuldigten die ukrainische Armee, für den Angriff verantwortlich zu sein. Fünf Wohnhäuser seien zerstört worden.

Die Seperatisten evakieren Zivilisten aus den erwarteten Kampfzonen. Hier Menschen aus der Ostukraine in Rostow, bei der Zuteilung von Unterkünften. <span class="copyright">REuters/Sergey Pivovarov</span>
Die Seperatisten evakieren Zivilisten aus den erwarteten Kampfzonen. Hier Menschen aus der Ostukraine in Rostow, bei der Zuteilung von Unterkünften. REuters/Sergey Pivovarov

Das Militär hatte bereits am Samstag von zwei getöteten Soldaten gesprochen. Nach Einschätzung internationaler Beobachter steigt die Zahl der Verletzungen des Waffenstillstands massiv. In der Region Luhansk seien 975 Verstöße festgestellt worden, darunter 860 Explosionen, hieß es in einer Mitteilung der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Nacht auf Sonntag. Für die Region Donezk wurden 591 Verstöße gemeldet, darunter 535 Explosionen. Diese Zahlen bezogen sich auf die Lage am Freitag.

Österreich sendet Krisenteam

Österreich schickt aufgrund der sich dramatisch eskalierenden Lage ein Krisenteam in das Land. Die Gruppe bestehe aus sieben erfahrenen Mitarbeitern des Außen-, Innen-und Verteidigungsministeriums, wie es am Sonntag in einer Aussendung des Bundeskanzleramts hieß. Das Team, dem auch Spezialisten des Einsatzkommandos Cobra angehören, war Sonntag früh bereits am Weg nach Kiew.

Die Ukraine hat das Training ihrer Reservisten ebenfalls verstärkt. <span class="copyright">ReuterS/Antonio Bronic</span>
Die Ukraine hat das Training ihrer Reservisten ebenfalls verstärkt. ReuterS/Antonio Bronic

Das ukrainische Militär hat nach eigenen Angaben von Sonntag früh den Betrieb an einem der sieben Kontrollpunkte vorläufig eingestellt, über die man in Rebellengebiete im östlichen Donbass gelangt. Grund sei schwerer Beschuss. Die Sicherheit der zivilen Bevölkerung könne nicht garantiert werden. So lange “die Phase der Bedrohung” anhalte, bleibe der Betrieb an dem Kontrollposten ausgesetzt. Vertreter der prorussischen Separatisten warfen wiederum der Ukraine in sozialen Medien vor, von ihnen kontrollierte Gebiete zu beschießen.

Rotes Kreuz besorgt

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) beklagte, dass durch Beschuss in den vergangenen Tagen mindestens zwei Pumpstationen im Gebiet Donezk ausgefallen seien. Diese versorgten mehr als eine Million Menschen mit Trinkwasser. “Wir sind sehr besorgt über die Entwicklungen in der Ostukraine”, sagte Florence Gillette, Leiterin der IKRK-Delegation in der Ukraine.