Kritik an “toxischer” Corona-Kommunikation

Politik / 21.02.2022 • 04:00 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Kritik an "toxischer" Corona-Kommunikation
Kanzler Nehammer (l.) und Gesundheitsminister Mückstein: Das letzte Wort zur Impfpflicht ist noch nicht gesprochen. APA/Punz

Widersprüche schaden der Glaubwürdigkeit, sagt Epidemiologe Hutter. Die große Öffnung am 5. März sei aus wissenschaftlicher Sicht unverständlich.

Wien Ungeimpfte werden bestraft, Ungeimpfte werden nicht bestraft. Beides ist möglich, aber nichts ist fix zum Impfpflichtgesetz, das eigentlich schon Anfang Februar in Kraft getreten ist. Die Entscheidung wird frühestens in zwei Wochen fallen.

Die dazu eingerichtete Expertenkommission soll Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) bis 8. März Bericht erstatten. Der Ressortchef erklärte am Wochenende zuerst, an den Strafen für Ungeimpfte ab Mitte März festzuhalten, um binnen Stunden seine Meinung zu ändern: Das letzte Wort haben nun die Mitglieder der Impfpflicht-Kommission.

Glaubwürdigkeit leidet

Epidemiologe Hans-Peter Hutter hält dieses “Hin und Her” für problematisch. “Denn die Maßnahmen müssen auch verstanden werden. Vor allem leidet die Glaubwürdigkeit”, kritisiert der Oberarzt und Professor an der Medizinischen Universität Wien. „Die Bereitwilligkeit der Menschen, nach wie vor Maßnahmen mitzutragen, hängt auch davon ab, ob sie nachvollziehbar sind. Was im Moment passiert, ist eine toxische Mischung aus nicht nachvollziehbarer Zuversicht und widersprüchlichen Botschaften.” Das betreffe auch die neuerliche Diskussion rund um die Impfpflicht, sagt Hutter im VN-Gespräch.

Hutter spricht von einer abgebremsten Abklingkurve. <span class="copyright">APA/Pfarrhofer</span>
Hutter spricht von einer abgebremsten Abklingkurve. APA/Pfarrhofer

Die Lockerung von der 2G- zur 3G-Regel am Wochenende bezeichnet er als „relativ unproblematisch”. Wichtig sei es aber, die üblichen Hygienemaßnahmen weiter einzuhalten: Dazu gehören Lüften – zum Beispiel das Kippen von Fenstern in Seilbahnen – und besonders das Tragen von FFP2-Masken.

Volle Öffnung unverständlich

Anders beurteilt der Epidemiologe die fast vollständigen Lockerungen ab 5. März. Sie seien aus wissenschaftlicher Sicht völlig unverständlich. „Wir beobachten zwar einen abklingenden Trend. Aber nun kommen die Infektionen durch vermehrte Kontakte aus den Semesterferien praktisch ungebremst hinzu. Schon jetzt zeigt sich eine abgebremste Abklingkurve. Wir werden vielleicht sogar wieder einen Anstieg erleben.” 

Julia Schilly, Birgit Entner-Gerhold