Vorarlberg bereitet sich für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen vor

Politik / 25.02.2022 • 16:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Vorarlberg bereitet sich für die Aufnahme von Kriegsflüchtlingen vor
Eine ukrainische Mutter und ihr Kind sind über die Grenze nach Ungarn geflüchtet. AFP

Vereinte Nationen erwarten im Ukraine-Krieg bis zu vier Millionen Vertriebene.

Schwarzach Der Krieg in der Ukraine treibt viele Menschen in die Flucht. Sollte sich die Situation weiter verschlechtern, erwarten die Vereinten Nationen bis zu vier Millionen Vertriebene. Nach einer Schätzung des Flüchtlingshochkommissariats UNHCR sind bereits an die 100.000 Menschen geflüchtet. UNHCR Österreich-Chef Christoph Pinter zufolge dürfte die überwiegende Mehrheit innerhalb des Landes Schutz suchen. Mehrere europäische Länder zeigten sich zur Aufnahme von Kriegsflüchtlingen bereit, darunter Österreich.

Schwierige Versorgung

Der UNHCR unterhält neben einer Einrichtung in Kiew auch mehrere Büros im Osten des Landes, wie Pinter den VN erklärt. „Die Kolleginnen und Kollegen vor Ort sind derzeit ebenso eingeschränkt wie die lokale Bevölkerung. Es ist momentan nur sehr schwer möglich, die Menschen mit Hilfsgütern zu versorgen.“ Derzeit fehle es auch an genauen Informationen über die Situation der geschätzt 100.000 Vertriebenen. „Es stellt sich die Frage: Sind sie unmittelbar vor einer militärischen Kampfhandlung geflüchtet? Oder handelt es sich um eine längerfristige Fluchtbewegung? Das lässt sich noch nicht sagen, dazu ist es zu früh.“ Fest stehe nur, dass sich der Großteil innerhalb des Landes bewege, sagt Pinter. Aber auch in den angrenzenden Ländern seien bereits Ukrainerinnen und Ukrainer angekommen, etwa an die 4000 Personen in Moldau. Auch die Slowakei, Polen, Ungarn und Rumänien meldeten Flüchtlingsbewegungen. „Wir sind sehr froh, dass wir gerade von den Nachbarstaaten gehört haben, dass sie ihre Grenzen für Flüchtlinge offenhalten.“

„Der Krieg hat eine riesige humanitäre Katastrophe innerhalb kürzester Zeit ausgelöst, die vor allem die Schwächsten trifft, also Kinder, Menschen mit Beeinträchtigungen oder Pflegebedürftige.“

Schmolly nennt verschiedene Etappen der Unterstützung. In erster Linie gehe es nun um humanitäre Hilfe für die notleidenden Menschen vor Ort. Sie bräuchten Nahrung, Hygieneartikel, Heizmaterial oder auch psychologische Angebote. In einem zweiten Schritt müssten Hilfsorganisationen in angrenzenden Ländern, die Flüchtlinge aufnehmen, unterstützt werden. „Die dritte Etappe bezieht sich auf die mögliche Aufnahme von Menschen in Österreich und in Vorarlberg.“ Dafür brauche es eine gemeinsame Anstrengung mit Bevölkerung und Politik. Der Caritas-Direktor ist zuversichtlich. Die Hilfsbereitschaft der Vorarlbergerinnen und Vorarlberger sei groß. “Es gingen schon Anrufe von Menschen ein, die leerstehende Wohnungen zu Verfügung stellen wollen.”

Lagebild erstellt

Erste Vorbereitungen gibt es schon. Das Land stehe mit dem Innenministerium in Kontakt, erläutert der zuständige Landesrat Christian Gantner (ÖVP). „Zum aktuellen Zeitpunkt geht es vor allem darum, ein Lagebild zu erstellen.“ Noch sei nämlich vollkommen offen, mit welcher Anzahl von Flüchtlingen aus der Ukraine in welchen Zeiträumen zu rechnen sei.

Die Menschen würden jedenfalls nach dem bestehenden System zunächst in Bundesquartieren untergebracht und dann nach einer bestimmten Quote auf die Länder verteilt, erklärt Gantner. Dass Vorarlberg schon jetzt seine Quote nicht ausreichend erfüllt, will er so nicht stehen lassen. „Es hat deutliche Verbesserungen gegeben.“ Rechne man die Bundesquartiere bei den anderen Ländern heraus, erreiche Vorarlberg bei der Quotenerfüllung österreichweit bereits den dritten Platz. Dem Landesrat zufolge werde die Suche nach Grundversorgungsquartieren nun „intensiv“ fortgesetzt. „Vorarlberg ist bereit, Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine aufzunehmen. Wir sehen das nicht nur als unsere Pflicht, sondern auch als unsere Verantwortung als mittelbares Nachbarland.“

Auswahl an Spendenmöglichkeiten

Caritas
IBAN AT23 2011 1000 0123 4560, BIC GIBAATWWXXX
Kennwort: Soforthilfe Ukraine

Rotes Kreuz
IBAN: AT57 2011 1400 1440 0144, BIC: GIBAATWWXXX
Kennwort: Ukraine – Hilfe für Menschen im Konflikt

CARE
IBAN: AT77 6000 0000 0123 6000

UNHCR
Spendeninformation auf der Website