Ein bürgerlicher Grüner mit Handschlagqualität

Politik / 04.03.2022 • 05:05 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Ein bürgerlicher Grüner mit Handschlagqualität
Johannes Rauch legte 2021 den Vorsitz bei den Vorarlberger Grünen zurück. Etwas später heiratete er SPÖ-Chefin Gabriele Sprickler-Falschlunger. VN

Mit Johannes Rauch folgt ein Grünes Urgestein dem Ruf aus Wien.

Schwarzach Jetzt also doch. Immer wieder wurde Johannes Rauch als mögliches Mitglied in der Bundesregierung gehandelt, nun macht er es – zur Überraschung vieler – wahr.

Und das tut er vor allem aus Loyalität zu seiner Partei. Erst im Juni bezeichnete Vizekanzler Werner Kogler den Rankweiler als fixen Leitstern im grünen Universum, als brillanten politischen Kopf mit humorvoller Art. Das waren eigentlich Worte des Abschieds, denn Rauch legte im vergangenen Jahr sein Amt als Vorarlberger Grünen-Chef zurück. Mobilitäts- und Umweltlandesrat wäre er bis maximal 2024 geblieben.

Der 62-Jährige gilt über die Parteigrenzen hinweg als Politiker mit Handschlagqualität. Altlandesrat Erich Schwärzler (ÖVP) zeichnet ihn als Pragmatiker. Der Hohenemser Bürgermeister Dieter Egger (FPÖ) attestiert ihm Handschlagqualität. Sein langjähriger Weggefährte und heutiger Austria Lustenau-Vorstandssprecher Bernd Bösch beschreibt Rauch als verbindend, die Grünen-Landtagsabgeordnete Nadine Kaspar als “die Ruhe in Person, einfach verbindend”.

Rauch (l.) setzte sich 1997 gegen Simma durch. <span class="copyright">VN</span>
Rauch (l.) setzte sich 1997 gegen Simma durch. VN

Rauch begleitet die Grünen seit ihrer Geburtsstunde. Er sympathisierte mit ihnen, als die Partei 1984 unter Kaspanaze Simma in den Vorarlberg Landtag zog und gründete etwas später die Rankweil Ortsgruppe. 1997 setzte er sich in einer Stichwahl gegen Simma durch, übernahm die in Chaos versunkenen Grünen, einte sie und machte sie zu einer Profipartei. Der große Wahlerfolg kam 2014. Rauch wechselte von der Opposition in die Regierung. Sein wohl größter Erfolg lässt sich im Bus- und Bahnfahrplan nachlesen – der Ausbau des öffentlichen Verkehrs galt stets als Prestigeprojekt. “Da hat er sichtbare Spuren hinterlassen”, hält Erich Schwärzler fest.

2014 wechselte Rauch von der Oppositions- auf die Regierungsbank. <span class="copyright">VN</span>
2014 wechselte Rauch von der Oppositions- auf die Regierungsbank. VN

Im Grünen Universum zählt Rauch zum bürgerlichen Lager – typisch Vorarlberger, wie er schon zu sagen pflegte. FPÖ-Bürgermeister Egger hofft, dass der 62-Jährige “ein wenig Vorarlberger Struktur und Pragmatismus in die Bundespolitik bringt”. Das sei gerade in dem großen Sozial- und Gesundheitsressort wichtig. Der Hohenemser Stadtrat Bernhard Amann, der einst mit den Grünen auf einer Liste stand, fordert von Rauch eine Anhebung der Mindestsicherung. “Ich habe mich von ihm und der Partei verlassen gefühlt.” Je länger Rauch in der Politik geblieben sei, desto mehr habe er auf die realen Probleme der Menschen vergessen.

Amann bleibt mit dieser Meinung weitgehend allein. Rauch – einst Bankkaufmann, dann Sozialarbeiter –  habe als Oppositions- und als Regierungspolitiker immer sachorientiert gearbeitet und „für die Grünen Themen klar Position bezogen“, sagt Schwärzler. Er sei bereit gewesen auf Landesebene Verantwortung zu übernehmen. Nun folgt er dem Ruf nach Wien.