Carola Schneider aus Moskau: “Ich fürchte um meine Gesprächspartner”

Politik / 07.03.2022 • 08:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Die Vorarlbergerin Carola Schneider ist ORF-Korrespondentin in Russland. Seit Freitag ist ein neues Mediengesetz in Kraft, das die Arbeit von Journalisten erschwert.<br><span class="copyright">TaS, Hadler</span>
Die Vorarlbergerin Carola Schneider ist ORF-Korrespondentin in Russland. Seit Freitag ist ein neues Mediengesetz in Kraft, das die Arbeit von Journalisten erschwert.
TaS, Hadler

Ein neues Mediengesetz schränkt die Meinungsfreiheit in Russland weiter massiv ein.

Wien/Moskau „Das Wort Krieg dürfen wir nicht mehr verwenden“, sagt ORF-Korrespondentin Carola Schneider am Sonntag im Gespräch mit den VN. Die Berichterstattung für Journalistinnen und Journalisten wird in Zukunft noch schwieriger. Am Freitag wurde im russischen Parlament ein Gesetz gegen Verbreitung von „Falschinformationen“ verabschiedet, das de facto die Meinungsfreiheit noch mehr einschränkt. Viele große Medienhäuser wie der ARD, ZDF, CNN und BBC haben daher vorerst ihre Arbeit in Russland eingestellt.

“Wichtig, vor Ort zu sein”

„Wir bleiben hier“, sagt Schneider, die eigentlich noch bis November in Bildungskarenz gewesen wäre und nun das Team wieder verstärkt. Der ORF stellt den Betrieb zwar nicht ein, es wurden jedoch Vorkehrungen getroffen: Kollegin Miriam Beller, eine weitere Vorarlbergerin, ist vorerst nach Wien zurück gekehrt. „Falls etwas passiert, hängen nicht drei Korrespondenten fest. Büroleiter Paul Krisai und ich bleiben aber weiter in Moskau“, so die Bludenzerin.

Inhaltlich werden die Kollegen in Wien die Ukraine kommentieren und die Korrespondenten die Hintergründe und Stimmung im Land festhalten. „Wir versuchen so zu arbeiten, dass wir uns nicht strafbar machen, aber journalistisch sinnvoll berichten“, sagt Schneider. Denn viele Themen dürfe man ja noch behandeln. „Es ist wichtig, dass die Zuseher und Leser nicht alles nur noch von Leuten außerhalb des Landes berichtet bekommen“, betont Schneider.

Armee nicht verunglimpfen

Konkret ist es nun verboten, öffentlich die Armee zu verunglimpfen. Es drohen hohe Geldstrafen und bis zu 15 Jahre Haft. Die Journalistin hat bislang selbst noch nie so eine Situation erlebt, repressive Gesetze hätten vor allem russische Kollegen betroffen. Hat Schneider Angst in dieser Situation weiterzuarbeiten? „Ich fürchte mich nicht für mich. Ich fürchte um meine Gesprächspartner. Uns Ausländer sperren sie nicht 15 Jahre ins Gefängnis“, sagt sie.