Darum stehen die Quarantäneregeln auf der Kippe

Politik / 11.03.2022 • 09:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Darum stehen die Quarantäneregeln auf der Kippe
Die Vielzahl der Neuinfektionen, die nicht abreißen wollen, stellt das ganze System vor immer größere Herausforderungen. afp

Land erwartet in Kürze neue Bestimmungen zu Absonderungen vom Bund.

Bregenz Die Zahl der Neuinfektionen explodiert. Bundesweit wurde am Donnerstag mit fast 48.000 ein neuer Rekord gemeldet. In Vorarlberg gibt es laut Auskunft des Landes aktuell 16.182 Erkrankte, 1428 Verdachtsfälle sowie 4089 betroffene Kontaktpersonen. Macht insgesamt 21.699 Personen, die sich in Absonderung befinden. Am Donnerstag gab es angesichts der hohen Zahl von 2600 neuen Fällen zeitweise sogar Probleme bei der digitalen Ablaufstelle des Landes, die Server waren überlastet.

Es waren allerdings auch schon mehr, die das Virus vorübergehend außer Gefecht setzte. Vor fast genau einem Monat etwa befanden sich knapp 29.000 Vorarlberger in Quarantäne. Über 24.700 von ihnen waren positiv getestet worden, rund 4000 in Kontakt mit einer infizierten Person. Derzeit rauscht die Omikron-Variante bzw. deren Ableger BA.2 durchs Land und sorgt in Verbindung mit den großzügigen Öffnungen für anhaltend hohe Infektionszahlen. Im Großteil der Fälle verlaufen die Erkrankungen allerdings sehr milde, was die Frage aufwirft, ob die geltenden Quarantänebestimmungen überhaupt noch zeitgemäß sind.

Die Wirtschaft würde sich jedenfalls ein Überdenken der Quarantäneregeln, aber auch der Teststrategie wünschen. Dass abgesonderte Mitarbeiter fehlen, stelle viele Unternehmen vor eine Herausforderung, sagt Christoph Jenny, Direktor der Wirtschaftskammer Vorarlberg. „Wir haben von den Betrieben jedoch noch nicht gehört, dass ganze Bereiche schließen mussten“, ergänzt er. Doch klar sei: Je mehr Menschen betroffen sind, desto angespannter werde die Situation. Jenny bricht eine Lanze für die Regelung in der Schweiz. Dort ist die Quarantäne für Kontaktpersonen Geschichte. Die Isolation Infizierter dauert mindestens fünf Tage und endet für jene, die 48 Stunden symptomfrei sind. Im April ist die Rückkehr zur Normalität geplant. „Die Vergangenheit hat gezeigt, dass die Schweiz immer einen guten Weg gefahren ist. Die dortigen Überlegungen sind nicht schlecht. Das sollten wir unserer Politik mit auf den Weg geben.“ Mittlerweile sei nicht nur die Sieben-Tage-Inzidenz maßgeblich. Es komme deutlich weniger oft zu schweren Verläufen, die Lage auf den Intensivstationen bleibe ruhig.

Zu Lockerungen bereit

Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher hatte sich unlängst bei Vorarlberg LIVE ebenfalls für eine Lockerung der Quarantänevorschriften ausgesprochen. Hier gebe es einen Konsens aller Landes-Gesundheitsreferenten. Dieser würde vorsehen, die Meldepflicht laut Epidemiegesetz sowie die Kontaktnachverfolgung stark zu reduzieren und nur noch die schweren Verläufe zu beobachten. Das könnte für Vorarlberg heißen, niemanden mehr abzusondern, aber mit Verhaltensempfehlungen auszustatten. Das niedrige Systemrisiko ließe das nach Ansicht von Rüscher zu. Noch hat sich nichts geändert, „wir erwarten aber in Kürze neue Informationen von Bundesseite“, teilte die Landespressestelle mit. Aus dem Gesundheitsministerium verlautete dazu auf VN-Anfrage: „Die Empfehlungen zum Kontaktpersonenmanagement werden von Experten laufend evaluiert und gegebenenfalls angepasst.“

Marlies Mohr, Magdalena Raos

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