Die “Jacht vom Bodensee” gehört Wladimir Putin

Politik / 17.03.2022 • 17:35 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Die "Jacht vom Bodensee" gehört Wladimir Putin
Reuters, APA

Hypo und Panama: “Symbol” der Offshore-Geschäfte hat bekannten Besitzer.

Wien Die Grüne Nationalratsabgeordnete Nina Tomaselli staunte nicht schlecht, als sie den Namen „Graceful“ las. Es ist der Name einer russischen Super-Jacht, die zum Symbol nebulöser Offshore-Geschäfte wurde, deren Stränge bis in die Vorarlberger Hypo-Bank reichten, ebenso zu einer Liechtensteiner Treuhandfirma. Sie ist die “Jacht vom Bodensee” – so wurde sie wegen der geschäftlichen Verstrickungen ins Rheintal genannt – die mit den Panama Papers 2016 Berühmtheit erlangte. Wem sie gehört, blieb bislang im Verborgenen. 

Die "Jacht vom Bodensee" gehört Wladimir Putin
“Graceful” hat im Februar eine Reparaturwerft in Hamburg verlassen, zwei Wochen vor Beginn der Ukraine-Invasion.  REUTERS

Nun scheint fix: Die Jacht gehört Wladimir Putin. Mehrere deutsche Medien – von der Tagesschau bis zur Frankfurter Allgemeinen Zeitung – rechnen das 82 Meter lange Luxusschiff dem Kremlchef zu. Auch Tomasellis Recherchen deuten darauf hin, wie sie den VN erzählt. “Es war immer klar, dass der Besitzer eine hochrangige Person aus Russland sein muss.” Schließlich sei die Jacht in einer militärischen Werft hergestellt worden. Nach Deutschland kam sie erst für die Endausstattung, etwa einen 15 Meter langen Pool.

Die Jacht wurde aus Deutschland gebracht, damit sie nicht beschlagnahmt werden kann. <span class="copyright">RTS</span>
Die Jacht wurde aus Deutschland gebracht, damit sie nicht beschlagnahmt werden kann. RTS

Doch was hatte die Hypo Vorarlberg damit zu tun? “Putins Boot heißt ‘Graceful. Es ist die gleiche ‘Graceful’, die 2016 im Zentrum der Recherchen von ORF und Falter zu den Panama Papers standen.” Mitten in der Abwicklung zwischen Auftraggeber und Panama sei die Landesbank aufgetaucht.

Die Panama Papers enthüllten ein globales Netzwerk an Briefkastenfirmen und Offshore-Geschäften mit Steuervermeidungstricks und sorgten weltweit für Empörung, Debatten und Rücktritte – ebenso für ein kleines Erdbeben in Vorarlberg. Die Erwähnung der Hypo führte am Ende zum Rücktritt des damaligen Bankchefs Michael Grahamer und zu einem Untersuchungsausschuss im Landtag, der weitgehend ohne Ergebnis blieb. Im Zuge des U-Ausschusses versuchten Tomaselli und der heutige Landesrat Daniel Zadra – beide damals Landtagsabgeordnete – herauszufinden, wem die “Graceful” gehört. Vergeblich. Die Verantwortlichen der Landesbank betonten stets, rechtskonform gearbeitet zu haben. 

Das Luxusschiff gehörte der Briefkastenfirma Olneil, wer tatsächlich der Besitzer war, blieb lange unbekannt. <span class="copyright">REUTERES</span>
Das Luxusschiff gehörte der Briefkastenfirma Olneil, wer tatsächlich der Besitzer war, blieb lange unbekannt. REUTERES

Zurück zu Putins Jacht und ihrer Geschichte in den Panama Papers. Das Luxusschiff gehörte demnach der Briefkastenfirma Olneil Assets Corp., wer tatsächlich der Besitzer war, blieb unbekannt. Der Treuhänder von Olneil war eine Firma in Liechtenstein. Viele ihrer Briefkastenfirmen zeigten wiederum Verstrickungen zur Landes-Hypo, unter anderem auch Olneil, die der Hypo beglaubigte Firmenpapiere in Rechnung stellte.

Auf VN-Anfrage berief sich die Hypo am Donnerstag auf das Bankgeheimnis. Über bestehende oder frühere Kundenbeziehungen können sie keine Auskunft erteilen. Sämtliche Geschäftsbeziehungen mit Offshore-Gesellschaften seien aber abgebaut und nun vollständig eingestellt worden. 

Das 150 Millionen Euro teure Schiff “Graceful” lag bis vor Kurzem noch im Hamburger Hafen. Putin ließ es laut mehreren deutschen Medienberichten nun  zurück nach Russland bringen, sodass die Jacht aufgrund der Sanktionen nicht beschlagnahmt werden kann.

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