Warten auf flexiblere Kinderbetreuung

Politik / 21.03.2022 • 02:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
Warten auf flexiblere Kinderbetreuung
Alexandra Kügerl gibt Einblicke in die Herausforderungen von Eltern bei der Kinderbetreuung. DPA/privat

Neues Gesetz soll diese Woche fertig werden. Hoffnung auf mehr Plätze und längere Betreuungszeiten.

Weiler Valentin ist drei Jahre alt, lebt mit seinen Eltern in Weiler und besucht die Kinderbetreuung in Dornbirn. „Das ist unser Glück“, erzählt seine Mutter Alexandra Kügerl. Würde die Arbeitsstätte ihres Lebensgefährten Rene keine Kinderbetreuung anbieten, wäre es für die Familie deutlich schwieriger. Die Öffnungszeiten in der Gemeinde seien vor allem bei den ganz Kleinen für die Vereinbarkeit mit dem Job nicht unbedingt förderlich. Es fehle die Flexibilität, sagt Kügerl, die als Bilanzbuchhalterin arbeitet und auch Gemeindevertreterin ist.

Alexandra Kügerl hofft auf mehr Flexibilität bei der Kinderbetreuung.
Alexandra Kügerl hofft auf mehr Flexibilität bei der Kinderbetreuung.

Mit dem Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz sollen die Bedürfnisse der Familien besser berücksichtigt werden. So zumindest lautet der Plan – ein finaler Entwurf steht noch aus. Für Donnerstag ist eine weitere Verhandlungsrunde angesetzt. „Wir warten schon seit Monaten auf den Termin“, kritisiert Neos-Landtagsmandatar Johannes Gasser. Er fordert einen Rechtsanspruch, ebenso mehr Flexibilität. Gemeinden, die bei der Kinderbetreuung kooperieren würden zwar gefördert. „Eltern müssen aber auch entscheiden können, wo ihnen das Angebot am besten passt.“ Das Geld müsse ihren Kindern folgen und nicht den Bedürfnissen der Bürgermeister, fordert Gasser.

<p class="caption">Das Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz soll den Ausbau erleichtern. Ursprünglich hätte es schon heuer in Kraft treten sollen. <span class="copyright">DPA</span></p>

Das Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz soll den Ausbau erleichtern. Ursprünglich hätte es schon heuer in Kraft treten sollen. DPA

Von deren guten Willen war auch Kügerl abhängig, die ihren Sohn in Koblach zur Kinderbetreuung anmelden wollte. Dort stimme das Angebot und sie könnte wie bisher drei volle Tage pro Woche arbeiten. „In Weiler werden nur zwei Nachmittage angeboten, damit wären meine Arbeitszeiten nicht gedeckt.“ Der Vater bleibt einen Tag pro Woche daheim. „Es ist einfach so, dass man auf das Wohlwollen der Bürgermeister angewiesen ist, das ich zum Glück habe“, erzählt sie. Allerdings steht Kügerl noch auf der Warteliste. Daher musste sie Valentin auch für die Betreuung in Weiler anmelden – und möglicherweise im Herbst wieder absagen. All das sei suboptimal.

Johannes Gasser (Neos) drängt auf einen Rechtsanspruch. <span class="copyright">VN</span>
Johannes Gasser (Neos) drängt auf einen Rechtsanspruch. VN

Ob es mehr Betreuungsplätze gibt, hänge nicht am Gesetz, betont indes die zuständige  Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink (ÖVP). „Es geht die Vorstellung herum, dass nichts passiert, solange wir das Gesetz nicht beschlossen haben. Das ist falsch.“ Derzeit sind fast alle Vier- und Fünfjährigen im Land betreut. Bei den Dreijährigen liegt die Quote bei 91,7 Prozent. Die Zwei-Jährigen kommen auf 64,1 und die Einjährigen auf 28,9 Prozent. Von all jenen die betreut sind, nimmt rund ein Fünftel ein ganztägiges Angebot in Anspruch – während fast drei Viertel die Möglichkeit dazu hätten, betont Schöbi-Fink in einer Anfragebeantwortung an Neos-Mandatar Gasser. „Wir gehen in den nächsten Jahren von einer Steigerung von 175 zusätzlichen Gruppen für Kinder aus, die derzeit noch keinen Betreuungsplatz haben.“ Hinzu kämen 50 Gruppen zur Ausweitung der Betreuungszeiten. Dafür sind Investitionskosten von einmalig 45,1 Millionen Euro nötig, für das Personal fielen jährlich zusätzlich 23,2 Millionen Euro an.

Am Donnerstag wird der Begutachtungsentwurf finalisiert, sagt Landesstatthalterin Schöbi-Fink. <span class="copyright">VN</span>
Am Donnerstag wird der Begutachtungsentwurf finalisiert, sagt Landesstatthalterin Schöbi-Fink. VN

Das Kinderbildungs- und -betreuungsgesetz solle den Ausbau erleichtern und einen Schub bringen, sagt Schöbi-Fink überzeugt. Auch bei der Ganztagsschule erwartet sie weitere Schritte. Aktuell ist knapp die Hälfte der Pflichtschüler zumindest mittags und/oder nachmittags betreut.

„Das Gesetz soll 2023 mit Beginn des Jahres in Kraft treten“, erläutert die Landesstatthalterin den Plan. Die Gemeinden bräuchten eine gewisse Vorlaufzeit, um die Eckpunkte bis zum Beginn des Schuljahres 23/24 sicherzustellen. Ursprünglich hätte das Gesetz ein Jahr früher wirksam werden sollen. Nun steht der Begutachtungsentwurf kurz vor seiner Finalisierung. Am Donnerstag soll es so weit sein.

Auf Details möchte Schöbi-Fink vorerst noch nicht eingehen. Dem Vernehmen nach wird es einen Stufenplan für einen Versorgungsauftrag geben – also für eine Art Rechtsanspruch. Kinder unter drei Jahren müssten sich demnach gedulden. Sie wären im Plan als letzte gereiht. Auch zur Flexibilität sind noch Fragen offen.

Laut Alexandra Kügerl wäre Eltern schon viel geholfen, „wenn sie das Kind auch dort in Kinderbetreuung bringen könnten, wo sie arbeiten. Das wäre logistisch viel feiner“.  Ab welchem Alter und in welchem Ausmaß Betreuung wahrgenommen werde, sei natürlich immer eine individuelle Entscheidung. „Die Voraussetzung dafür ist aber, dass es das entsprechende Angebot auch gibt.”