Neue Gesprächsrunde über Waffenruhe

Politik / 01.04.2022 • 22:24 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Diese Aufnahme aus Belgorod wurde von Russland verbreitet.

Diese Aufnahme aus Belgorod wurde von Russland verbreitet.

Russland wirft Ukraine aber erstmals Angriff auf eigenem Territorium vor, Evakuierungsversuch in Mariupol.

kiew, moskau Zum ersten Mal seit Beginn des Krieges hat Russland der Ukraine einen Angriff auf das eigene Territorium vorgeworfen. Ukrainische Hubschrauber hätten ein Treibstofflager im Westen Russlands angegriffen und einen Großbrand ausgelöst, so der Gouverneur der Region Belgorod, Wjatscheslaw Gladkow, am Freitag im Messengerdienst Telegram. Beide Seiten setzten ihre Verhandlungen um eine Waffenruhe dennoch fort. In Mariupol wurde ein neuer Versuch gestartet, Zivilisten zu retten.

Stellungnahme abgelehnt

Trotz des mutmaßlichen Angriffs in Belgorod wurden die Verhandlungen über eine Waffenruhe wieder aufgenommen. Der Kreml erklärte, der Angriff in Belgorod werde die Gespräche mit Kiew erschweren. Belgorod liegt rund 40 Kilometer von der ukrainischen Grenze und etwa 80 Kilometer von der ukrainischen Stadt Charkiw entfernt, die seit dem Beginn der russischen Offensive massiv attackiert wird. Das ukrainische Verteidigungsministerium lehnte eine Stellungnahme ab. Die Ukraine verteidige sich derzeit und könne nicht für “jede Katastrophe auf russischem Territorium” verantwortlich gemacht haben, sagt ein Ministeriumssprecher. “Ich werde diese Vorwürfe weder bestätigen noch dementieren.”

In Mariupol warteten die Menschen unterdessen immer noch verzweifelt auf Hilfe. Es gab Befürchtungen, dass die Evakuierung von Zivilisten aus der Stadt durch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) erneut scheitern könnte. Der Fluchtkorridor von der Hafenstadt ins 220 Kilometer entfernte Saporischschja sollte nach russischen Angaben eigentlich wieder geöffnet sein. Evakuierungsversuche waren in den vergangenen Wochen bereits mehrfach gescheitert. Nach Angaben eines Helfers in Saporischschja hatten rund 40 Busse mit 3000 Menschen versucht, die Stadt zu verlassen. “Wir wissen nicht, wann sie ankommen werden, das hängt von den Kontrollpunkten ab.” Bisher hat die Beschießung von Mariupol nach Angaben der Stadtverwaltung Schäden in Höhe von mindestens zehn Milliarden Dollar (neun Milliarden Euro) an der Infrastruktur verursacht. “Jedes Verbrechen, jeder Mord und jeder vom Aggressor begangene Akt der Zerstörung muss dokumentiert und an den Internationalen Gerichtshof weitergeleitet werden”, forderte Bürgermeister Wadym Boitschenko nach Angaben der Stadtverwaltung.

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj warnte, Mariupol und weitere Orte im Osten und Süden der Ukraine müssten sich auf noch heftigere Angriffe Russlands einstellen. Dass Moskau angekündigt habe, die Angriffe auf Kiew und Tschernihiw im Norden des Landes zurückzufahren, sei Teil ihrer Taktik, sagte Selenskyj. Die russische Armee wolle sich auf andere wichtige Gebiete konzentrieren, “in denen es schwierig für uns sein kann”. Auch nach Angaben des Kiewer Bürgermeisters Witali Klitschko kommt es nördlich und östlich der Hauptstadt zu heftigen Kämpfen. Zuvor hatte der Gouverneur der Region Kiew gesagt, dass sich die russischen Truppen aus einigen Gebieten zurückzögen, aber ihre Positionen in anderen Orten verstärkten.

In Mariupol blicken Bewohner auf ein zerstörtes Gebäude.

In Mariupol blicken Bewohner auf ein zerstörtes Gebäude.

Ein ukrainischer Soldat schießt in einem Graben an der Front östlich von Charkiw auf eine russische Drohne.   Reuters, AFP/Russian Emergencies Ministry
Ein ukrainischer Soldat schießt in einem Graben an der Front östlich von Charkiw auf eine russische Drohne.   Reuters, AFP/Russian Emergencies Ministry

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