Was die Windelschnecke in Sachen S 18 mit dem Wachtelkönig gemein hat

Politik / 01.04.2022 • 16:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Was die Windelschnecke in Sachen S 18 mit dem Wachtelkönig gemein hat
Die Windelschnecke kommt im Bereich des Autobahnknotens Dornbirn Nord vor. LUBW Baden-Württemberg

Bürgermeister Kurt Fischer sieht in dieser Minikreatur den Grund dafür, dass es keine Z-Variante geben wird.

Lustenau Der Wachtelkönig brachte vor Jahren viele verkehrsgeplagte Anrainer der Durchzugsstraßen im Unteren Rheintal zur Weißglut. Nicht weil das seltene Geschöpf jemanden direkt belästigt hätte. Der von kaum jemandem je gesehene und von nur einigen wenigen akustisch vernommene Vogel war einer der Hindernisse für den Bau einer Riedstraße, wurde für die Straßenbefürworter zum Symbol der Verhinderung der Verbindungsstraße.

Schnecken und andere Tiere

Jetzt bekommt der Wachtelkönig Konkurrenz. Diese nennt sich “Vierzähnige Windelschnecke”. Laut Lustenauer Bürgermeister Kurt Fischer ist dieses nur zwei Millimeter große Kriechtier wesentlich dafür verantwortlich, dass die direkte Z-Variante im Duell mit der wesentlich mehr Boden verbrauchenden CP-Variante unterlag. Das Tier kommt im Bereich der Autobahn Dornbirn-Nord gehäuft vor und soll geschützt werden. “Aber wer weiß”, deutet Fischer an, “vielleicht ist diese Entscheidung auch etwas Strategie. Dass wir in die Rolle gedrängt werden, eine Straßenlösung zu torpedieren. Aber das lassen wir nicht zu.”

Seitens der Asfinag räumt Regionalprojektleiter Günter Fritz ein, dass die schützenswerte Windelschnecke in besagtem Gebiet tatsächlich vorkommt. “Aber es kommen dort auch andere schützenswerte Tierarten und Vegetationen vor, zum Beispiel der Brachvogel und der Wachtelkönig. Wir mussten uns im Ausnahmeverfahren für jene Variante entscheiden, die weniger Auswirkungen auf den Naturraum hat”, wiederholt Fritz das Asfinag-Argument.

“Wir mussten uns für jene Variante entscheiden, die weniger Auswirkungen auf den Naturraum hat.” Günter Fritz, Asfinag

Kampf für autofreies Ried

Auf Wunsch Lustenaus wird bei der CP-Variante jetzt eine Trassenführung geprüft, welche neben der Zellgasse auch die Auflassung der Hofsteigstraße ermöglicht. “Weil sonst haben wir ja wieder eine Straße durchs Ried”, wirft Fischer ein.

Der Lustenauer Bürgermeister war am Mittwoch auf einer Agglomerations-Sitzung in der benachbarten Schweiz. “Dort schütteln sie den Kopf über die Vorgänge bei uns. Eine höherrangige Straße im Raum Hohenems – Diepoldsau wollen nicht nur meine Amtskollegen aus Hohenems und Altach nicht, sondern auch die Schweizer.”

Eine Schnecke mit Zähnen und Beschützern: Die vierzähnige Windelschnecke soll unbedingt geschützt werden. <span class="copyright">LUBW Baden-Württemberg</span>
Eine Schnecke mit Zähnen und Beschützern: Die vierzähnige Windelschnecke soll unbedingt geschützt werden. LUBW Baden-Württemberg

Null-Minus-Variante?

Im Zusammenhang mit dem anstehenden Neubau einer Brücke von Lustenau nach Au befürchtet der Bürgermeister eine Akzeptanz des Bauwerks als 24-Stunden-Grenzübergang. “Wir laufen in Lustenau Gefahr, eine Null-Minus-Variante zu bekommen.” Den Überlegungen von Mobilitätsministerin Gewessler nach Alternativensuche mit einem Beharren auf einen Übergang bei Hohenems kann Fischer nichts abgewinnen. “Aber die Grünen boxen ihre Agenda dort voll durch, wohl wissend, dass die ÖVP derzeit mit sich selbst beschäftigt ist.” Seine Ankündigung, notfalls auf EU-Ebene zu klagen, erneuert Fischer. “Wir sind Sanierungsgebiet der IG Luft. Wir werden den jetzigen Zustand niemals akzeptieren.”

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