Viele offene Fragen rund um die vierte Impfung

Politik / 03.04.2022 • 16:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Viele offene Fragen rund um die vierte Impfung
Für die zweite Auffrischungsimpfung gibt es noch keine EU-Empfehlung. Reuters

In den USA ist der zweite Booster für Ältere schon genehmigt. Europa könnte bald folgen.

Schwarzach Zumindest Erwachsene ab 50 und Immungeschwächte können sich in den Vereinigten Staaten ein weiteres Mal gegen Corona impfen lassen. Hierzulande gibt es noch keine entsprechende Empfehlung. Für bestimmte Gruppen mache das aber durchaus Sinn, sagt Gesundheitsexperte Armin Fidler. Möglicherweise gebe es künftig jährliche Impfungen.

Braucht es eine vierte Impfung?

Noch gibt es dazu keine Empfehlung der Europäischen Arzneimittelagentur EMA. In den USA hat das Pendant FDA aber bereits eine zweite Auffrischungsimpfung für Erwachsene ab 50 Jahren und immungeschwächte Menschen zugelassen. Frühestens vier Monate nach dem ersten Booster können sie sich den nächsten verabreichen lassen. Die EMA dürfte wohl bald folgen, vermutet der Gesundheitsexperte und Covid-Berater der Landesregierung Fidler. „Die vierte Impfung macht absolut Sinn.“ Er nennt in diesem Zusammenhang neben älteren und immunsupprimierten Personen und Menschen mit Vorerkrankungen, etwa auch Gesundheitspersonal als Zielgruppe. Erst vor kurzem seien neue Studien aus Israel mit klarer Datenlage erschienen.

Welche Erfahrungen hat Israel gemacht?

Daten zu mehr als 560.000 Menschen zwischen 60 und 100 Jahren, die zum Teil drei Mal, zum Teil ein viertes Mal geimpft worden sind, erscheinen vor einigen Tagen als sogenanntes Preprint, also noch ohne die übliche externe Begutachtung. Demnach ist die Sterblichkeit in der vierfach geimpften Gruppe im Vergleich zu den nur einmal Geboosterten um 78 Prozent verringert gewesen.

Was sagt das Nationale Impfgremium (NIG)?

Anfang März aktualisierte das NIG seine Anwendungsempfehlungen. Hochrisikopersonen, sowie Menschen ab 65 Jahren, bei denen ein kürzerer Impfschutz zu erwarten sei, könne demnach, sollten es hohe tägliche Fallzahlen und die Viruszirkulation notwendig machen, frühestens ab sechs Monaten nach der dritten Impfung eine weitere angeboten werden. Eine allgemeine Empfehlung gibt es aber nicht. Davor sei eine individuelle Nutzen-Risiko-Abwägung durch den Arzt notwendig; die Impfung erfolge auf persönlichen Wunsch, also Off-Label.

Müssen sich auch Menschen ein viertes Mal impfen lassen, die sich nach dem ersten Booster angesteckt haben?

„Es gibt noch zu wenige Daten, um das wissenschaftlich zu untermauern“, gibt Public-Health-Experte Fidler zu bedenken. Allerdings könnten sich diese Personen wohl Zeit lassen. „Mindestens sechs Monate lang dürfte noch eine Immunität bestehen.“ Fest stehe: Eine Kreuzimmunität durch Impfung sei besser als durch Ansteckung mit Omikron. Offen bleibe nämlich, ob diese auch vor anderen Varianten schützen kann.

Sollen sich Kinder ein viertes Mal impfen lassen?

Derzeit ist noch nicht einmal die dreifache Impfung für die Jüngsten empfohlen. Die EMA gab erst für Kinder ab zwölf Jahren im Februar grünes Licht. Fidler verweist darauf, dass es noch in keinem Land eine entsprechende Empfehlung gebe. „Aber es können auch junge Menschen Risikopatienten sein, etwa jene mit schwerer Diabetes oder Trisomie 21.“ Bei ihnen könne der vierte Stich nach sechs Monaten empfehlenswert sein, zumal Kinder kaum Nebenwirkungen entwickelten. Für die Zukunft hält es der Experte für möglich, dass alle Menschen einmal im Jahr ihre Impfung auffrischen sollten, vielleicht auch zwei Mal. Diesbezüglich gebe es noch viele offene Fragen, zum Beispiel mit Blick auf die Entwicklung angepasster Impfstoffe. „Vielleicht könnte das auch nur Risikogruppen betreffen, und die anderen Menschen infizieren sich. Wir wissen allerdings auch, dass die Impfung vor Long Covid schützt.“

Du hast einen Tipp für die VN Redaktion? Schicke uns jetzt Hinweise und Bilder an redaktion@vn.at.