Es wird mehr geschlachtet

Politik / 11.04.2022 • 04:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Es wird mehr geschlachtet
Markus Gstach hat heuer schon mehr geschlachtet als im ganzen Jahr zuvor. GSTACH

Mit dem neuen Metzgerei-Netzwerk kamen heuer mehr Tiere auf die Schlachtbank als im alten Schlachthof.

Schwarzach Markus Gstach hat heuer bereits mehr Tiere geschlachtet als im gesamten Jahr zuvor. Der Rankweiler bildet gemeinsam mit dem Hofmetzger Hubert Natter aus Andelsbuch das neue Metzgerei-Netzwerk in Vorarlberg, das den Dornbirner Schlachthof ersetzen soll. Trotz äußerst kurzer Vorlaufzeiten gelang es ihnen, die Kapazitäten zu übernehmen, wie der zuständige Landwirtschaftslandesrat Christian Gantner (ÖVP) berichtet.

Fünf Jahre verstrichen

Der Dornbirner Schlachthof ist seit Ende des Jahres Geschichte. Zuvor kamen dort zwischen 5400 und 6400 Tiere jährlich auf die Schlachtbank. Die Politik scheiterte daran, eine Alternativ aufzugleisen. „Man hat fünf Jahre verstreichen lassen“, sagt Gstach. „Erst sechs Wochen vor der Deadline ist man auf uns zugekommen.“ Das habe die Vorbereitungen für höhere Schlachtkapazitäten deutlich erschwert. „Normalerweise reden wir nicht von ein paar Wochen, sondern von einer Vorlaufzeit von eineinhalb bis zwei Jahren.“ Der Ausbau seines Betriebs stehe erst an, und er werde teuer: „Wir stehen unter Druck, weil wir müssen bauen. Egal um welchen Preis.“ Auch Hubert Natter spricht von einer Belastung. Zum einen sei die Überlastung der Baubranche spürbar, zum anderen treibe die Inflation die Preise in die Höhe.

Es sei möglich, die Kapazitäten sogar noch auszubauen, sagt Gantner. <span class="copyright">VN/PAULITSCH</span>
Es sei möglich, die Kapazitäten sogar noch auszubauen, sagt Gantner. VN/PAULITSCH

Abseits knapper Kapazitäten im Kühlbereich und bei der Stallung laufe es nach den ersten zwei, drei Monaten aber gut. Beide Metzger erzählen, alle notwendigen Zertifizierungen abgeschlossen zu haben. Natter berichtet, seine Schlachttage auf zwei verdoppelt zu haben. Gstach erweiterte seine Kapazität um das Achtfache. „Das ist eine enorme Herausforderung, die wir mit hohem persönlichem Einsatz bewerkstelligen.“ Der anstehende Ausbau der Kühlbereiche werde vieles erleichtern: „Im Herbst/Winter wird sich somit vieles zum Positiven wenden.“ Bei der finanziellen Unterstützung des Landes sieht der Metzger noch Luft nach oben.

Zwei Förderschienen

Im Rahmen des neuen Schlachtnetzwerks gibt es zwei Fördermöglichkeiten. Zum einen unterstützt das Land Maßnahmen, die helfen, Schlachtkapazitäten auszuweiten. Das reicht von der Zertifizierung bis hin zur Verbesserung der Qualitätssicherung. Im Einzelfall können binnen drei Jahren bis zu 200.000 Euro gewährt werden. Außerdem fördert das Land betriebliche Investitionen mit bis zu 40 Prozent. Dazu zählt unter anderem der Ausbau der Kühlleistung oder der Schlachtinfrastruktur. So sei es möglich, die Kapazitäten im Vergleich zum alten Schlachthof in Dornbirn auszubauen, hält Gantner fest. Weitere Betriebe hätten Interesse bekundet, sich am Metzgereinetzwerk zu beteiligen.

137 Tiere mehr geschlachtet

Schon jetzt konnten im neuen Netzwerk mehr Tiere in Vorarlberg geschlachtet werden, als im Vergleichszeitraum 2021 im Schlachthof Dornbirn, freut sich der Landesrat. Im Jänner und Februar 2022 kamen über 2700 Kälber und Rinder auf die Schlachtbank, das sind 137 Tiere mehr als im Jahr zuvor. Die Zahl der Schweineschlachtungen liege noch nicht vor. Doch auch hier deutet alles auf ausreichende Kapazitäten hin.

Was mit dem Dornbirner Schlachthof passiert, ist noch unklar. <span class="copyright">VN</span>
Was mit dem Dornbirner Schlachthof passiert, ist noch unklar. VN

Was aus dem alten Dornbirner Schlachthof wird, ist weiterhin unklar. Es brauche zuerst die richtigen Ideen zur weiteren Stadtentwicklung in diesem Bereich. Vorübergehend käme es in Frage, den alten Schlachthof als Lagerfläche zu benutzen. Die Finanzabteilung der Stadt habe auch dazu geraten, ihn zu vermieten. Für die Zeit danach würde in alle Richtungen vom Wohnen über einen neuen Bildungsstandort hin zu Flächen für den Einzelhandel nachgedacht. Schnellschüsse wären hier aber fehl am Platz, betont Stadtrat Julian Fässler (ÖVP). Fest steht aber: „Längerfristig wird der Schlachthof nicht stehenbleiben.“