Gewalt auf dem Tempelberg

Politik / 15.04.2022 • 22:43 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Rettungskräfte transportieren einen Verletzten ab. Die Auseinandersetzungen brachen nach dem Ende der Morgengebete bei der Al-Aksa-Moschee aus. AFP
Rettungskräfte transportieren einen Verletzten ab. Die Auseinandersetzungen brachen nach dem Ende der Morgengebete bei der Al-Aksa-Moschee aus. AFP

Verschärfte Spannungen in Israel: Mehr als 150 Verletzte bei Zusammenstößen.

jerusalem Auf dem Tempelberg in Jerusalem ist es zu Zusammenstößen zwischen israelischen Sicherheitskräften und Palästinensern mit mehr als 150 Verletzten gekommen. Die Gewalt brach am Freitagmorgen nach dem Ende der Morgengebete bei der Al-Aksa-Moschee aus. Die Auseinandersetzungen verschärften die Spannungen in der Region nach einer Terrorwelle in Israel in den vergangenen Wochen weiter.

Erinnerung an Kreuzweg

Überschattet von den Zusammenstößen erinnerten am Freitagvormittag Hunderte Christen in Jerusalem an den Kreuzweg Jesu. Die Prozession zog durch die Altstadt. Es gab ein großes Aufgebot an Sicherheitskräften. Erstmals seit drei Jahren konnten wieder Touristen und Pilger zu Ostern ins Heilige Land einreisen. Wegen der Corona-Pandemie hatte Israel vor mehr als zwei Jahren seine Grenzen für Besucher geschlossen. Erst seit März ist die Einreise für ungeimpfte Touristen wieder erlaubt.

Dieser Freitag wurde ohnehin mit Spannungen erwartet. Zehntausende Muslime kamen zum Freitagsgebet in die Jerusalemer Altstadt, um während des muslimischen Fastenmonats Ramadan auf dem und um den Tempelberg (Al-Haram al-Scharif) zu beten. Am Abend begann auch das jüdische Pessachfest, das zusätzlich Gläubige und Besucher anzieht.

Die israelische Polizei erklärte, Palästinenser hätten sich am Morgen in der Al-Aksa-Moschee verbarrikadiert, Steine geworfen und Feuerwerkskörper gezündet. Unter rund 12.000 Gläubigen hätten sich etwa 100 Randalierer befunden. Der palästinensische Rote Halbmond meldete, mindestens 152 Palästinenser seien verletzt worden, als israelische Sicherheitskräfte Tränengas und Gummigeschosse eingesetzt hätten. Medien zufolge wurden auch drei israelische Polizisten verletzt. Die israelischen Sicherheitskräfte drangen auch in die Al-Aksa-Moschee selbst ein. Hunderte Palästinenser seien festgenommen worden, teilte die israelische Polizei fest. Außenminister Jair Lapid erklärte auf Twitter, die Ausschreitungen seien inakzeptabel. Die Fatah-Bewegung von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas und die im Gazastreifen herrschende islamistische Hamas wiederum beschuldigten die israelischen Sicherheitskräfte.

Die Vereinten Nationen und die Europäische Union zeigten sich besorgt. Der UN-Nahost-Beauftragte Tor Wennesland rief beide Seiten auf, weitere Provokationen zu verhindern. Auch ein Sprecher des auswärtigen Dienstes der EU erklärte, die Gewalt müsse sofort aufhören. Der Tempelberg ist immer wieder Ort von Auseinandersetzungen zwischen beiden Seiten. Mit dem Felsendom und der Al-Aksa-Moschee ist er die drittheiligste Stätte im Islam. Dort standen früher auch zwei jüdische Tempel, von denen der letzte im Jahr 70 von den Römern zerstört wurde. Die Klagemauer ist ein Überrest jenes zerstörten Tempels und die heiligste Stätte der Juden.

Die Sicherheitslage in Israel und den Palästinensergebieten war bereits zuvor extrem angespannt: In den vergangenen Wochen wurden bei vier Anschlägen in Israel 14 Menschen getötet. Die Attentäter waren bei zwei Anschlägen israelische Araber mit Verbindungen zur Terrororganisation Islamischer Staat. Bei den beiden anderen Attentaten waren die Angreifer Palästinenser aus dem besetzten Westjordanland. Erst vergangene Woche hatte ein Palästinenser in Tel Aviv drei Menschen erschossen.

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