Globalisierung

Politik / 01.05.2022 • 22:39 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Die Globalisierung war ja ein so schöner Traum: Das Zusammenarbeiten und Verflechten von Staaten, Politik, Wirtschaft und Kultur sollte – und hat – viel Wohlstand und Sicherheit gebracht und persönliche Freiheiten garantiert. Dass damit zum Teil auch beklagenswerte Schattenseiten, wie ruinöse Praktiken, Ausbeutung von Schwachen und Umweltsünden zu beklagen sind und waren, ist ebenfalls nicht zu bestreiten. Aber die Grundidee war und ist ja richtig: Wenn Nationalstaaten über Landesgrenzen hinweg Zusammenarbeit praktizieren, Handel treiben und sich gemeinschaftlich um Lösungen für Probleme bemühen, entstehen gegenseitige und den Frieden sichernde Abhängigkeiten. Da ein anderes Land kriegerisch erobern zu wollen, auf dessen Nahrungsmittelexporte es angewiesen ist, wäre politischer und wirtschaftlicher Selbstmord.

Der unter dem Eindruck des 1. Weltkrieges 1920 von 58 Staaten gegründete „Völkerbund“ hat sich als unvollkommener und letztlich gescheiterter Versuch zur Friedenssicherung erwiesen. Die nach den Schrecken des 2. Weltkrieges vereinbarte und schließlich zur Europäischen Union mutierte Zusammenarbeit europäischer Staaten wurde dagegen zum vielfach unterschätzten Erfolg. Einer, der sicherheitspolitisch durch Kooperation mit anderen Partnern wie der Nato mit ihren gegenseitigen Beistandsverpflichtungen abgesichert wird.

In die Erfolgsgeschichte der europäischen Globalisierung grätscht Kremlchef Wladimir Putin mit seinem Eroberungskrieg in der Ukraine dazwischen und legt die Wunde der weitgehend unorganisierten Globalisierung offen: Schlagartig werden mit dem Krieg die globalen Handels- und Versorgungsströme unterbrochen, mit der Folge wirtschaftlichen Niedergangs überall und drohenden Hungerkatastrophen. Der Moskauer Friedens-Zerstörer nutzt die Globalisierung auf perfide Weise als Waffe. Indem er von russischen Öl- und Gaslieferungen abhängige und ein Kriegsende verlangende Staaten mit einem Lieferstopp bedroht und zum Teil schon praktiziert. Das Verhalten Putins disqualifiziert nicht die Globalisierung und auch nicht ihren Allgemeinnutzen. Es unterstreicht nur das notwendige Streben nach einer besser organisierten Arbeitsteilung. Das Flickwerk nationaler Handelsverträge und Regelungen von Organisationen wie der WTO, bedarf dringend einer Revision. Eine, die mörderische und selbstmörderische Wahnsinnsaktionen wie die des russischen Präsidenten unmöglich macht. Das Schicksal des „Völkerbunds“ darf sich nicht wiederholen. Das Leben Aller steht auf dem Spiel.

„Der Moskauer Friedenszerstörer nutzt die Globalisierung jetzt auf perfide Weise als Waffe.“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at