Russland verzeichnet offenbar erhebliche Verluste

Politik / 02.05.2022 • 11:50 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Von 120 der eingesetzten russischen Bataillone seien 25 Prozent kampfunfähig.<span class="copyright"> AP</span>
Von 120 der eingesetzten russischen Bataillone seien 25 Prozent kampfunfähig. AP

Britische Regierung: Viertel der Bataillone kampfunfähig – Kiew meldet Zerstörung von zwei Patrouillenbooten – Weitere russische Angriffe im Osten.

Kiew, Moskau Der Krieg in der Ukraine verursacht auf russischer Seite nach britischen Angaben immer größere Verluste. Wie das britische Verteidigungsministerium am Montag auf Twitter mitteilte, sei es wahrscheinlich, dass ein Viertel der eingesetzten 120 Bataillone mittlerweile kampfunfähig sei. Am Montag meldete Kiew die Zerstörung von zwei russischen Patrouillenbooten. Russland setzte unterdessen nach ukrainischen Angaben seine Angriffe im Osten der Ukraine fort.

Eine ukrainische Drohne des Typs Bayraktar habe die Schiffe aus der Raptor-Serie am frühen Morgen nahe der Schlangeninsel im Schwarzen Meer zerstört, teilt der ukrainische Generalstabschef Walerij Saluschnyj über den Messengerdienst Telegram mit. Aus Moskau gab es dazu zunächst keine Reaktion.

Mitte April war das Flaggschiff der russischen Schwarzmeerflotte, der Raketenkreuzer “Moskwa”, gesunken. Russland hatte damals die Darstellung der Regierung in Kiew zurückgewiesen, die “Moskwa” sei von ukrainischen Raketen getroffen worden. Vielmehr habe ein Feuer an Bord eine Munitionsexplosion ausgelöst, das Schiff sei dann in schwerem Seegang beim Abschleppen gesunken.

Nach Meinung des britischen Verteidigungsministerium erlitten auch einige der russischen Eliteeinheiten wie Luftlandetruppen seit Beginn des Kriegs erhebliche Verluste. “Es wird wahrscheinlich Jahre dauern, bis Russland diese Truppen wieder aufstellen kann.”

Zudem häufen sich Berichte über Anschläge oder Beschuss auch auf russischem Territorium. In der südrussischen Region Belgorod, die an die Ukraine grenzt, ereigneten sich in den frühen Morgenstunden zwei Explosionen, wie der Gouverneur der Region, Wjatscheslaw Gladkow, in den sozialen Medien schrieb. Es habe keine Verletzten oder Schäden gegeben.

Die ukrainische Regierung hat sich bisher nicht zu Angriffen auf russisches Territorium bekannt. Beide Seiten sprechen von sehr hohen Verlusten der anderen Seite. Während ukrainische Behörden von 23.000 getöteten russischen Soldaten sprechen, gibt die russische Regierung eine ähnlich hohe Anzahl an Toten auf ukrainischer Seite an. Unabhängig konnten die Angaben nicht überprüft werden.

Russland setzte nach Angaben der Ukraine seine Angriffe im Osten des Landes fort. Die russischen Truppen versuchten, die Stadt Rubischne einzunehmen und bereiteten einen Angriff auf Sjewjerodonezk vor, erklärte der ukrainische Generalstab. Im weiter östlich gelegenen Dnipro traf eine russische Rakete ein Getreidesilo, wie der zuständige Gouverneur Walentyn Resnitschenko mitteilt. Niemand sei verletzt worden. In der Region Luhansk wurden nach Angaben von Gouverneur Serhij Gaidai in den vergangenen 24 Stunden drei Menschen bei Angriffen getötet.

Am Sonntag waren aus dem von russischen Truppen belagerten Stahlwerk Asowstal in der südostukrainischen Hafenstadt Mariopol mehrere Dutzend Zivilisten evakuiert worden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj sprach von 100 Zivilisten, die russische Seite von 80. Die Ukraine hofft auf Fortsetzung der Evakuierung. “Ich hoffe, dass morgen (Montag) alle notwendigen Bedingungen erfüllt sind, um weiterhin Menschen aus Mariupol zu evakuieren”, sagte Selenskyj am Sonntagabend in seiner täglichen Videobotschaft. “Wir werden weiterhin alles tun, um unsere Leute aus Azovstal und aus Mariupol insgesamt zu evakuieren”, sagte er.

Russische Truppen belagern seit Wochen die durch Beschuss stark zerstörte Stadt. Während sie weite Teile der Stadt erobert haben, haben sich einige hundert ukrainische Soldaten und Kämpfer in dem Stahlwerk verschanzt. Auch Zivilisten haben dort Zuflucht gesucht. Seit Tagen gibt es Appelle an die russischen Truppen, die dort eingeschlossenen Frauen und Kinder passieren zu lassen. Die ukrainischen Soldaten wollen sich bisher nicht ergeben. APA