Auf den Ernstfall vorbereitet? Österreich rutschte mit Öl und Gas in die Abhängigkeit

Politik / 09.05.2022 • 05:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Ab 2023 sollen kaputte Öl- und Kohleheizungen nur noch durch grüne Heizsysteme ersetzt werden. Das sieht Gewesslers Gesetzesentwurf vor. <span class="copyright">APA</span>
Ab 2023 sollen kaputte Öl- und Kohleheizungen nur noch durch grüne Heizsysteme ersetzt werden. Das sieht Gewesslers Gesetzesentwurf vor. APA

Vorbereitungen auf möglichen Lieferstopp von Öl und Gas aus Russland laufen. Umstieg auf grüne Energie soll beschleunigt werden.

Schwarzach Gas, Öl und Kohle haben ein Ablaufdatum. Bis 2025 müssen alle Ölkessel, die älter als 25 Jahre sind, ausgetauscht werden. Zehn Jahre später soll es gar keine mehr geben. Ein ähnliches Schicksal droht bis 2035 auch den ersten Gasheizungen. In Neubauten sollen sie bereits ab 2023 verboten sein. Das ist nach Angaben des Klimaschutzministeriums von Leonore Gewessler im Entwurf des Erneuerbaren-Wärme-Gesetz vorgesehen: “Wir arbeiten daran, dass es so schnell wie möglich in Kraft treten kann.” Das Gesetz sei ein zentraler Baustein für mehr Unabhängigkeit von russischem Erdgas.

Herausforderung Gasversorgung

Ein Blick auf den Verbrauch fossiler Energie verdeutlicht das Gewicht, wie die Beantwortung einer Neos-Anfrage durch die Landesräte Daniel Zadra (Grüne) und Marco Tittler (ÖVP) zeigt. Das Land zählt 34.200 Kunden, die Erdgas beziehen. Dieses kommt ausschließlich aus dem deutschen Netz, wo der russische Anteil rund 55 Prozent beträgt. In Österreich ist er mit rund 80 Prozent deutlich höher.

Um einem möglichen Lieferstopp vorzubeugen, ordnete die Bundesregierung in Wien daher an, die Speicher von aktuell rund 16 Prozent auf mindestens 80 Prozent zu füllen. Sie lässt sich das 6,6 Milliarden Euro kosten. “Es ist auch Aufgabe des Bundes, rechtlich sicherzustellen, dass Gasreserven aus österreichischen Speichern im Krisenfall über das deutsche Gasnetz nach Vorarlberg geliefert werden”, erklären Tittler und Zadra dazu. Eine direkte Verbindung in den Osten des Bundesgebiets gibt es nicht. Sowohl private Haushalte als auch die Industrie sind auf Erdgas angewiesen. Hauptabnehmer sind die Sektoren Nahrungs- und Genussmittel, Textil, Druck, Metall, Maschinen- und Fahrzeugbau.

Tittler: Die Industrie ist stark von Gas abhängig. <span class="copyright">VN</span>
Tittler: Die Industrie ist stark von Gas abhängig. VN

Das auf EU-Ebene diskutierte Ölembargo hätte weniger Folgen. Zwar sind noch 25.000 Ölkessel in Vorarlberg installiert, die Abhängigkeit von Russland ist aber kleiner. Gerade einmal acht Prozent kommen von dort nach Österreich. Hauptlieferanten sind Kasachstan, Libyen und der Irak. Für Vorarlberg könnte aber wiederum die Lage Deutschlands schlagend werden, das auf Russland angewiesen ist. Die meisten Ölkessel sind in Wohngebäuden installiert. Der Blick auf alle Ölprodukte zeigt, dass vor allem die Bauindustrie von einem Embargo betroffen wäre. 

Umstieg wird gefördert

Kohle bleibt eine Randgröße. Der Lieferstopp aus Russland sei gut zu kompensieren, sagen die Landesräte. Der Umstieg aus der Kohleheizung werde gefördert. Gleiches gilt für Heizöl und Gas. Die Bundesregierung stellt 440 Millionen Euro dafür bereit, das Land Vorarlberg zusätzlich drei Millionen. Die Nachfrage ist groß, wie das Energieinstitut weiß. “Wir haben mit über 1100 Beratungen bereits im April den Stand vom gesamten Vorjahr erreicht”, erklärt Kommunikationsleiter Wolfgang Seidel. Die Beratung ist für alle, die aus Öl und Gas aussteigen wollen, kostenlos. 

Die Energiewende wurde laut Zadra auch zur sicherheitspolitischen Frage. <span class="copyright">VN</span>
Die Energiewende wurde laut Zadra auch zur sicherheitspolitischen Frage. VN

Im Ernstfall Produktion stoppen

Der Krieg in der Ukraine hat die Dringlichkeit des Umstiegs verdeutlicht. Ein allfälliger Gaslieferstopp Russlands hätte Energielenkungsmaßnahmen zur Folge. Derzeit befindet sich Österreich in der Frühwarnstufe. Das heißt, der Gasmarkt wird genau überwacht. Verschärft sich die Lage, folgt die Alarmstufe. “Dann werden große Industrieunternehmen aufgefordert, ihren Erdgasverbrauch zu reduzieren, ihre Produktion zu drosseln oder einzustellen”, heißt es aus dem Klimaschutzressort. Das träfe auf rund 50 Unternehmen in Österreich zu, etwa im Bereich der Zement-, Stahl- oder Glasindustrie. Laut Tittler und Zadra wäre kein Vorarlberger Betrieb davon betroffen.

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