London: Russland hat Großteil von Sjewjerodonezk eingenommen

Politik / 02.06.2022 • 09:36 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
London: Russland hat Großteil von Sjewjerodonezk eingenommen

Russische Truppen haben nach britischer Einschätzung den Großteil der umkämpften ostukrainischen Großstadt Sjewjerodonezk eingenommen.

Kiew, London Unterstützt von heftigen Artillerieangriffen machten die Streitkräfte örtliche Geländegewinne, teilte das Verteidigungsministerium in London am Donnerstag mit. Sie erlitten aber schwere Verluste. Die Hauptstraße in die Stadt hinein werde vermutlich noch von ukrainischen Einheiten gehalten, hieß es unter Berufung auf Geheimdiensterkenntnisse.

Es gäbe mehrere Stellen, an denen Russland erneut versuchen könnte, den Fluss Siwerski Donez zu überqueren, der eine natürliche Verteidigungslinie der ukrainischen Truppen darstellt. Hätten die russischen Streitkräfte dort Erfolg, könnten sie das Gebiet Luhansk sichern und sich stärker auf das angrenzende Gebiet Donezk konzentrieren, so das britische Verteidigungsministerium. Beide potenziellen Stellen zur Flussüberquerung – zwischen Sjewjerodonezk und der Nachbarstadt Lyssytschansk sowie nahe der kürzlich eroberten Stadt Lyman – seien aber weiterhin unter ukrainischer Kontrolle. Die Ukrainer hätten mehrere Brücken zerstört, um den Russen ihren Vormarsch zu erschweren.

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London geht davon aus, dass die russischen Truppen mindestens eine kurze taktische Pause benötigen, um eine Flussüberquerung und weitere Angriffe im Gebiet Donezk vorzubereiten. Dort hätten die ukrainischen Einheiten Verteidigungspositionen vorbereitet. Damit aber drohe die russische Offensive an Schwung zu verlieren.

Auch dem Lagebericht des ukrainischen Generalstabs von Donnerstag zufolge greifen russische Truppen Sjewjerodonezk massiv an. Wie viele Bezirke der einstigen Großstadt die Ukrainer noch halten, sei unklar. Schon am Mittwoch hatten die Russen das Stadtzentrum eingenommen. Gefechte in den Vororten Bobrowe und Ustyniwka hätten den russischen Truppen trotz Unterstützung durch Granatwerfer aber keinen Erfolg gebracht, hieß es nun. Dafür räumen die ukrainischen Militärs der russischen Offensive in Komyschuwacha zumindest “teilweise Erfolg” ein. Die städtische Siedlung liegt südlich von Lyssytschansk.

Auch andere Teile im Osten und Nordosten der Region würden beschossen, erklärte der Generalstab der Streitkräfte. Dort wurden nach offiziellen Angaben mindestens vier Zivilisten getötet und zehn verletzt. Russland bestreitet, dass seine Soldaten auf die Zivilbevölkerung zielten. An anderen Frontabschnitten blieb es demnach vergleichsweise ruhig.

Vier dieser Raketenwerfer sollen die Ukraine schlagkräftiger machen

Die Beschaffung von Mehrfachraketenwerfern kristallisiert sich als die aktuelle Priorität der Ukraine heraus. Im Vergleich zur Rohrartillerie, wie die gelieferten Haubitzen und Panzerhaubitzen, hat der Raketenwerfer einen anderen Einsatzschwerpunkt: Mehrfachraketenwerfer können ein weit entferntes Gebiet schnell mit viel Feuerkraft eindecken wie auch Minengürtel aus der Entfernung legen. Im Vergleich zur Rohrartillerie wird ein größeres Gebiet in kürzester Zeit flächendeckend mit Feuer eingedeckt, sie hat aber eine längere Nachladezeit und lässt sich leichter orten. Sie sind damit vor allem eine Schwerpunktwaffe, mit der Durchbrüche direkt vor einem Angriff vorbereitet oder Rückzugsflächen des Gegners im Gefecht verweigert werden.

Die gewöhnliche Artillerie hingegen wirkt im Vergleich auf kürzere Distanzen in der Raumverweigerung oder Schwächung des Gegners, sei es durch Beschuss von Kampflinien oder der Versorgungswege und Bereitstellungsräume. Sie kann theoretisch das Feuer auch über einen längeren Zeitpunkt konstant aufrechterhalten.

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