Krieg mal anders

Politik / 20.06.2022 • 22:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Preisfrage: Was ist das westlichste Nachbarland der EU? Also welches Land, von Europa aus gesehen, hat eine gemeinsame Grenze mit einem EU-Staat? Antwort, und das ist seit der vergangenen Woche kein Witz: Kanada. Und um das zu erreichen, wurde ein fast 50 Jahre langer Krieg, bei dem die „Kriegsteilnehmer” alle regelmäßig angeheitert waren und niemand sonst zu Schaden kam, ganz friedlich beendet: Der „Whiskey-Krieg” auf der Hans-Insel in der Arktis. Auf halbem Weg zwischen dem Arctic Circle und dem Nordpol.

Am vergangenen Dienstag unterzeichneten die Außenminister Dänemarks und Kanadas dazu in Ottawa den Friedensvertrag über die im Kennedy-Kanal zwischen Kanada und dem dänischen Grönland liegende und gerade mal einen Quadratkilometer große unbewohnte Insel, auf der nichts blüht und gedeiht. Und wo auch niemand hin und nach möglichen Bodenschätzen graben will.

Nur Soldaten aus Kanada und Dänemark kamen seit 1973 – demonstrativ ohne Waffen – öfter mal vorbei, nagelten zur Untermauerung des Besitzanspruchs die jeweilige Landesflagge an einen mitgebrachten Stock und ließen stets eine Flasche dänischen Akvavit oder kanadischen Whiskey zurück. Beim Gegenbesuch des Kriegsgegners wurden die Flaggen sorgsam eingewickelt und an den Eigentümer zurückgeschickt. Und die hochprozentigen Freundschaftsgaben bestimmungsgemäß vernichtet.

Bei der Unterzeichnung des Friedensvertrages tauschten die beiden Außenminister denn auch adäquate Gastgeschenke in Flaschen aus. Mit dem Vertrag, der das Inselchen ungefähr in der Mitte teilt, wollen die beiden Regierungen gerade während des russischen Eroberungskrieges in der Ukraine demonstrieren, “dass Meinungsverschiedenheiten zwischen Staaten auch ohne Waffengewalt gelöst werden können”.

Was auch an anderer Stelle zu besichtigen ist: Denn in Sichtweite der Provinz Neufundland und Labrador gibt es eine weitere Grenze zwischen Kanada und der EU. Die Inselgruppe von St. Pierre & Miquelon ist französisches Staatsgebiet mit rund 6000 Bewohnern. 1992 vereinbarten die Regierungen von Ottawa und Paris, ebenfalls ohne Krieg, dass es auch so bleiben soll.

Was zu einer weiteren Preisfrage führt, die sich vor allem an einen Kreml-Diktator und alle anderen „Kriegsherren” der Welt richtet: Warum nehmen die nicht zur Kenntnis, dass mörderische Kriege vom Zaun zu brechen nichts anderes als verabscheuungswürdige Verbrechen sind? Es gibt für die Lösung von Konflikten schließlich die Alternative der Diplomatie. Siehe oben.

„Warum nehmen die nicht zur Kenntnis, dass mörderische Kriege verabscheuungswürdige Verbrechen sind?“

Peter W. Schroeder

berichtet aus Washington, redaktion@vn.at