Steigender Bedarf an 24-Stunden-Betreuung

Gesund / 20.06.2022 • 05:55 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
Steigender Bedarf an 24-Stunden-Betreuung
AFP/Parnaby, VN/Paulitsch

Indexierung der Bundesförderung verlangt. Wiesflecker will mit Rauch reden.

Bregenz Die Nachfrage nach einer 24-Stunden-Betreuung nimmt zu. Soziallandesrätin Katharina Wiesflecker spricht von einer halbjährlichen Steigerungsrate von fünf Prozent. Geschuldet ist dies unter anderem den rund 150 Pflegeheimbetten, die entweder wegen Personalmangel oder Umbau geschlossen sind.

Gleichzeitig belastet die anhaltende Teuerungswelle viele Haushalte. In Vorarlberg vermag die vom Land 2019 eingeführte Zusatzförderung von bis zu 600 Euro monatlich das Gröbste noch einigermaßen abzufedern. Allerdings hält Wiesflecker eine Anpassung der Bundesförderung, die aktuell bei 550 Euro pro Monat liegt, für dringend notwendig.

Sie will diese, auch von der Wirtschaftskammer Österreich eingebrachte Forderung bei den nächsten Gesprächen mit Gesundheitsminister Johannes Rauch jedenfalls auf den Tisch bringen, denn: „Es wäre wichtig, diese Förderung in das vom Bund beschlossene Paket der Indexierung der Sozialleistungen aufzunehmen.“ 

Anhebung auf 700 Euro

Die 24-Stunden-Betreuung drohe für immer mehr Familien in Österreich unleistbar zu werden, warnte unlängst der Obmann des Fachverbandes Personenberatung und Personenbetreuung in der Wirtschaftskammer Österreich, Andreas Herz. Er kritisierte, dass die 2007 vom Bund beschlossene Förderung in Höhe von 550 Euro monatlich seither kein einziges Mal an die Inflation angepasst worden sei. Das bedeute einen Kaufkraftverlust von mehr als 27 Prozent. Die mit Nachdruck verlangte Valorisierung würde einer Anhebung auf 700 Euro entsprechen. In diesem Zusammenhang positiv vermerkt wurde die zusätzliche Landesförderung für die 24-Stunden-Betreuung in Vorarlberg.

Waltraud Bilgeri vom Betreuungspool spricht insgesamt von einem Ost-West-Gefälle. „Wir spüren schon, dass die Menschen finanziell zum Teil an ihre Grenzen stoßen“, sagt Bilgeri. Betreuungsverhältnisse seien deshalb aber bislang nicht aufgelöst worden. „Die Landesförderung leistet da ein wichtiger Beitrag“, betont sie. Im Gleichwohl wünscht auch die Geschäftsführerin des Betreuungspools eine Anhebung der Bundesförderung auf 700 Euro. Eine 24-Stunden-Betreuung kostet derzeit monatlich rund 2500 Euro. Der Bund zahlt 550 Euro dazu, das Land einkommensgestaffelt bis zu 600 Euro. Den großen Rest müssen die betreuten Personen oder deren Familien selbst berappen. Kein Mangel besteht indes an Personenbetreuerinnen. Im Betreuungspool sind aktuell rund 1600 gelistet, und die Bewerbungen reißen nicht ab. Sogar hier tätige Personenbetreuerinnen würden Interessentinnen in ihren Herkunftsländern anwerben, nennt Bilgeri die faire Bezahlung sowie den fairen Umgang als Hauptgründe für das große Interesse, und sie bekräftigt: „Das hat uns auch in der Pandemiezeit sehr geholfen.“