Wer sich erneut impfen lassen sollte

Politik / 22.06.2022 • 08:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Im Herbst könnte es möglicherweise einen angepassten Impfstoff geben. <span class="copyright">APA/Neubauer</span>
Im Herbst könnte es möglicherweise einen angepassten Impfstoff geben. APA/Neubauer

Die Coronazahlen steigen wieder, aber noch nicht allen wird der vierte Stich empfohlen.

BREGENZ Der Trend scheint derzeit ziemlich klar: Die Zahl der Neuinfektionen geht nach oben. Der Anteil neuer, infektiöserer Omikron-Subvarianten steigt. Eine allgemeine Empfehlung für die vierte Impfung gibt es derzeit aber nicht. Gesundheitsexperte Armin Fidler spricht von Abwägung.

Wem wird die vierte Impfung empfohlen?

Das Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt die vierte Impfung zumindest dDas Nationale Impfgremium (NIG) empfiehlt die vierte Impfung derzeit nur bestimmten Gruppen. Das sind einerseits ältere Menschen ab 80 Jahren. Ihnen wird die Auffrischung frühestens vier Monate, jedenfalls sechs Monate nach der Grundimmunisierung, also der dritten Impfung, empfohlen. Immungeschwächte Risikopatientinnen und -patienten ab zwölf Jahren sowie Personen von 65 bis 79 Jahren können die Auffrischung wiederum nach einer individuellen Nutzen-Risiko-Abwägung mit der behandelnden Ärztin beziehungsweise dem Arzt in Anspruch nehmen, und zwar ebenfalls frühestens vier Monate, optimal aber sechs Monate nach der Grundimmunisierung.

Kann man sich auch impfen lassen, wenn man nicht zu den genannten Gruppen gehört?

Wer sich trotzdem ein viertes Mal impfen lassen will, dem solle eine Auffrischung nicht vorenthalten werden, erklärt das NIG. Eine allgemeine Empfehlung dürfte es wohl erst im Spätsommer oder Herbst geben. Armin Fidler, Gesundheitsexperte und Covid-Berater der Vorarlberger Landesregierung, spricht von einer Abwägungsfrage. Falsch machen könne man nichts, sofern die Grundimmunisierung, sprich drei Dosen, abgeschlossen sei. „Es könnte möglicherweise im Herbst einen neuen angepassten Impfstoff gegen bestimmte Omikron-Varianten geben. Die Frage ist: Lasse ich mich jetzt impfen und dann später noch einmal?“ Wer jung und gesund sei, könnte sicherlich noch abwarten, sagt Fidler. Es sollten jedenfalls mindestens vier Monate zwischen den Impfdosen liegen, um die volle Wirksamkeit zu erreichen.

Fidler zufolge können junge, gesunde Menschen durchaus noch mit dem vierten Stich warten.
Fidler zufolge können junge, gesunde Menschen durchaus noch mit dem vierten Stich warten.

Wie beunruhigend ist die Infektionslage derzeit?

Die Sieben-Tages-Inzidenz, also die Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche lag laut AGES-Dashboard am 1. Juni noch bei rund 184. Am Dienstag betrug der Wert etwa 493. Die höchste Inzidenz hat Wien mit 761. Vorarlberg liegt mit 498 an vierter Stelle. „Wir werden ganz bestimmt eine Sommerwelle haben. Wie hoch diese ausfallen wird, lässt sich aber nur schwer sagen. Wir werden nicht jede Infektion erkennen, da das Testgeschehen nachgelassen hat. Dazu kommt eine leichte Symptomatik“, erklärt Fidler. Epidemiologisch sei das nicht unbedingt etwas Schlechtes. „Wenn die Sommerwelle glimpflich ausfällt, wird sie uns vor einer massiveren Herbstwelle schützen.“ Diese komme nämlich mit ziemlicher Sicherheit.

Welche Rolle spielen BA.4 und BA.5?

Dabei handelt es sich um neue, infektiösere Omikron-Subvarianten. In Portugal sind die Infektionszahlen wegen BA.5 zuletzt deutlich in die Höhe gegangen. Auch in Österreich sind BA.4 und BA.5 auf dem Vormarsch. Sie seien für den jüngsten Anstieg maßgeblich mitverantwortlich, wie das Corona-Prognosekonsortium zuletzt festhielt. Fidler zufolge nähert sich die Infektiosität zunehmend jener der Masern.

Wäre es angesichts der Zahlen sinnvoll, die Maskenpflicht wieder einzuführen?

In Österreich sind so gut wie alle Corona-Auflagen abgeschafft worden. Die Maske muss nur noch im Gesundheitsbereich getragen werden, etwa in Krankenhäusern oder Pflegeheimen. Fidler plädiert grundsätzlich für Eigenverantwortung. In sensiblen Bereichen wie den öffentlichen Verkehrsmitteln, wo viele unbekannte Menschen auf engem Raum zusammensitzen, sei die Rückkehr der Maske aber durchaus sinnvoll. „In Wien gilt diese Vorgabe immer noch, ebenso in Italien. Wir wissen, dass dadurch vulnerable Personen geschützt werden.“