Sommerwelle nimmt Fahrt auf

Politik / 27.06.2022 • 17:28 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Das Infektionsgeschehen zieht wieder an. In der Sieben-Tages-Inzidenz spiegelt sich das nur bedingt wieder. <span class="copyright">AFP</span>
Das Infektionsgeschehen zieht wieder an. In der Sieben-Tages-Inzidenz spiegelt sich das nur bedingt wieder. AFP

Deutlicher Anstieg der Viruslast im Abwasser, BA.5 setzte sich durch.

Bregenz Die Corona-Infektionen nehmen wieder zu, und zwar deutlicher, als es die offiziellen Zahlen zeigen. Denn die Sieben-Tages-Inzidenz, also der Zahl der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner und Woche, steigt langsamer als die Viruslast im Abwasser. „Die Daten der Sieben-Tages-Inzidenz können das tatsächliche Infektionsgeschehen derzeit nicht mehr abbilden“, erläutert Christoph Scheffknecht, Leiter des Umweltinstituts. Die Omikron-Subvariante BA.5 sei mittlerweile in Vorarlberg dominant.

Debatte über Maskenpflicht

Die aktuelle Infektionslage hat auch eine Diskussion über die Corona-Maßnahmen, insbesondere die Maskenpflicht, angefacht. Sie muss aktuell etwa nur in Krankenhäusern und Pflegeheimen getragen werden. Am Wochenende wollte sich Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) weiterhin nicht festlegen, wann es zu einer Wiedereinführung auch in anderen Bereichen kommen könnte. Gerade hat die Bundesregierung bekanntgegeben, die Impfpflicht endgültig abzuschaffen, die VN berichteten.

„Nach einem starken Absinken der Viruslasten im Abwasser der Vorarlberger Kläranlagen und einer etwa vierwöchigen Phase mit gleichbleibendem, relativ niedrigem Niveau, ist nun ein deutlicher Anstieg feststellbar“, sagt Umweltinstitut-Leiter Scheffknecht. Er gibt aber gleichzeitig zu bedenken, dass die Datenlage noch immer auf ein mäßiges Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet hindeutet. Für das Monitoring werden im Land sechs Kläranlagen untersucht, das sind Bregenz, Dornbirn, Hofsteig, Hohenems, Ludesch und Meiningen. Sie decken rund drei Viertel der Bevölkerung ab.

Christoph Scheffknecht, Leiter des Umweltinstituts, spricht von einem deutlichen Anstieg. Noch handle es sich aber nur um ein mäßiges Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet. <span class="copyright">Serra</span>
Christoph Scheffknecht, Leiter des Umweltinstituts, spricht von einem deutlichen Anstieg. Noch handle es sich aber nur um ein mäßiges Infektionsgeschehen im Einzugsgebiet. Serra

Dass die aktuelle Sieben-Tages-Inzidenz deutlich langsamer steige als die Viruslast im Abwasser, sei ein österreichweiter Effekt, aber ausgeprägter in Vorarlberg, erklärt Scheffknecht weiter. Der Vergleich zeige auch, dass die Inzidenz sehr stark von der Teststrategie abhänge, insbesondere bei Langzeitbeobachtungen.

Seit April gehören die Gratis-Massentests der Vergangenheit an. Es werden pro Person nur noch jeweils fünf kostenlose PCR- und Antigen-Tests ausgegeben. Für alle weiteren muss bezahlt werden. Ausnahmen gibt es für Menschen mit Corona-Symptomen, aber auch für sogenannte vulnerable Bereiche wie etwa Krankenhäuser. Das PCR-Testprogramm an den Schulen endete im Juni.

Die Auswertung der Ganzgenomsequenzierung zeige, dass die Omikron-Subvariante BA.5 mittlerweile in Vorarlberg dominant ist, erläutert Scheffknecht. Damit hat sie BA.2 von dieser Position verdrängt. BA.4 ließe sich zwar auch feststellen, sei aber von untergeordneter Bedeutung. Die Subvarianten gelten als deutlich infektiöser.

Die Sieben-Tages-Inzidenz lag am Dienstag laut AGES-Dashboard bei etwa 586. Damit war Vorarlberg hinter Wien, Burgenland, Niederösterreich und Salzburg. Österreichweit betrug der Wert etwa 686, mit steigender Tendenz.

„Exponentieller Anstieg“

Der deutsche Virologe Christian Drosten erklärte zuletzt in einem „Spiegel“-Interview, dass er nach den Sommerferien mit einer hohen Zahl an neuen Coronafällen rechne. Wenn nichts getan werde, würde es im Arbeitsleben sehr viele krankheitsbedingte Ausfälle geben. „Wir sehen tatsächlich schon wieder einen exponentiellen Anstieg der Fallzahlen“, sagte Drosten. „Die BA.5-Variante ist einfach sehr übertragbar, und die Menschen verlieren gleichzeitig ihren Übertragungsschutz aus der letzten Impfung.“