Krankenstand statt Quarantäne?

Politik / 04.07.2022 • 18:45 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Krankenstand statt Quarantäne?
Keine Quarantäne mehr trotz positivem Test? In manchen Bundesländern plädieren die Verantwortlichen für mehr Eigenverantwortung, auch in Vorarlberg.

Wie es mit den aktuellen Regeln weitergeht, ist offen. Land kann sich deutliche Lockerung vorstellen.

Bregenz Soll die Quarantäne für Corona-Infizierte und Kontaktpersonen komplett abgeschafft werden? Geht es nach dem oberösterreichischen Landeshauptmann Thomas Stelzer (ÖVP), lautet die Antwort: Ja. Für Vorarlbergs Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (ÖVP) wäre ebenfalls eine Änderung denkbar, sie sieht aber den Bund gefordert. Public Health-Experte Armin Fidler spricht von einer Abwägung.

„Corona bleibt“

Stelzer hatte am Wochenende für ein rasches Ende der bestehenden Regeln plädiert. Nach der Welle im Sommer komme eine im Herbst. „Wir müssen akzeptieren, dass Corona bleibt. Wir werden das nicht niederringen und verhindern können“, betonte der Landeshauptmann. Deshalb müsse man mit der Krankheit leben.

„In der momentanen Situation wäre aus Sicht Vorarlbergs eine Überführung in ein Krankenstandssystem denkbar“, sagt auch Gesundheitslandesrätin Rüscher auf VN-Anfrage. Dies müsse aber österreichweit abgestimmt werden. Da die Länder in der mittelbaren Bundesverwaltung stünden, könne das nur auf Bundesebene entschieden werden. „Eine bundesweite Risikoeinschätzung verbunden mit einer Prognose zu den aktuellen Mutationen muss dafür die Grundlage sein.“ Gleichzeitig brauche es eine hohe Eigenverantwortung der erkrankten Personen und mehr Sensibilität für vulnerable Gruppen. Die Landesrätin ist optimistisch. „Wir trauen jedenfalls der Bevölkerung beides zu.“

Der Gesundheitsexperte Fidler wiegt in dieser Frage ab. Bei hauptsächlich leichten klinischen Verläufen ließe sich argumentieren, dass es keine Quarantäne mehr brauche. „Auf der anderen Seite besteht dann, wenn sich viele anstecken und dem Ganzen keine große Bedeutung mehr beimessen, ein hohes Risiko für vulnerable Personen.“ Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen könnten sich somit leichter infizieren. Der Mediziner und Covid-Berater der Landesregierung führt vor diesem Hintergrund etwa Szenarien an, in denen Menschen trotz Corona-Symptomen ein Konzert besuchen oder zur Arbeit gehen. „Deshalb braucht es diese Güterabwägung. In einer Gesellschaft, in der jeder selbstreflektiert und eigenverantwortlich zu Hause bleibt und sich eine Woche isoliert, bräuchte man nicht regulativ einzugreifen.“ Diesbezüglich sei auch mehr Aufklärung nötig, meint der Experte.

Ministerium arbeitet an Plänen

Aus dem Gesundheitsministerium hieß es zuletzt, dass an Plänen für die kommenden Monate gearbeitet werde. Die Rede war von einem Varianten-Management-Plan. Es gebe natürlich immer Planungen und Konzepte zum Thema Quarantäne und Absonderung, erläuterte ein Sprecher von Gesundheitsministers Johannes Rauch (Grüne). Dabei müsse auch zwischen Kontaktpersonen und Infizierten unterschieden werden, ebenso spiele die vorherrschende Corona-Variante eine Rolle.

Außerdem verwies der Sprecher auf die am 15. Juni im Nationalrat beschlossene Änderung des Epidemiegesetzes. Demnach kann der Gesundheitsminister als Alternative zur Absonderung künftig auch allgemeine Verkehrsbeschränkungen verordnen. Als Beispiel für eine solche Auflage wird der Nachweis einer geringen epidemiologischen Gefahr genannt. Derzeit erfüllt man das mit der 3G-Regel. Auch Maskenpflicht und Abstandsregeln sowie ein Verbot, den Arbeitsort zu betreten oder an Veranstaltungen teilzunehmen, sind in der Novelle angeführt.