Deutschland versichert Gasfluss nach Vorarlberg auch bei Mangel

Politik / 12.07.2022 • 17:30 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Deutschland versichert Gasfluss nach Vorarlberg auch bei Mangel
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Der deutsche Vizekanzler und Klimaministerin trafen Abkommen. Vorarlbergs Energie ist aktuell zu 46 Prozent heimisch.

Wien Es sind ungewöhnliche Zeiten. Das verdeutlichte auch die Themensetzung von Deutschlands Vizekanzler Robert Habeck bei Klimaministerin Leonore Gewessler in Wien: Die beiden grünen Politiker sprachen über fossile Energieträger. Aber auch die Chancen auf mehr Tempo für eine Energiewende und -autonomie durch die Krise wurden betont. Vorarlbergs Energieversorgung war ebenfalls Thema.

Der deutsche Vizekanzler Robert Habeck und Energieministerin Leonore Gewessler (beide Grüne) trafen sich am Dienstag in Wien. <span class="copyright">REUTERS/Leonhard Foeger</span>
Der deutsche Vizekanzler Robert Habeck und Energieministerin Leonore Gewessler (beide Grüne) trafen sich am Dienstag in Wien. REUTERS/Leonhard Foeger

Für den Fall eines Gasmangels haben die beiden Minister in einer gemeinsamen Erklärung vereinbart, alles zu unternehmen, um die Gasdurchleitung aufrechtzuerhalten. Dies ist vor allem deshalb für Vorarlberg relevant, da es nicht an das österreichische Gasnetz angebunden ist. Die Erklärung umfasst auch die gemeinsame Befüllung des Gasspeichers Haidach und die LNG-Terminals in Deutschland.

Habeck über Priorisierung der Energieversorgung

Wer im Falle eines Gasmangels verzichten muss, erklärte Habeck mit deutlichen Worten. Die europäische Notfall-Verordnung sehe zwar den Schutz von kritischer Infrastruktur und Verbrauchern vor, aber auch die privaten Haushalte sollten einen Anteil leisten. Denn ein monatelanger Stillstand in der Industrieproduktion hätte massive Folgen. Aktuell sind Österreichs Gasspeicher zu 48 Prozent gefüllt, damit werden 48 Prozent des durchschnittlichen Jahresverbrauchs gedeckt. Ziel sind 80 Prozent für eine “reibungslose” Wintersaison, wie Gewessler sagt. Laut Informationen der OMV von Dienstag liefert Russland aber schon jetzt um 70 Prozent weniger als bestellt.

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Die Erklärung von Habeck und Gewessler habe für Vorarlberg große Bedeutung, „denn sowohl Deutschland als auch Österreich bekennen sich dazu, dass Tirol und Vorarlberg ihre Gaslieferungen über deutsche Leitungen im Ernstfall weiter erhalten”, kommentierte Vorarlbergs Energielandesrat Daniel Zadra (Grüne) das Treffen.

Die Erdgas-Mengenbilanz von Vorarlberg ergibt sich ebenfalls aus Deutschland. Der vom deutschen Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz angegebene Anteil an russischen Gaslieferungen lag in der Vergangenheit bei rund 55 Prozent. Österreichweit liegt er bei knapp 80 Prozent. Insgesamt sind in Vorarlberg derzeit rund 34.200 Erdgaskunden erfasst. Fast 32.000 davon sind laut Zadra private Haushalte.

46 Prozent heimische Energiequellen

Mit dem letzten verfügbaren Datenstand 2020 wurden 9671 GWh an Endenergie (exkl. Kraftstoffexport) in Vorarlberg verbraucht. Das Büro von Zadra informiert auf VN-Nachfrage, wo das Bundesland aktuell bei der Energieautonomie steht: Der Anteil heimischer erneuerbarer Energiequellen betrug 46 Prozent. Gemäß Zielpfad der Energieautonomie+ 2030 wird für 2023 ein Wert von 49 Prozent für den Anteil heimischer erneuerbarer Energieträger angestrebt. Bis 2030 sollen es 57 Prozent sein.

Die hauptsächlich verbrauchten Energieträger im Referenzjahr 2019 waren mit 29 Prozent elektrische Energie, die hauptsächlich von Wasserkraft und Photovoltaik stammte. Danach folgen Erdgas mit 22 Prozent, Treibstoffe exkl. Kraftstoffexport mit 21 Prozent, Biogene mit 11 Prozent und Heizöl mit sieben Prozent. Der Rest verteilt sich unter anderem auf Fernwärme oder Umgebungswärme.

Deutschland versichert Gasfluss nach Vorarlberg auch bei Mangel
Die Versorgung Vorarlbergs über deutsche Gasleitungen wird eine wichtige Frage auch künftiger Gespräche sein, berichteten Habeck und Gewessler. REUTERS/Leonhard Foeger

Die Landesregierung habe die ersten Vorarbeiten für einen Masterplan “Wärme Vorarlberg” bereits abgeschlossen, die Vertiefungsarbeiten dazu laufen. Bis 2040 sei es im Bereich der Raumwärme möglich, komplett unabhängig von Gas (und Öl) zu sein.

“Europa sei damit konfrontiert, abhängig und ausbeutbar zu sein, aber das muss ja nichts Schlechtes sein, denn damit geht natürlich auch ein waches Bewusstsein einher, dass Politik, Menschen, Demokratien einen Unterschied machen können”, ortet Habeck Chancen für Europa. Österreich, Deutschland und die gesamte EU seien nun in einer “Schicksalsgemeinschaft”. Und die Zeit zu sagen, “interessiert mich nicht, kommt ja aus der Steckdose”, sei vorbei.