“Dass die Kultur immer überbleibt, ist ein Märchen”

Kultur / 22.07.2022 • 08:00 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer verteidigt die Maßnahmen der Bundesregierung zur Unterstützung der Kulturszene in der Coronakrise. <span class="copyright">APA/Georg Hochmuth</span>
Kunst- und Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer verteidigt die Maßnahmen der Bundesregierung zur Unterstützung der Kulturszene in der Coronakrise. APA/Georg Hochmuth

Kultur wird in der Krise nicht vergessen, sagt Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. Die Feststpielförderung sei ausreichend.

Bregenz Rund 200.000 Karten verkaufen die Bregenzer Festspiele jährlich. Das müsse man erst einmal schaffen, sagt Kulturstaatssekretärin Andrea Mayer. Zahlreiche Kulturinstitutionen kämpfen noch mit geringeren Auslastungen. Mit den VN hat sie über das Budget der Festspiele und die Notwendigkeit gesprochen, auch freischaffende Künstler fair zu entlohnen.

Was macht für Sie das Besondere an den Bregenzer Festspielen aus?

Die Vielfalt und die Breite: Eine bekannte Oper wird am See und im Festspielhaus als Kontrast eine eher unbekanntere gespielt. Ergänzend dazu gibt es Konzerte und Uraufführungen. Ich nehme jedes Jahr etwas Neues für mich mit. Dass die Seebühne jedes Jahr 200.000 Menschen besuchen, das muss man einmal schaffen. Zudem herrscht eine offene Atmosphäre in der Stadt, die Festspiele sind keine Enklave.

Die Bregenzer Festspiele kämpfen seit Jahren für die Indexanpassung. Ist hier etwas geplant?

Wir haben es geschafft, dass das Kunst- und Kulturbudget deutlich steigt: Von 2020 auf 2021 um 30 Millionen Euro und von 2021 auf 2022 um weitere 60 Millionen. Das kommt allen zugute. Die Bregenzer Festspiele haben eine große Investition mit der Renovierung der Seebühne und des Festspielhauses. Daran beteiligt sich der Bund.

Die Finanzierungshilfe wurde aber vor fast genau einem Jahr beschlossen. Ist aufgrund der Inflation eine Erhöhung geplant?

Wir haben die Summe schon einmal angepasst. Daher müsste man jetzt das Auslangen finden.

Wie profitieren andere Vorarlberger Kultureinrichtungen von der Budgeterhöhung in Ihrem Ressort?

Einer unserer kulturpolitischen Schwerpunkte ist die Fair Pay-Aktion. Das geht quer durch Österreich und auch an viele Vorarlberger Institutionen.

Sie haben bei Ihrer Eröffnungsrede gemeint, wir befinden uns in einer Zeitenwende. Wie verändert sich die Kultur?

Es zeichnet Künstlerinnen und Künstler aus, dass sie sehr rasch auf Entwicklungen reagieren oder sie auch vorhersehen. Das ist für das Publikum das Anregende. Für mich war sehr bewegend, wie schnell sich die österreichische Kunst- und Kulturszene mit geflüchteten ukrainischen Künstlerinnen und Künstlern solidarisiert hat. 

Die Inflation steigt dramatisch. Besteht die Gefahr, dass die Kultur die Erste ist, die wieder übrigbleibt?

Dass die Kultur immer die erste ist, die überbleibt, ist ein Märchen. Gerade in der Coronkrise ist so viel an maßgeschneiderten Unterstützungsleistungen passiert, damit die ganze Szene gut durch die Krise kommt. Das waren Maßnahmen für freischaffende Künstler, etabliertere Kunst- und Kulturbetriebe oder das Neustartpaket für die Öffnungsphase für die Publikumsrückgewinnung. 450 Millionen Euro wurden bereitgestellt, um die Coronakrise in der Kunst und Kultur zu bekämpfen. Es ist nicht nur das Geld. Es ist eine neue Art der Kommunikation entstanden. Diesen Schwung möchte ich aus der Krise mitnehmen.

Die Auslastungen in den Spielstätten sind teilweise noch nicht sehr hoch. Ist hier etwas geplant?

Ich glaube, man muss dem Publikum noch etwas Zeit geben. Es ist ganz unterschiedlich. Es gibt bestimmte Festivals und Festspiele, die gestürmt werden. Im Schnitt kann man sagen, dass bei Theatern und Konzerten 20 Prozent weniger kommen als 2019. Wir überlegen beforschen zu lassen, welche Gründe das hat: Ist es nur Corona, oder ,gibt es andere Punkte? Da müssen wir gut überlegen, wie wir auch das „Nicht-Publikum“ erreichen können.

Welche Kulturereignisse haben Sie in letzter Zeit besonders berührt?

Natürlich die „Madame Butterfly“ gestern. Es ist eine sehr berührende Oper. Die Bregenzer haben dem Publikum noch ermöglicht, die erste Stunde draußen bei der Seebühne zu sitzen. Rechtzeitig vor dem großen Gewitter konnte man dann drinnen im Festspielhaus die Inszenierung weiterverfolgen. Für mich ist es eigentlich unfassbar, wie sich die Künstlerinnen und Künstler so hochkonzentriert und so schnell in verschiedenen Settings einfinden konnten. Diese künstlerische Leistung war ganz erstaunlich.