Das sagen die Experten zum Quarantäne-Aus

Politik / 28.07.2022 • 05:00 Uhr / 6 Minuten Lesezeit
FFP2 ist die letzte Schutzmaßnahme. Ab Montag können mit Corona infizierte Menschen wieder arbeiten gehen, wenn sie eine Maske tragen.<span class="copyright"> APA/Barbara Gindl</span>
FFP2 ist die letzte Schutzmaßnahme. Ab Montag können mit Corona infizierte Menschen wieder arbeiten gehen, wenn sie eine Maske tragen. APA/Barbara Gindl

Ab Montag können auch Coronainfizierte wieder arbeiten gehen. Das gilt es zu beachten.

Wien Die Coronaquarantäne fällt am Montag. Wer sich nicht krank fühlt, kann auch nach einem positiven Coronatest das Haus verlassen. Es gelten lediglich Verkehrsbeschränkungen.

Wie muss ich mich künftig bei einer Coronainfektion verhalten?

Nach einem positiven Coronatest muss eine FFP2-Maske getragen werden, außer man ist im Freien und es sind in zwei Metern Abstand keine anderen Personen unterwegs. “Medizinisch ist es absolut sinnvoll, dass sich infizierte Menschen weiterhin von anderen fernhalten. Das sagt der Hausverstand”, sagt Virologin Dorothee von Laer den VN. “Ich denke, das ist eine politische Entscheidung, die medizinisch nicht bis ins Letzte durchdacht ist.”

Wo gelten noch Einschränkungen?

Auch bei den Verkehrsbeschränkungen fehlen von Laer wichtige Details: “Es reicht aus meiner Sicht nicht, dass jemand, der etwa im Restaurantbetrieb Kontakt mit Gästen hat und infektiös ist, nur Maske trägt. Diese Person soll auch nicht arbeiten gehen.” In der Verordnung werden Betretungsverbote für Krankenanstalten ebenso wie Pflege-, Behinderten- und Kuranstalten, Kinderbetreuungseinrichtungen, Volksschulen und Horte definiert. Allerdings dürfen Mitarbeiter mit FFP2-Maske diese Arbeitsorte betreten, wenn sie infiziert sind. “Eine infizierte Person hat nichts im Krankenhaus zu suchen, wo sich vulnerable Gruppe befinden. Das ist für mich völlig unverständlich”, kritisiert die Virologin.

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Welche Regelungen gelten nun für Arbeitgeber?

Das bevorstehende Aussetzen der Quarantäneregelung bereitet zahlreichen Unternehmern große Sorgen, sagt SWV-Vizepräsidentin Katarina Pokorny: “Die Bundesregierung wälzt damit Verantwortung und Kosten auf die Unternehmen und auf die Bevölkerung ab.” Künftig müssten Arbeitgeber kontrollieren, ob infizierte Mitarbeiter eine Maske tragen.

Gibt es Erfahrungswerte aus anderen Ländern?

“In anderen Ländern ist die Isolierungspflicht auch gefallen und dort hat dieser Schritt keine großen Auswirkungen auf die Infektionszahlen gehabt”, sagt von Laer. Aber die Virologin ergänzt: “In Deutschland und Österreich haben wir einen relativ hohen Anteil an Coronaleugnern, die vielleicht noch unvernünftiger damit umgehen. Das könnte schon einen Anstieg der Infektionen bewirken.”

Gibt es speziellen Schutz für Risikogruppen?

“Es gibt Risikopersonen, die gar keinen Impfschutz aufbauen, weil sie einen Immundefekt haben. Für die ist es essentiell, dass die Bevölkerung vernünftig ist und Infizierte nicht in öffentliche Bereiche gehen”, sagt Dorothee von Laer. An vielen Arbeitsplätzen wird das künftig aber nicht einfach sein: Arbeiten mit positivem Test ist wieder möglich, wenn Maske angelegt ist. Die Risikogruppen-Verordnung wird daher wieder in Kraft gesetzt, wie Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) bekannt gab. So können Personen freigestellt werden, die trotz Impfung schwere Verläufe zu befürchten haben oder aus medizinischen Gründen nicht geimpft werden können. Den Arbeitgebern werden die Kosten voll ersetzt. Die Regel ist vorerst bis Ende Oktober befristet.

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Wie ist die Situation für Schwangere?

Kritik kommt vom ÖGB unter anderem am Umgang mit Schwangeren. “Bei den Plänen zum Quarantäne-Aus legt man offenbar keinen Wert auf diese Frauen und ihre ungeborenen Kinder und lässt sie schutzlos zurück”, kritisiert Vizepräsidentin Korinna Schumann. Sie fordert die sofortige Freistellung ab der 14. Schwangerschaftswoche. “Es kommt darauf an, welche Tätigkeit man hat. Im Service, Krankenhaus, überall wo man mit vielen Menschen im Innenraum zu tun hat, sind Schwangere gefährdet.”

Welche Regelungen gibt es an den Schulen?

Wie es nach dem am Dienstag verkündeten Ende der Quarantäne an Schulen weitergeht, ist laut dem obersten Lehrervertreter Paul Kimberger noch “völlig unklar”. Man habe noch keine schriftlichen Informationen, weder die Pressekonferenz noch der Auftritt von Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) in der ZIB2 hätten Klarheit geschaffen. Von Laer nennt ein optimistisches Szenario: “Wir haben leider keine Zahlen. Aber ich habe die Vermutung, dass wir bei den Kindern schon eine relativ gute Durchseuchung haben, also auch eine gute Immunität aufgebaut haben.”

Was gilt im Kindergarten?

Infizierte Kinder dürfen nicht in den Kindergarten. Der Gesundheitsminister hatte das in der ZiB am Dienstagabend behauptet, aber diese Aussage am Mittwoch via Twitter widerrufen. “Wir werden in der Bundesregierung rasch eine Lösung suchen, damit Eltern ohne Einkommensnachteile während der Infektion ihres Kindes zu Hause bleiben können”, schreibt der Minister.

Was droht, wenn ich wissentlich jemanden anstecke?

“Was viele Menschen nicht wissen: In Österreich ist es laut Paragraf 178 und 179 Strafgesetzbuch eine Straftat, die sogar mit Gefängnis geahndet werden kann, wenn man andere Menschen mit einer Infektionskrankheit gefährdet”, betont Virologin von Laer. “Verordnungen sollen ja normalerweise Gesetze spezifizieren. Für mich ist die Spezifizierung nicht bis ins Letzte durchdacht.” Auch die Maske sei kein 100-prozentiger Schutz, auch wenn sie die Ausbreitung verlangsamt und reduziert.