Kritik an Sonntagsöffnung: “Generalangriff auf Handelsbeschäftigte”

Politik / 09.08.2022 • 11:44 Uhr / 3 Minuten Lesezeit
ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer wirft Neos "soziale Kälte" vor. <span class="copyright">ÖGB</span>
ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer wirft Neos "soziale Kälte" vor. ÖGB

ÖGB-Landesvorsitzender Reinhard Stemmer und SPÖ-Landtagsabgeordnete Manuela Auer (SPÖ) sprechen sich gegen Sonntagsöffnung im Handel aus.

Schwarzach Am Montag forderte der Vorarlberger Neos-Nationalratsabgeordnete Gerald Loacker bei Vorarlberg LIVE die Sonntagsöffnung im Handel (die VN berichteten). Gleichzeitig fordern die Neos in einem im Landtag eingebrachten Antrag an die Landesregierung einen Prozess zur Flexibilisierung der Ladenöffnungszeiten und die Option für Sonntagsöffnungen im Handel in Vorarlberg.

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Loacker betonte bei Vorarlberg LIVE, dass die Öffnungszeiten an die Bedürfnisse der Kunden angepasst und der Handel sowie die Arbeitsplätze vor Ort gestärkt werden müssen. Jedem Unternehmer solle es offenstehen, ob er am Sonntag öffnet.

“Soziale Kälte”

Scharfe Kritik gibt es dafür von ÖGB-Landesvorsitzendem Reinhard Stemmer, der die Neos-Forderung als “Generalangriff für die Handelsbeschäftigten” bezeichnet. Loacker erweise sich als „Steigbügelhalter der Großkonzerne“ und „blitzt mit blinder Markthörigkeit und sozialer Kälte auf“. Eine Sonntagsöffnung würde “massive” Verschlechterungen für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer bringen. Das Recht auf Familienleben, Erholung und Freizeit würde mit einer Sonntagsöffnung ignoriert und übergangen werden.

“Nur Großhandelsketten profitieren”

Außerdem würden davon wiederum nur Großhandelsketten profitieren. Denn den 100-prozentigen Zuschlag für Sonntagsarbeit könnten sich die meisten kleinen und mittleren Betriebe auf Dauer nicht leisten. Darüber hinaus würde sich der Umsatz nur von den Werktagen auf den Sonntag verschieben: „Denn nur weil länger geöffnet ist, können die Menschen nicht mehr Geld ausgeben”, so Stemmer in einer Aussendung.

Die bestehenden Regelungen seien nach Ansicht des ÖGB ausreichend. Stattdessen plädiert Stemmer dafür, die heimischen Handelsbetriebe gegenüber dem Onlinehandel durch eine faire Besteuerung der Onlineriesen zu stärken.

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VN/Hartinger

Kritik auch von Auer

Scharfe Kritik an Loackers Aussagen kommen auch von SPÖ-Landtagsabgeordneten und Sozialsprecherin Manuela Auer. Diese würden eine turbo-kapitalistische Ideologie” widerspiegeln: „Für Loacker scheint es völlig in Ordnung zu sein, dass ein paar wenige Konzerne gerade Rekordgewinne scheffeln – auf Kosten der Arbeitnehmenden in ganz Europa und weltweit.” Der wenige Wohlstand, der noch in Teilen der Arbeitnehmerschaft und der Mittelschicht vorhanden sei, werde zerstört. “Das ist eine kalte Enteignung zugunsten der Superreichen. Die Neos aber verurteilen nicht die Profiteure der Krise, sondern ihre Opfer. Das ist ein völlig verkehrtes Weltbild”, so Auer in einer Aussendung.