Infizierte Lehrer und Schüler an den Schulen? Hitzige Debatte kündigt sich an

Politik / 30.08.2022 • 05:30 Uhr / 5 Minuten Lesezeit
Keine Masken mehr: Die Kinder und Jugendlichen durften ihre Masken bereits im vergangenen Jahr ablegen. Dabei bleibt es auch zum Schulstart. <span class="copyright">APA</span>
Keine Masken mehr: Die Kinder und Jugendlichen durften ihre Masken bereits im vergangenen Jahr ablegen. Dabei bleibt es auch zum Schulstart. APA

Fast keine Regeln mehr zum Schulstart: Schüler- und Elternvertreter wehren sich dagegen, dass positiv Getestete zum Unterricht dürfen.

Schwarzach Das neue Schuljahr startet, wie das alte endete: Es gibt weder verpflichtende Tests noch eine Maskenpflicht, erklärte Bildungsminister Martin Polaschek (ÖVP) am Montag und erntet dafür sowohl Zustimmung als auch Kritik. In Vorarlberg steht morgen, Mittwoch, ein Gipfel der Schulpartner an, bei dem hitzige Debatten bevorstehen, wie ein VN-Rundruf bei Lehrer-, Eltern- und Schülervertretung vermuten lässt.

Tests auf freiwilliger Basis

Grundsätzlich gilt für das Schuljahr 2022/23 Folgendes: Das Ministerium empfiehlt zu Beginn Tests auf freiwilliger Basis. Nach Möglichkeit sollen Schülerinnen und Schülern am ersten Tag ein PCR-Testergebnis vorweisen und weiters Antigentests an den Schulen angeboten werden. Auf Wunsch gibt es für die zweite Schulwoche Tests zum Mitnehmen.

Bildungsminister Martin Polaschek setzt im kommenden Schuljahr auf Freiwilligkeit. <span class="copyright">APA</span>
Bildungsminister Martin Polaschek setzt im kommenden Schuljahr auf Freiwilligkeit. APA

Bei besonderer Risikolage kann die Schulleitung mit einer Test- und Maskenpflicht reagieren, allerdings nur für maximal zwei Wochen. Darüber hinaus müsste die Bildungsdirektion zustimmen. Ortsungebundener Unterricht einzelner Klassen oder Schulen, also Home Schooling, kann nur von Bildungsdirektion und Ministerium angeordnet werden.

Infizierte im Unterricht

Trotz Kritik bleibt Polaschek dabei, dass infizierte, symptomlose Lehrer und Schüler mit einer FFP2-Maske in den Unterricht kommen dürfen. Diese Regel gilt ab der Sekundarstufe I (Mittelschule, AHS-Unterstufe). An den Pflichtschulen könnten die Länder noch andere Vorgaben treffen. Bildungslandesrätin Barbara Schöbi-Fink und Gesundheitslandesrätin Martina Rüscher (beide ÖVP) legen sich diesbezüglich noch nicht fest. Zuerst wollen sie sich mit den Schulpartnern beim Bildungsgipfel am Mittwoch beraten, heißt es seitens der Landespressestelle.

Lehrervertreter Willi Witzemann befürwortet, dass auch Infizierte unterrichten können. <span class="copyright">LAND</span>
Lehrervertreter Willi Witzemann befürwortet, dass auch Infizierte unterrichten können. LAND

Lehrervertreter Willi Witzemann hält die Pläne des Bildungsministers zum Schulbeginn für ausgewogen. Die vergangenen Jahre bezeichnet er als Extremsituation, in der erst Erfahrung gesammelt werden musste. „Die Tests kosteten aber vor allem in den Volksschulen viel Zeit und führten manchmal auf Grund falscher Ergebnisse zu Problemen. Es war ein enormer Aufwand und eine große Belastung.“ Umso mehr sei der jetzige Weg eine Erleichterung. Dass Lehrerinnen und Lehrer trotz Infektion unterrichten dürfen, „finde ich auch gut“, beteuert Witzemann. „Warum sollte eine Person, die keine Symptome hat, vorsichtig ist und eine Maske trägt, nicht in die Schule dürfen?“ Diese Möglichkeit sei vor allem auf Grund des Lehrermangels wichtig.

Fokus auf digitaler Vermittlung

Gänzlich anderer Meinung ist der Vorsitzende des Elternverbands: „Sollte sich herausstellen, dass jemand positiv ist, egal ob Schüler oder Lehrer, sollte die Person auch zuhause bleiben. Bei einem positiven Test sind wir strikt dafür“, sagt Michael Tagger. „Dann sollten sich die Schulen den Lehrstoff so vorbereiten, dass er digital vermittelt werden kann.“ Tagger zufolge dürfte das Thema beim Schulpartnerschaftsgipfel am Mittwoch diskutiert werden.

Elternvertreter Michael Tagger hält nichts davon, dass infizierte Schüler und Lehrer in die Schulen gehen sollen. <span class="copyright">VN</span>
Elternvertreter Michael Tagger hält nichts davon, dass infizierte Schüler und Lehrer in die Schulen gehen sollen. VN

„Es gibt keinen Grund den Bildungsbereich anders zu behandeln als andere Lebensbereiche“, sagt etwa Bildungsminister Polaschek. Das heißt, wer positiv getestet ist, kann nahezu alles tun, wenn er in Folge außerhalb des eigenen Wohnbereichs zehn Tage lang eine Maske trägt. Die Infektion bleibt meldepflichtig. Dese Regeln sollen auch für Schulen gelten und somit Infizierte ab der Sekundarstufe I in die Schule gehen dürfen. Fernbleiben ist laut Rundschreiben des Bildungsministeriums nur erlaubt, wenn eine Verkehrsbeschränkung das Betreten untersagt. Dies gilt etwa für Volksschulen. Wer Symptome hat und sich krank fühlt, kann sich krankschreiben lassen.

Die Schülervertretung kritisiert die Vorgehensweise. „Das ist nicht der richtige Weg, sondern birgt sowohl für Schülerinnen und Schüler als auch für die Lehrpersonen ein enormes Risiko“, erklärt AHS-Landessprecherin Lina Feurstein. Prinzipiell sei sie mit den aktuellen Maßnahmen unzufrieden, „da ohne Test- und Maskenpflicht große Unsicherheit herrscht“.

Lina Feurstein sieht ein enormes Risiko für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen. <span class="copyright">VN</span>
Lina Feurstein sieht ein enormes Risiko für Schülerinnen und Schüler sowie Lehrpersonen. VN

Elternvertreter Tagger sieht die freiwillige Testmöglichkeit hingegen positiv. Sie sollte aber länger angeboten werden, je nach Bedarf des jeweiligen Schulstandorts. Dass es keine Maskenpflicht gibt, befürwortet er auch. „Es ist ein großes Anliegen des Elternverbands, dass die Schule so normal wie möglich startet.“

Birgit Entner-Gerhold, Magdalena Raos

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