Diese Gemeinden bereiten sich auf die Stilllegung ihrer Kleinschulen vor

Politik / 02.09.2022 • 05:00 Uhr / 4 Minuten Lesezeit
Lehrperson dringend gesucht: Für die Volksschule Wald am Arlberg sind die Aussichten derzeit trüb - trotz aller Bemühungen. <span class="copyright">VN</span>
Lehrperson dringend gesucht: Für die Volksschule Wald am Arlberg sind die Aussichten derzeit trüb - trotz aller Bemühungen. VN

Lehrermangel zeigt Auswirkungen. Manche Standorte sind gefährdet.

dalaas, gaschurn Für die Volksschule Wald am Arlberg schaut es schlecht aus. Der Kleinschule steht die Stilllegung bevor, da sie keine Lehrperson findet. Das befürchtet der Dalaaser Bürgermeister Martin Burtscher, wobei er Genaueres noch nicht sagen kann. „Die Kommunikation ist schlecht, ich bin enttäuscht.” Es fehle an Informationen seitens der Bildungsdirektion und des Landes. Er bereite jedenfalls die vorübergehende Schließung vor. Dann werden die zwölf betroffenen Kinder in die Volksschule Dalaas integriert. Sie sind mit ihrem Schicksal nicht allein.

Auch der Volksschule in Partenen droht die vorübergehende Stilllegung. „Es bleibt uns nichts anderes übrig“, sagt der Gaschurner Bürgermeister Daniel Sandrell, auch wenn er festhält: „Wir klammern uns an jeden Strohhalm.“ In Partenen sind 14 Kinder betroffen, die bald wohl die Volksschule Gaschurn besuchen. Dabei habe man vieles unternommen, um den Standort attraktiv zu machen und die Schule auf den neuesten Stand zu bringen, sagt der Bürgermeister. Doch das blieb offenbar umsonst.

Über 20 Stellen

Es gibt nicht genug Lehrerinnen und Lehrer in Vorarlberg. Ausgeschrieben waren nach einer Liste der Bildungsdirektion zuletzt 26 offene Stellen im Pflichtschulbereich, knapp über die Hälfte davon mit einer vollen Lehrverpflichtung. Die Bewerbungsfrist ist am Mittwoch abgelaufen. Insgesamt unterrichten 4700 Pädagoginnen und Pädagogen an den Vorarlberger Pflichtschulen.

Der Dalaaser Bürgermeister kritisiert: „Die Kommunikation ist schlecht, ich bin enttäuscht.“
Der Dalaaser Bürgermeister kritisiert: „Die Kommunikation ist schlecht, ich bin enttäuscht.“

Es brauche dringend eine Lösung, sagt Lehrervertreter Willi Witzemann zum Lehrermangel. Als mögliche Gründe nennt er die Pensionierungswelle im Bildungsbereich, aber auch die Coronapandemie. In der Folge hätten einige Lehrerinnen und Lehrer gekündigt. Dass künftig eine Lehrperson zwei Klassen unterrichtet, wäre laut Witzemann nicht zielführend. Eine Klasse ohne Klassenvorstand auf mehrere Lehrer aufzuteilen, widerspreche der Pädagogik im Pflichtschulbereich. „Ich glaube, am Ende zahlen die Kinder drauf.“ Die Schraube, an der man am ehesten drehen könnte, wäre aus Witzemanns Sicht die Ausbildungszeit der angehenden Lehrerinnen und Lehrer. So könnte der Master nach dem Bachelorstudium berufsbegleitend erfolgen.

Landesstatthalterin Schöbi-Fink verwies auf den kommenden Dienstag für aktuelle Informationen zu den offenen Stellen. <span class="copyright">VN/Paulitsch</span>
Landesstatthalterin Schöbi-Fink verwies auf den kommenden Dienstag für aktuelle Informationen zu den offenen Stellen. VN/Paulitsch

Genaue Infos am Dienstag

Landesstatthalterin Barbara Schöbi-Fink bekräftigte ihre Bemühungen: „Wir werden uns bis zum letzten Tag dafür engagieren, genügend Lehrerinnen und Lehrer zu finden.“ Aktuelle Zahlen zu den offenen Stellen will sie am kommenden Dienstag präsentieren. Gleiches war aus der Bildungsdirektion zu hören. Dass im Volksschulbereich sieben klassenführende Lehrer fehlen, sei bereits bekannt, sagt Sprecherin Elisabeth Mettauer-Stubler auf VN-Anfrage. Mehr könne sie nicht sagen: „Es ist alles in der Schwebe.“ 

„Es bleibt uns nichts anderes übrig“, sagt der Gaschurner Bürgermeister Daniel Sandrell zur vorübergehenden Schließung der Volksschule Partenen. <span class="copyright">ÖVP</span>
„Es bleibt uns nichts anderes übrig“, sagt der Gaschurner Bürgermeister Daniel Sandrell zur vorübergehenden Schließung der Volksschule Partenen. ÖVP

Der Dalaaser Bürgermeister will nicht auf Informationen warten, sondern die Eltern lieber heute als morgen informieren. Zudem müssten organisatorische Fragen geklärt werden, etwa die Busfahrzeiten oder die Mittagsbetreuung. Burtscher ortet auch mangelnde Flexibilität im Bildungsbereich. So habe etwa ein pensionierter Direktor vieles darangesetzt, in Teilzeit in der Schule mitzuarbeiten. Dies sei nicht möglich gewesen. Zumindest bis zum nächsten Schuljahr hoffen die Bürgermeister von Dalaas und Gaschurn nun, dass sich Lehrer finden. Dann könnten die Kleinschulen wieder aufsperren. Burtscher befürchtet aber: „Der Lehrermangel wird auch im nächsten Jahr der gleiche sein.“

Magdalena Raos, Birgit Entner-Gerhold