Claudia Gamon: “Interventionsbedarf auf dem Strommarkt”

Politik / 03.09.2022 • 12:00 Uhr / 1 Minuten Lesezeit
„Es gibt Interventionsbedarf", sagt Gamon. <span class="copyright">APA</span>
„Es gibt Interventionsbedarf", sagt Gamon. APA

EU-Abgeordnete im Energieausschuss: Neben einem neuen Strommarktdesign seien kurzfristige Maßnahmen nötig. Stromsparen sei dabei zentral.

Schwarzach, Brüssel Um den europäischen Strommarkt stehe es schlecht, sagt Claudia Gamon, die als Abgeordnete im EU-Parlament dem Ausschuss für Industrie, Forschung und Energie angehört. Sie sei erleichtert, dass die Kommission nun die Dringlichkeit erkannt habe, zu handeln. „Es gibt Interventionsbedarf.“ Im Grunde müssten zwei Wege beschritten werden. „Der eine wird aber dauern, da es sich um eine Gesetzesänderung im Strommarktdesign handelt.“ Bis das derzeit bestehende “Merit-Order-Prinzip” abgeschafft oder grundsätzlich abgeändert sei, könnten Monate vergehen. Vereinfacht gesagt treibt ebendieses System die Strompreise an, da diese an den Gaspreis gekoppelt sind.

Von der Leyen präsentierte einen Plan, der zu Energiesparen, Umstieg auf Erneuerbare und Diversifizierung führen soll.  <span class="copyright">AP</span>
Von der Leyen präsentierte einen Plan, der zu Energiesparen, Umstieg auf Erneuerbare und Diversifizierung führen soll. AP

„Es gibt aber auch die Möglichkeit kurzfristiger Interventionen.“ Diese würden wohl am 9. September beim Treffen der EU-Energieminister und -ministerinnen besprochen. Im Mai hatte die Kommission von Präsidentin Ursula von der Leyen den Plan mit dem Namen “RePower EU” vorgestellt, mit dem bis 2030 um die 300 Milliarden Euro mobilisiert werden sollen. Dieses Geld besteht demnach zum Großteil aus Krediten sowie aus Zuschüssen. Ziel ist es, damit den Energiebedarf zu senken, den Umstieg auf erneuerbare Energien zu beschleunigen und die Energieimporte zu diversifizieren – sprich die Abhängigkeit von Russland zu verringern. Noch ortet der EU-Rechnungshof allerdings Probleme dabei, die geplante Summe aufzustellen.

Energiesparen wird zentral, sagt Gamon. <span class="copyright">APA</span>
Energiesparen wird zentral, sagt Gamon. APA

Ein gemeinsames Vorgehen der Mitgliedsstaaten sei jedenfalls zentral, sagt Gamon. Kurzfristig sieht sie im Energiesparen den größten Hebel. Das helfe diesen Winter am meisten. „Warum haben wir so hohe Preise? Weil Energieknappheit herrscht. Wir werden im Winter noch mehr Strom mit Gas produzieren müssen. Und das kostet einfach Geld.“ Die Mitgliedsstaaten müssten nun evaluieren, wo einerseits am meisten und wo am einfachsten Energie gespart werden könnte. „Entlang der zwei Variablen muss man eine Gleichung finden.“

Stromhandel “ganz normal”

Dass an der Börse mit Strom gehandelt werde, hält die EU-Abgeordnete für ganz normal. „Das würde ich nicht hinterfragen.“ Es sei abstrus, dass dies überhaupt diskutiert werde. „Im Moment macht uns die Preisbildung Probleme, aber nicht per se, dass Strom gehandelt wird.“ Schließlich würden so auch mögliche Engpässe kompensiert. „In Vorarlberg haben wir das Privileg, dass wir viel Wasserkraft haben, das ist in anderen Gegenden anders.“ Gleichzeitig müsse auch Vorarlberg andere Möglichkeiten nutzen. Würde man sich vom Strommarkt verabschieden, wäre das also kurzsichtig: „Ich hoffe, dass wir einmal von besseren Interkonnektoren und damit auch vom Ausbau der Offshore-Windenergie profitieren können.“

"Ich hoffe, dass wir einmal vom Ausbau der Offshore-Windenergie profitieren können", sagt Gamon. <span class="copyright">DPA</span>
"Ich hoffe, dass wir einmal vom Ausbau der Offshore-Windenergie profitieren können", sagt Gamon. DPA

Der Netzausbau sei ohnehin zentral. Er sei genauso wichtig wie der Produktionsaufbau von Erneuerbaren: „Es gibt viele Förderungen auf europäischer Ebene, aber passieren muss es in den Mitgliedsstaaten.“ Auch Speicher seien von Bedeutung. „Deswegen ist das Kraftwerk Lünersee II von den illwerke vkw so wichtig. Auch das muss bei der Strommarktreform berücksichtigt werden”, sagt Gamon.