Wahlkampfauftakt: Van der Bellen will nicht mit Österreich spielen

Politik / 06.09.2022 • 19:30 Uhr / 3 Minuten Lesezeit

Mit Bergpanorama, aufgekrempelten Hemdsärmeln und veganen Gummibärchen startet der Amtsinhaber in den Wahlkampf.

Wien “Das ist eine echte Wahl, das ist keine Wiese und schon gar nicht ist es eine ‘g’mahte Wiesn'”, sagte Bundespräsident Alexander Van der Bellen am Dienstag bei der Präsentation seiner Wahlkampfplakate im Garten des Palais Schönburg in Wien. Ab Freitag startet der Amtsinhaber offiziell in den Wahlkampf. Eine Aufforderung an alle Wahlberechtigten, am 9. Oktober wählen zu gehen.

Im Zentrum der Kampagne steht der aus der Bundeshymne abgekupferte Slogan “Vielgeliebtes Österreich”, der jeweils links oben platziert wurde. Zu sehen sind vier Sujets. Der Betrachter soll merken: Der Präsident ist heimatverbunden (Bergpanorama des Kaunertals), arbeitet viel (mit aufgekrempelten Hemdsärmeln nachts am Schreibtisch) und setzt sich für junge Menschen ein (Selfie mit Lehrling). Das vierte Plakat mit dem Zitat “Mit Österreich spielt man nicht”. Auf Nachfrage bestätigte Van der Bellen, dass er damit (auch ehemalige) Mitbewerber meint: “Das Amt des Bundespräsidenten ist nicht dazu da, um zu zündeln.” Man solle durch die Freiheiten des Bundespräsidenten nicht zusätzliches Chaos erzeugen, richtete er seinen Mitbewerbern aus.

“Klimakrise macht keinen Urlaub”

Gleich zu Beginn sprach der Bundespräsident jene Krise an, die in letzter Zeit ob starker Konkurrenz in den Hintergrund zu rücken droht: die Klimakrise. “Die Klimakrise geht nicht auf Urlaub, nur weil wir andere Krisen haben”, so Van der Bellen. Passend dazu sind die obligatorischen Wahlkampf-Gummibären vegan, und statt Plastikutensilien gibt es Kressesamen in der Papiertasche.

Insgesamt 1100 16-Bogen-Plakate und 1000 8-Bogen-Plakate werden in den kommenden Tagen aufgehängt. Weiters sind 1000 mobile 4-Bogen-Plakate und rund 20.000 Kleinflächenplakate eingeplant.

Grosz für Ende der Russland-Sanktionen

FPÖ-Kandidat Walter Rosenkranz sprach Van der Bellen in einer Reaktion auf die Kampagne Vernunft und Stabilität in stürmischen Zeiten ab. Ein weiterer Bewerber, Gerald Grosz, fiel am Dienstag ebenfalls auf: Vor der Hofburg präsentierte er sein Wahlprogramm: Dieses beinhaltet unter anderem die sofortige Entlassung der Regierung, die Auflösung des Parlaments, die Ausrufung von Neuwahlen, den Austritt aus der EU und ein Ende der Russland-Sanktionen.

Direkte Konfrontationen wird Van der Bellen mit seinen Mitbewerbern meiden. Vor der Wahl wird es im ORF Einzelgespräche geben, unter anderem in der ZiB2, und am sechsten Oktober werden auf ORF2 die Kandidaten hintereinander vorgestellt. Politologe Peter Filzmaier konnte im Gespräch mit den VN diese Taktik nachvollziehen. In TV-Duellen gebe es für Van der Bellen viel zu verlieren, aber wenig zu gewinnen. Demokratiepolitisch stelle sich aber schon die Frage, wie man mit Kandidaten, die es ebenfalls auf den Wahlzettel geschafft haben, umgehe.

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